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Für alles ist ein Kraut gewachsen

Dopamin ist die Hure im Hirn – und verführt uns

OBERNKIRCHEN. Mit einem weit verbreiteten Vorurteil räumt Dr. Gerd Glaeske gleich zu Beginn seines Vortrages auf: Nur weil etwas in der Natur wächst oder aus der Natur kommt, ist es nicht von Natur aus gut.

veröffentlicht am 03.04.2019 um 12:47 Uhr

Kräuter und Gewürze bringen viel Potenzial mit: Sie regen den Stoffwechsel an, verbessern die Aufnahme von Eisen und Spurenelemente, helfen gegen Allergien und Akne. Foto: dpa
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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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Schließlich würde auch die eine oder andere Pflanze ein Gift entwickeln, auf dass es in ferne Zukunft nicht mehr von Vierhufern gefressen werde, der wissenschaftliche Leiter des LBL-Institutes an der Universität Bremen nannte den Fingerhut als Beispiel.

Der Apotheker und Gesundheitswissenschaftler referierte im Rahmen der Frühjahrskur bei der BKK24, und stellte Kräuter und Gewürze vor, mit denen der Mensch wieder in Schwung kommt, wenn die dunkle Jahreszeit sich zurückzieht. Was man im 13. Jahrhundert intuitiv beim Umgang mit Kräutern richtig gemacht habe, werde heute von der Wissenschaft belegt, so Glaeske. Etwa die Ringelblume, die zu den ältesten Kulturpflanzen gehört und seit dem Mittelalter als Heilpflanze bekannt ist, denn Hildegard von Bingen führte „Ringula“ als Mittel gegen Verdauungsbeschwerden und Entzündungen aller Art ein. Daher kämen Ringelblumenextrakte häufig in Wundheilungssalben vor, aber auch in Zubereitungen, die leichte Entzündungen in Mund und Rachen lindern sollten. Doch keine Rose ohne Dornen, auch Nebenwirkungen können, wie bei allen anderen Kräutern und Gewürzen, die Glaeske ausführte, durchaus auftreten. Wer eine empfindliche Haut hat, kann auf Ringelblume mit Hautreizungen reagieren.

Safran, Johanniskraut und Süßholz können zur guten Laune verhelfen, weil die Glücklichmacher aus der Natur gegen Depressionen ankämpfen. Beim Safran kann der Inhaltsstoff Crocin die Ausschüttung von Dopamin und Noradrenalin im Gehirn erhöhen, der Inhaltsstoff Safranal den Serotoninspiegel – alles sogenannte Gute-Laune-Hormone.“ Dopamin, so Glaeske, „ist die Hure in unserem Gehirn“, verführe Frauen zum Kauf von Taschen und Männern von Werkzeug, und beide zu Sex, Nikotin, Alkohol, Tabletten: Das Dopamin verlange nach dem, was einen sich wohlfühlen lassen – und beschere so auch gute Laune.

Generell würden Kräuter und Gewürze viel Potenzial in sich bergen: Sie regen den Stoffwechsel an, verbessern die Aufnahme von Eisen und Spurenelemente, helfen gegen Allergien und Akne, verbessern das Hautbild. Rosmarin etwa helfe gegen Blähungen, Völlegefühl und Kopfschmerzen, „ er hilft beim Jung bleiben im Alt werden“, meinte Glaeske, Thymian etwa unterstützte durch ätherische Öle die Heilung bei Husten, Erkältungen, Bronchitis und Rheuma; „und Salbei ist bei Entzündungen genauso wirksam wie Hexoral.“. Unterschätzt werde der Pfeffer mit seiner Wirkung: Glaeske verwies auf Länder mit großer Hitze, in denen sehr scharf gewürzt werde, was eine starke Reaktion des Körpers hervorrufe, die wiederum die Abwehrkräfte stärke. Kräuter und Gewürze können nicht nur bei der Senkung von Bluthochdruck, gegen Erkältungen, Rheuma oder Migräne helfen und Entzündungen und Hauterkrankungen lindern, darüber hinaus dienen sie zur Ankurbelung des Stoffwechsels und tragen zum Wohlbefinden bei, erklärt Glaeske. Gerade im noch manchmal trüben Frühjahr könnten diese natürlichen Produkte dabei helfen, die Laune zu steigern, wenn das Wintergrau mieslaunig oder sogar trübsinnig stimmen sollte.

Weil das Essen generell auch eine ethische Seite aufweist, widmete sich Glaeske auch dem Hype um die Avocado, denn deren Verbrauch in Deutschland steigt und steigt und steigt. Importiert werden die Früchte hauptsächlich aus Mittel- und Südamerika, aus Ländern wie Mexiko und Chile. Die weltweit steigende Nachfrage sorgt dafür, dass mit der Avocado viel Geld verdient werden kann, es gibt immer mehr Plantagen und damit Mengen, die die Natur längst nicht mehr alleine versorgen kann, erklärte Glaeske. Die Folge: Es fehlt an Wasser, denn für die Produktion eines Kilogramms Avocado sind rund 1000 Liter Wasser nötig. Und so fehlt den Gemeinden in der Nähe der Avocado-Plantagen das Wasser nicht nur an der Oberfläche, es mangelt auch am Grundwasser. Das sei ein Dilemma, meinte Glaeske: Einerseits wolle man gesund leben, aber dafür dürfe man den Menschen in Mexiko nicht das wichtige Wasser wegnehmen.

Übrigens: Dass Gesundheit im Trend liegt, zeigte dieser Vortrag, bei dem alle Stühle bis auf den letzten Platz besetzt waren. Aber auch für ihn fand sich noch ein Zuhörer.




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