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100 Jahre Ortsverein

DRK-Ortsverein: Dem Menschen dienen, aber keinem System

OBERNKIRCHEN. Mit einem Kommers wurde der 100. Geburtstag des Ortsvereines des Deutschen Roten Kreuzes gefeiert, in einem Punkt waren sich alle Festredner einig: „Eure Arbeit ist unbezahlbar.“

veröffentlicht am 08.04.2019 um 14:28 Uhr
aktualisiert am 08.04.2019 um 17:40 Uhr

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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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OBERNKIRCHEN. Als der Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes gegründet wurde, lag Deutschland am Boden, umriss Bernd Koller als Präsident des Kreisverbandes des DRK in seiner Rede die nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg herrschenden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Ortsvereine kümmerten sich in erster Linie um Wohlfahrt, viele Männer waren auf den Feldern des sinnlosen Gemetzels gestorben, befanden sich in Gefangenschaft oder kehrten an Leib und Seele schwer verwundet zurück, „man kümmert sich beim DRK um das Nötigste, um Kleidung und Nahrung für die Menschen“, sagte Koller.

Begrüßt hatte die Gäste Dieter Horstmeyer, der seit 1976 Vorsitzender des Ortsvereines ist, zuvor war er Gruppenführer, Bereitschaftsleiter und natürlich Mitglied, denn sein Vater Wilhelm gehörte vor 100 Jahren zu den Mitbegründern.

Koller strich den grundsätzlichen Ansatz der Hilfsorganisation heraus: Das DRK sei immer zur Stelle, wenn man seine Unterstützung brauche, und mit Blick auf den Ortsverein nannte er zwei Namen, deren jahrzehntelanges Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Erna Nusspicker erhielt es 2005, Horstmeyer 2011. „Wir helfen und dienen Menschen, aber keinem System“, sagte Koller. „Wir helfen und versorgen Opfer und Täter, auch wenn das manchmal schwerfällt.“

Landrat Jörg Farr widmete sich dem Ehrenamt an sich in seiner Rede, es werde heute von vielen als Selbstverständlichkeit betrachtet: Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren würden. Aber manchmal schätze man die Dinge erst, wenn sie nicht mehr da seien, dabei könne es jederzeit passieren, „dass wir auf das DRK angewiesen sind“. Ähnlich sah es Bürgermeister Oliver Schäfer und sprach von einem Zusammenhalt, der funktioniere, weil man sich kenne und von den Menschen, die die Arbeit leisten würden, überzeugt sei: „Eure Arbeit ist unbezahlbar“, sagt Schäfer. Natürlich müsse man die Strukturen erhalten, hoffte Schäfer, „unser System ist ein großes ehrenamtliches System.“ Er, Schäfer, gehe aber davon aus, dass die Arbeit, die man im Ortsverein leiste, „in die nächste Generation geht“.

Erstaunlich übrigens, wie lange, freundschaftlich und unterhaltsam sich vier erfahrene Redner bei einem Kommers über ehemalige und jetzige Landesgrenzen zwischen Schaumburg, Schaumburg-Lippe, der Grafschaft Schaumburg sowie natürlich Rösehöfe verbal kabbeln können. Heiko Schaper jedenfalls hielt sich raus, betonte als stellvertretender Stadtbrandmeister lieber die gute Zusammenarbeit und hob anschließend sein Glas: „Auf die nächsten 100 Jahre.“

Horstmeyer hob später ein paar Punkte der 100-jährigen Geschichte des Ortsvereins hervor: 1925 habe man mit 30 aktiven Helfern Bereitschaftsstärke erreicht, 1946 wurde nach dem Zweiten Weltkrieg eine Sozialdienstgruppe ins Leben gerufen. 1966 erfolgte der erste Großeinsatz bei der Flutkatastrophe in Fischbeck, 1969 und 1971 wurde der Technische Dienst Landessieger, 1973 wurde das Jugend-Rot-Kreuz in Obernkirchen gegründet. 2007 startete das DRK die Tafel der Bergstadt.

Weil Horstmeyer ab 1962 an vielen Ausbildungen teilnahm, konnte er noch eine Anekdote aus eigener Erfahrung beisteuern. Sohn André habe an einem Sonntag, an dem Horstmeyer daheim war, seine Mutter gefragt, ob der Onkel jetzt immer sonntags zum Essen komme.

Horstmeyer nahm sich künftig mehr Zeit für die Familie.




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