weather-image
29°
Infiziert mit der Dino-Krankheit: Wer sind die Helfer im Steinbruch? / „Mal über den wissenschaftlichen Tellerrand schauen“

Dinosaurier sind auch nur Menschen wie du und ich

Obernkirchen. Infiziert von der Dino-Krankheit, wie er sie nennt, war er schon als dreijähriger Junge. Trotzdem hat er einen eher bürgerlichen Berufsweg eingeschlagen und sich zum Industrieelektroniker ausbilden lassen. Als er 2003 in Münchehagen bei den Dinos mitgegraben hat, da ist sie wieder ausgebrochen, die Dino-Krankheit, und Torsten van der Lubbe war stark infiziert. Ein paar Jahre hat er ehrenamtlich gebuddelt und geforscht, dokumentiert und ausgewertet, dann gab es auch mal den einen oder anderen Euro für seine Arbeit – und seit diesem Sommer ist er fest angestellt beim Niedersächsischen Landesmuseum. „Darauf habe ich die ganzen Jahre hingearbeitet“, erzählt er. Man darf sich Torsten van der Lubbe in diesem Sommer als einen glücklichen Menschen vorstellen.

veröffentlicht am 03.08.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 10:41 Uhr

Melanie Moritz

Autor:

Frank Westermann

Er ist nicht der einzige, der von dieser merkwürdigen Krankheit erfasst wurde. Auch Björn Vogel gehört dazu. Der 14-jährige Junge aus Garbsen bei Hannover ist mit Feuereifer – wie jeder im Team – dabei, er fegt und legt frei, neben ihm steht ein Erwachsener, der alles, was nicht gebraucht wird, mit flüssigen, geübten Bewegungen in eine Schublade schaufelt. „Tja“, erzählt Björn Vogel“, auch ich war als kleines Kind von den Dinosauriern fasziniert“. Er hat diese Faszination nie verloren, ganz im Gegenteil: Er hat eine umfangreiche Knochensammlung zu Hause. Und über diese Sammlung ist er in den Steinbruch Obernkirchen gekommen: Als er einen Knochen nicht zweifelsfrei identifiziert konnte, hat er sich an die Chef-Paläontologin Dr. Annette Richter gewandt. Die konnte nicht nur helfen, sondern war auch von Interesse des Jungen angetan. Und lud ihn ein, einmal in Obernkirchen vorbeizukommen. Anscheinend ist seine Dino-Krankheit anstecken, denn der Erwachsene, der neben im fleißig schaufelt, ist sein Vater Torsten. Beide sind sich einig: „Wir sind das erste, aber sicherlich nicht das letzte Mal hier.“

Das gilt für alle, die am Sonntag dort im Steinbruch arbeiten. Vom fünfjährigen Jungen, der mit ungebrochener Begeisterung und einem Kinderhammer bei der Arbeit ist, bis hin zum 78-jährigen Landwirt aus der Gegend von Münchehagen, der nach einer sinnvollen Freizeitbetätigung sucht: Die Dino-Experten haben viel Zulauf in diesen Tagen. „Das liegt an der Stimmung im Team“, sagt Melanie Moritz aus Helpsen. Sie studiert Archäologie und hat mit der Paläontologie und Dino-Fährten eigentlich wenig am berühmten Hut, aber sie ist jetzt schon zum dritten Mal hier und schiebt die vollgefüllte Schubkarre durch den Steinbruch. Ihre Begründung ist schlüssig: „Man muss auch mal über den wissenschaftlichen Tellerrand hinausschauen.“

Auch an Besuchern mangelt es nicht. Seit sich herumgesprochen hat, dass oben im Steinbruch sonntags öffentlich abgetragen und geforscht wird, kommt im Schnitt jede halbe Stunde eine kleine oder größere Besuchergruppe, die eine Führung wünscht. Van der Lubbe oder die ausgebildeten Dino-Scouts lassen sich nicht zweimal bitten. Also erzählt der ehemalige Industrieelektroniker von relativen Laufgeschwindigkeiten, die mit einer Formel errechnet werden und Aufklärung darüber bringen können, wie schnell oder langsam sich die Dinosaurier vor 140 Millionen Jahren bewegt haben; er weist auf das große Nahrungsangebot für die Pflanzenfresser unter ihnen hin, das sie damals hier vorgefunden hätten; er erklärt den Sandstein, in dem die Fährten schön konserviert werden, und auch, warum die Fährten teilweise so unterschiedlich ausfallen, kann er anschaulich belegen: Das sei wie bei uns auch, sagt van der Lubbe: Wenn man mit bloßen Füßen durch den Matsch geht, habe man mal mehr und mal weniger Schlamm zwischen den Zehen – dementsprechend unterschiedlich würden auch unsere Fußabdrücke ausfallen. Die Botschaft kommt an: Die Dinosaurier waren eben auch nur Menschen wie du und ich.

Torsten Vogel
  • Torsten Vogel
Björn Vogel
  • Björn Vogel
Torsten van der Lubbe
  • Torsten van der Lubbe
Auch Kleingruppen erhalten ihre gewünschte Führung: Torsten van
  • Auch Kleingruppen erhalten ihre gewünschte Führung: Torsten van der Lubbe (sitzend) erzählt die Geschichte der Dino-Spuren. Fotos: rnk
Torsten Vogel
Björn Vogel
Torsten van der Lubbe
Auch Kleingruppen erhalten ihre gewünschte Führung: Torsten van

Mehr Artikel zum Thema
Anzeige
Kommentare