weather-image
Verstärkung für das Team in der Historischen Schlosserei Bornemann

Der Lehrling

OBERNKIRCHEN. Der Andrang war beträchtlich, als am Sonntag zum letzten Mal in dieser Saison die Historische Schlosserei Bornemann die Kunst des Schmiedehandwerks präsentiert hat.

veröffentlicht am 15.10.2018 um 18:14 Uhr

Schmieden wie vor Tausenden von Jahren. Foto: rnk
4301_1_orggross_f-westermann

Autor

Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

OBERNKIRCHEN. Sonntag Nachmittag, 13 Uhr 45; Bernd Hucke trifft ein. In einer Dreiviertelstunde will die Historischen Schlosserei Bornemann das letzte Mal ihre Türen öffnen und die Esse anwerfen, aber schon jetzt warten vier Besucher draußen vor dem Schaukasten. Hucke öffnet daher vorzeitig; an manch anderen Schautagen, so wird er später erzählen, kamen den ganzen Nachmittag nur drei Besucher.

Das ist dieses Mal anders, ganz anders. Wenig später trifft Heinz-Jürgen Brandt ein, zehn Minuten vor dem offiziellen Öffnungstermin kommt mit Berthold Kasprik der dritte der ehrenamtlichen Mitarbeiter und kann es kaum fassen: Insgesamt zählt er elf Besucher, und dieser Strom wird den gesamten Nachmittag nicht abreißen.

Brand und Kasprik arbeiten seit Jahren in der Schlosserei und erklären die alte Handwerkskunst, Bernd Hucke dagegen ist neu im Team, er sei der Lehrling, wird er später lächelnd erklären. Dass er nun das Duo zum Trio verstärkt, ist schnell erzählt. Schon in seiner Jugend habe er über den Freund seines Vaters einen Großteil seiner Freizeit in dessen Schmiede in Münchehagen verbracht, nach der Ausbildung im Metallgewerbe und einem Studium habe er weltweit Anlagen produziert und Projekte umgesetzt, vor einem Jahr sei er in den Ruhestand gegangen und habe sich die an diesem Zeitpunkt des Lebens klassische Frage gestellt: „Was mache ich jetzt mit meiner Zeit?“ Golfspielen, so habe er damals entscheiden, werde auf jeden Fall nicht sein neues Hobby.

: Bernd Hucke verstärkt das Team in der Historischen Schlosserei Bornemann. Foto: rnk
  • : Bernd Hucke verstärkt das Team in der Historischen Schlosserei Bornemann. Foto: rnk

In der Zeitung habe er dann von einem Aufruf von Heinz-Jürgen Brandt gelesen: Die Historische Schlosserei suche noch Mitstreiter. Das passe, befand Hucke: ehrenamtlich in der Metallverarbeitung. Daher schrieb er Brandt eine E-Mail, stellte sich vor, schaute sich die Schlosserei und die Arbeitsgeräte an – und ist seitdem dabei.

Die Arbeit in der Schlosserei, sagt Hucke, „das ist Handwerk, wie ich es teilweise noch erlebt habe“, auch das Schmieden habe noch dazugehört. Dieses Gestalten von Metall, sagt er, mit ganz einfachen Mitteln, „das hat mich von Anfang an begeistert.“

Das Schmiedehandwerk zählt zu den ältesten Handwerken der Menschheit. Frühe Funde belegen, dass schon vor rund 5000 Jahre in Indien und Ägypten geschmiedet wurde. Mithilfe von glühender Kohle innerhalb der Esse und durch die Luftzufuhr des Blasebalgs entstehen einst wie heute schnell hohe Temperaturen. Das Material wird mit Zangen in das rund 1800 Grad heiße Feuer gehalten, damit es schmilzt. Das geschmolzene Material wird zum Amboss transportiert und mit dem Hammer bearbeitet.

Der Beruf Schmied ist und war ein traditionelles wie wichtiges Handwerk. Durch eine relativ simple Technik werden Gegenstände hergestellt, die eine enorme Haltbarkeit haben. Des Weiteren können aus nahezu allen Metallen Gegenstände, Materialien und Geräte hergestellt werden. Der Schmied hat es geschafft, sowohl im Mittelalter als auch im 21. Jahrhundert in abgewandelter Form eine wichtige Rolle zu spielen, auch wenn das Berufsbild vor fast drei Jahrzehnten seinen Namen änderte: Aus Schmieden wurden Metallbauer.

Zurück in die Lange Straße, in die Schlosserei. Natürlich, sagt Bernd Hucke, werde in der Schlosserei auch geschmiedet, aber der Beruf sei deutlich vielseitiger. „Es ist nicht nur das Schmieden, sondern das gesamte Schlosserhandwerk, das am Leben gehalten werden kann.“




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare