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Manuela Schneider beantwortet die Post an den Bärtigen

Der Weihnachtsmann ist eine Frau

KRAINHAGEN. Unter knorrigen Buchen und hohen Fichten hängt er im Krainhäger Wald – der goldene mit Tannenzweigen geschmückte Kasten ist an der Fassade einer verwunschenen Hütte angebracht. Über dem Briefschlitz weist die Aufschrift „Wunschzettel-Kasten“ auf die Besonderheit hin.

veröffentlicht am 23.12.2018 um 17:18 Uhr

Die Krainhägerin Manuela Schneider beantwortet die Briefe an den Weihnachtsmann, die Obernkirchener Kinder geschrieben haben. Foto: leo
Leonhard Behmann

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Moos bedeckt das Dach des kleinen Hauses mit der hölzernen Tür und den Fensterläden. In der Nähe plätschert eine Quelle, sonst ist es still. Das mystische Gebäude könnte gut aus einem Märchen-Film stammen. Der genaue Standort der Steinhütte soll geheim bleiben. Aber es ist ein offenes Geheimnis, das fast jedes Kind aus Obernkirchen kennt. Jedes Jahr in der Adventszeit stecken Mädchen und Jungen aus der Bergstadt ihre Weihnachtspost in den glänzenden Kasten. Die Antwort vom Weihnachtsmann kommt kurz drauf über Nacht. Was niemand weiß: Der Weihnachtsmann ist eine Frau.

Manuela Schneider beantwortet die Briefe der Kleinen. Die 55-Jährige freut sich, dass sie mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit Kinderaugen zum Strahlen bringen kann. „Wenn man die Menschen mit ein bisschen Papier glücklich machen kann, dann mache ich das gerne“, sagt Schneider. Dabei gibt sie sich besonders viel Mühe. Jeden Wunschzettel beantwortet die Weihnachtsfrau persönlich. Kein Brief gleicht dem anderen.

So verschieden die Briefe sind, die Schneider den Kindern zurücksendet, so unterschiedlich sind auch die Wunschzettel der Kinder. „Die einen wünschen sich Spielzeug, andere hingegen Gesundheit oder Liebe“, erzählt die 55-Jährige. Ganz besonders berührt hat Schneider die Weihnachtspost eines Jungen, der sich vom Weihnachtsmann Gesundheit für seine kranke Oma wünscht. „Ich habe dem Jungen zurückgeschrieben, dass ich mal mit meinem Rentier-Schlitten beim Krankenhaus vorbeischaue und mit dem Arzt spreche“, erzählt die Arzthelferin mit einem Lächeln. Im Falle eines aktuellen Briefes muss Schneider besonders kreativ werden. Ein Junge hat sich gewünscht, dass der Weihnachtsmann ihn im frisch renovierten Wohnzimmer besuchen kommt. Auf dem Feld neben dem Haus könne der Weihnachtsmann gut seinen Schlitten parken, steht in dem Brief, den Schneider bekommen hat. Die Weihnachtsfrau hat schon eine Idee, wie sie den Brief beantwortet. Mit ihrem Fahrrad will sie auf dem Feld Furchen ziehen und damit falsche Spuren legen. „Es soll so aussehen, als ob der Weihnachtsmann mit seinem Schlitten da war“, sagt Schneider. Dem Kind wird sie im Brief schreiben, dass der Weihnachtsmann da war.

Pia-Lotta wirft einen Brief an den Weihnachtsmann in den Wunschzettel-Kasten. Foto: leo
  • Pia-Lotta wirft einen Brief an den Weihnachtsmann in den Wunschzettel-Kasten. Foto: leo

Ihre Antwort-Briefe schreibt sie auf ein spezielles hellbraunes Papier – verziert mit einem Weihnachtsmann und Rentieren. Oft wird die 55-Jährige gefragt, wie denn ihre Rentiere heißen. „Dann antworte ich immer: ‚Rudolf und Renate.‘“ In jeden Briefumschlag kommt außer dem Briefpapier auch immer ein kleines Präsent. Mädchen erhalten meistens Teddybär-Aufkleber als Geschenk. Jungen hingegen tut sie einen aus Weidestöckchen gebastelten Weihnachtsstern in den Brief. Die besondere Post trägt die Weihnachtsfrau nachts aus. „Dann sehen mich die Kinder nicht“, sagt Schneider. Dabei fährt sie zu jedem Haus persönlich, um den Brief einzuwerfen.

Schneider macht die Arbeit viel Spaß. Auch im nächsten Jahr will sie wieder mit der Weihnachtspost Kinderaugen zum Leuchten bringen. Die Tradition in Krainhagen lebt somit weiter.




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