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Strecke reaktiviert, weitere Transporte geplant: Holzumschlag in der Bergstadt hat sich verachtfacht

Drehscheibe Obernkirchen

OBERNKRICHEN. Auf der einst verwaisten Bahnstrecke von Obernkirchen nach Stadthagen ist wieder was los. Die Bückebergbahn ist derzeit gefragt wie nie zuvor. Am kleinen, verschlafenen Bahnhof, wo sonst nur ab und zu der historische Schienenbus durchfährt, sorgen immer öfter spektakuläre Holzverladungen für Aufsehen. Obernkirchen ist aktuell zum wichtigsten Ort für den nationalen und internationalen Holzumschlag in der Region geworden.

veröffentlicht am 26.02.2019 um 16:46 Uhr

Spektakuläre Verladung am Bahnhof Obernkirchen: Mit einem Kran werden die Baumstämme auf die Waggons verladen. Holztransporte sind in der Bergstadt keine Seltenheit mehr. Foto: leo
Leonhard Behmann

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Was Ende 2017 mit einem Holztransport angefangen hat, hat sich enorm gesteigert. Im vergangenen Jahr hatte sich die Zahl der Transporte bereits verfünffacht. „In diesem Jahr sind wir bereits jetzt im Frühjahr schon auf dem Vorjahresniveau und weitere Transporte sind geplant“, sagt der Geschäftsführer der Bückebergbahn, Carsten Reinhardt. Allein bis April sollen noch acht Holztransporte auf der Schiene stattfinden. „Vermutlich wird es aber nicht dabei bleiben und weitere Güterzüge werden in diesem Jahr noch von Obernkirchen aus starten“, sagt Reinhardt. Den Geschäftsführer der Bückebergbahn freut das sehr. „Nachdem der Bahnstrecke vor Jahren schon die Stilllegung drohte, ist es toll, dass hier jetzt wieder die Züge rollen“, sagt Reinhardt.

In diesen Tagen ist der vierte sogenannte Ganzzug von Kränen in Obernkirchen beladen worden. Weitere vier Transporte sind bereits geplant. Derzeit nutzen die Klosterforsten die reaktivierte Bahnstrecke und verladen jede Menge Stämme. Das Holz, das in der Bergstadt auf Waggons verladen wird, lässt Revierförster Andreas Brandt aus den Wäldern bei Auhagen, Beckedorf, Reinsen und Liekwegen mit Lastwagen nach Obernkirchen bringen. „Es ist ein großer Aufwand, den wir betreiben, aber anders geht es nicht“, meint Brandt, der als Förster für das Revier Auhagen zuständig ist. Auf der Straße könne man derzeit kein Holz mehr transportieren, die Speditionen seien ausgelastet. „Wir sind deshalb sehr froh, dass wir die Möglichkeit haben, in Obernkirchen Züge zu beladen“, sagt Brandt. „Man müsste sonst bis nach Minden oder Springe fahren.“ Aus seinem Revier werden 3000 Festmeter Sturm- und sogenanntes Käferholz abtransportiert.

Die Klosterforsten seien auf die Verlademöglichkeit und die alte Bahnstrecke aufmerksam geworden, als andere Firmen ihr Holz dort verladen hätten. Sie seien aber nicht die Einzigen, denen es so gegangen ist, weiß Peter Grote. Der Eisenbahner packt ehrenamtlich bei der Bückebergbahn mit an und hilft beim Verladen und dem Rangieren der Züge. „Nachdem die Zeitung über die erste Verladung in Obernkirchen berichtet hatte, sind immer mehr Firmen auf uns aufmerksam geworden“, erzählt Grote.

Die 50 Jahre alte Diesellok zieht die zahlreichen Waggons nach Stadthagen. Von dort starten die Züge zu den Sägewerken. Foto: leo

Die Bückebergbahn holt sich für die Transporte Hilfe beim Verein Dampfeisenbahn Weserbergland. „Da die Bückebergbahn keine eigene Lokomotive hat, nutzen wir die Diesellok des Vereins“, sagt Reinhardt.

Die 50 Jahre alte und 650 PS starke Lokomotive zieht pro Transport 24 bis 26 beladene Waggons nach Stadthagen und bringt die leeren zurück nach Obernkirchen. In Stadthagen übernimmt eine Lokomotive der Deutschen Bahn den Transport zum Sägewerk. Allein drei Sägewerke würden derzeit per Bahn beliefert, auch deren Betreiber seien auf die reaktivierte Trasse aufmerksam geworden, berichtet Reinhardt. Aus dem Holz, das die Klosterforsten derzeit verladen, sollen in einem Sägewerk in Thüringen Dachbalken, Latten und Bretter entstehen. „Mit dem Konstruktionsholz werden später Häuser gebaut“, sagt Förster Brandt. Aus Holz, das in Obernkirchen verladen wurde, ist aber auch schon in einer Fabrik Papier hergestellt worden.

Erst vor wenigen Wochen war Holz aus dem Obernkirchner Wald in Seecontainer verladen und nach Fernost verschifft worden. Im März sollen weitere Verladungen auf Frachtzüge folgen. Dann wird wieder Holz aus dem Obernkirchner Wald verladen.




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