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Wie wird der Winter? Dem Bauhof ist dies eher egal: „Wenn er kommt, legen wir los“

Der Obernkirchner Bauhof: Allzeit bereit

OBERNKIRCHEN. Einmal in all den Jahren, sagt Karl Harting, da habe ihn der Winter, nun ja, kalt erwischt. Das war von neun Jahren, und dem Leiter des Bauhofes erging es wie allen anderen Kollegen im Bundesgebiet: Salz war aus. Und für die Bauhöfe war bundesweit Plan B angesagt: Rollsplitt, der Eis und Schnee nicht zum Schmelzen bringt, sondern nur abstumpft.

veröffentlicht am 10.02.2019 um 17:10 Uhr

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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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Den Winter mit seinen möglichen Schneefolgen sieht Harting völlig pragmatisch: „Wenn er kommt, dann legen wir los.“ Das war so, das bleibt so. Aber ansonsten sei der Bauhof mit jener Institution, die noch an der Rintelner Straße beheimatet gewesen sei, als er vor mehr als 20 Jahren die Leitung übernommen habe, nur bedingt vergleichbar, sagt Harting. Denn generell sei jeder Bauhof völlig unterschiedlich, weil jeder Bauhof eben auch unterschiedliche Aufgaben wahrzunehmen habe. Auf die Bergstadt bezogen, zählt er auf: „Anderthalb Mitarbeiter sind allein für den Friedhof zuständig, dazu kommen die Hausmeisteraufgaben an der Grundschule und am Jugendzentrum. Auch um das Rathaus kümmert sich der Bauhof.“

Und natürlich kümmert sich der Bauhof um die Straßen. Bei der Räumung nach Schneefall gebe es klare Vorgaben: „Es wird nach Prioritäten abgearbeitet“, sagt Harting: Erst werde vor den Altenheimen geräumt, den Schulen und in der Innenstadt, kurzum überall dort, wo es Fußgängerverkehr gebe. Anschließend folgten die Verbindungsstraßen, und erst dann kämen die Anwohnerstraßen dran.

Jeder Fahrer habe seine eigene Route, die er abfahre. Es gebe zeitliche Vorgaben, und jeder Meter müsse dokumentiert werden. „Ohne Dokumentation geht ja gar nichts mehr“, sagt Harting. Und falls nach einem halben Jahr jemand nachfragt, ob in der Straße X, wo er gefallen ist und sich böse verletzt hat, auch wirklich gestreut worden sei oder nicht, so sei das kein Problem: Ein Zugriff auf den digitalen Ordner schafft Klarheit. Dabei richteten sich die zeitlichen Vorgaben natürlich nach der Arbeit: 20 Zentimeter Schneeräumung würden naturgemäß länger dauern als nur einmal kurz durchfahren und streuen. Und zwischen glatt und spielgelblank bestehe ja auch ein Unterschied: „Es geht nicht um Schnelligkeit“, präzisiert Harting, „es geht um Genauigkeit.“

Zweieinhalb Autos, Schubkarren, ein Einachser mit Anhänger: Als Harting zum Bauhof stieß, waren die Gerätschaften überschaubar. Was zählte, das war die Manpower, also die menschliche Arbeitskraft. Das hat sich drastisch geändert in all den Jahren. Heute gehöre die Arbeit mit dem PC selbstverständlich dazu, und wer die Geräte nicht steuern könne, der brauche gar nicht erst rausfahren. Harting nennt ein Beispiel: „Wenn ich mich heute auf einen Unimog für den Winterdienst setzen würde, dann käme ich angesichts der Technik nicht mehr klar.“ Früher war das einfach: aufsitzen, aufdrehen, damit das Salz hinten rauskommt, und losfahren. Heute muss zuvor zusammengestellt werden, was auf die Straße soll: Menge, Masse und in welcher Zusammenstellung.

Natürlich gebe es heute Vorschriften. Früher, sagt Harting, und es klingt nicht, als wenn er diesen Zeiten nachtrauen würde, da sei man bei Schneefall losgefahren und erst wiedergekommen, wenn alles erledigt gewesen sei. Das gehe heute nicht mehr: Acht Stunden Einsatz mit vorgeschriebenen Pausen, anschließend sei ein Fahrerwechsel zwingen vorgeschrieben. Harting sieht es so: „Der Verkehr hat deutlich zugenommen, damit muss stärker auf die Sicherheit des Teams geachtet werden.“ Auch dabei greife eine Prioritätenliste: „Die Jungs müssen am Abend gesund nach Hause gehen, und die Fahrzeuge dürfen nicht kaputtgehen, und zwar genau in dieser Reihenfolge.“ Was aber Mensch und Maschine eine, sei dies: Würden sie zu stark belastet, „dann gehen sie kaputt“. Gearbeitet wird so lange, wie es die Vorschriften zulassen, nicht eine Sekunde länger.

Themenwechsel. Waren die Winter früher strenger? Und länger? „Jein“, sagt Harting, jeder Winter sei unterschiedlich, jeder sei anders. Den Wandel des Klimas merke ja auch jeder, sagt er – und verweist auf denn letzen Sommer: „Wir haben gegossen wie die Weltmeister“, die städtischen Beete und die neu angepflanzten Bäume, weil es in den jeweiligen Bereichen wenig Boden und damit Feuchtigkeit gebe – und ohne Wasser Bäume und Pflanzen absterben. „Und wir sprechen ja über Steuergelder“, sagt er, Und schön sehe es natürlich auch nicht aus, wenn alles den Kopf hängen lasse oder gar absterbe.

Aber jedes Ding hat bekanntlich zwei Seiten. „Dafür mussten wir weniger mähen, weil ohne Regen das Gras halt nicht wächst.“ Es sei, sagt er, nach seiner Erinnerung der erste Sommer gewesen, der derartig trocken war. Ob genug gegossen worden sei, „das wird man erst in einigen Monaten sehen“, so Harting.




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