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So will BKK24 Zahlungsunfähigkeit abwenden / Ex-Vorstand äußert sich

BKK24: Wirtschaftskrimi zeichnet sich ab

Fest steht: Die Folgen der Finanzkrise werden die BKK 24 noch eine ganze Weile beschäftigen. Jetzt startet die Aufarbeitung. Und erstmals gibt die BKK24 Einblicke, mit welchen Buchungstricks es zu dem Millionen-Loch gekommen ist. Entscheidend wird auch die Frage sein: Wer ist dafür verantwortlich?

veröffentlicht am 27.08.2021 um 05:00 Uhr
aktualisiert am 27.08.2021 um 08:53 Uhr

LANDKREIS. Fest steht: Die Folgen der Finanzkrise werden die BKK 24 noch eine ganze Weile beschäftigen. Wie hoch der Schaden unterm Strich ausfällt, ist offen. In der Branche macht die Zahl von mindestens 20 Millionen Euro die Runde.

Laut Vorstand Tobias Mittmann und Verwaltungsrat Stephan Seiffert sind in den nächsten Wochen und Monaten noch viele Fragen zu klären. Etwa die, wann erstmalig Rechnungen verzögert gebucht worden sind. Beide schließen nicht aus, dass über viele Jahre so verfahren wurde. Wie konnte es dazu kommen? Fahrlässigkeit? Oder war es so gewollt? Und nicht zuletzt: Wer hat die Situation zu verantworten?

All das soll nun zügig aufgearbeitet werden. Der Verwaltungsrat hat damit einen externen Juristen beauftragt, der bereits die Arbeit aufgenommen hat. Mittmann und Seiffert stellen gleichzeitig klar: Es geht hier nicht um Veruntreuung oder persönliche Bereicherung. Schließlich sei kein Geld abhanden gekommen, aber die Unternehmensbilanz habe zum Stichtag ein nicht der Realität entsprechendes Bild gezeichnet – anders formuliert: ein geschöntes Bild.

Die beanstandeten Vorgänge fallen in die Amtszeit des langjährigen Vorstands Friedrich Schütte. Der sagt dazu auf Anfrage: „Wenn es im genannten Zusammenhang ungeklärte Fragen geben sollte, begrüße ich deren Aufklärung. Dafür stehe ich selbstverständlich mit meinen Möglichkeiten auch gern zur Verfügung.“

Die ab 1. September greifende Anhebung des Zusatzbeitrags um 1,5 Prozentpunkte müssen Versicherte und Arbeitgeber zu gleichen Teilen, also mit jeweils 0,75 Prozent – tragen. Mit dem bisherigen Satz von 1,0 Prozent gehörte die BKK 24 bundesweit zu den Kassen mit den niedrigsten Zusatzbeiträgen. Das hat ihr in den vergangenen Jahren reichlich Zuwachs bei den Mitgliedern beschert. Diese zu halten, dürfte nun schwer werden. Mehr noch: Die entscheidende Frage ist, wie viele Versicherte am Ende der BKK 24 den Rücken kehren und sich eine preiswertere Kasse suchen werden. Mittmann hofft, dass der Mitgliederbestand um höchstens 15 Prozent abschmilzt.

In dem diese Woche verschickten Brief an die Versicherten werden deshalb auch noch einmal die wichtigsten der insgesamt rund 90 Zusatzleistungen der Kasse als Vorzüge herausgestellt. Und tatsächlich setzt sich die BKK 24 damit von vielen Wettbewerbern ab. Erst im Juni hatte sie Mammografie-Untersuchungen auch für jüngere Frauen in ihren Leistungskatalog aufgenommen. Vorstand und Verwaltungsrat setzen darauf, dass viele Mitglieder diese Leistungen, die unangetastet bleiben sollen, zu schätzen wissen und ihrer Krankenkasse deshalb treu bleiben.

Dass die Aufsichtsbehörde die vorgeschlagene Beitragserhöhung in Rekordzeit genehmigt und damit den Weg für einen Nachtragshaushalt freigemacht hat, sehen Mittmann und Seiffert als Bestätigung ihrer Marschroute. Das drohende Insolvenzverfahren sei damit erst einmal kein Thema mehr, sind sie überzeugt. „Das BAS teilt unsere Einschätzung, dass wir strukturell gesund sind“, sagt Mittmann. „Die Prüfer haben keine Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der BKK 24 gehabt“, ergänzt Seiffert.

Die Festlegung auf einen Beitragssatz in Höhe von 2,5 Prozent könnte der Kasse frisches Kapital von bis zu 13 Millionen Euro verschaffen. Man habe bewusst konservativ kalkuliert, macht Mittmann deutlich – „wir wollen nicht noch einmal anpassen müssen“. Allein schon aus Verantwortung gegenüber den 285 Mitarbeitern.

Bei ihnen den Rotstift anzusetzen, etwa in Form von Gehaltskürzungen, kommt für Seiffert nicht infrage. Es sei ohnehin schwer genug, in einer ländlichen Region wie Schaumburg ausreichend qualifiziertes Personal zu finden. Und grundsätzlich benötige man angesichts des Wachstums der vergangenen Jahre eher mehr als weniger Leute. Dies gelte insbesondere für die Zeit nach der temporären Beitragserhöhung, wenn man hoffentlich schnell zur Normalität zurückfinde.

von Marc Fügmann




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