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Der Japaner Keizo Ushio hat sich dem Möbiusband verschrieben

Durchbruch dank Symposium

Obernkirchen. „Was das wohl werden wird?“ – Selbsterklärend sind sie jedenfalls nicht, die hier und da von dem Steinbildhauer Keizo Ushio mit orangener Farbe auf den massiven Sandsteinblock aufgemalten, bogenförmigen Linien. Und bei der Suche nach einer Antwort auf diese Frage, die sich manch ein Besucher des auf dem Kirchplatz angelaufenen internationalen Bildhauer-Symposiums in den ersten Tagen des Events gestellt hat, hilft auch die mit Hammer und (Pressluft-)Meißel erfolgte grobe Formgebung nicht weiter.

veröffentlicht am 01.09.2015 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 10:32 Uhr

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Autor:

Michael Werk

Ebenso wenig wie das auf der einen Seite des Steines mittels etlicher Bohrungen und anschließenden Stemmarbeiten herausgearbeitete, eimergroße Loch. Wer sich allerdings mit dem bisherigen kreativen Schaffen Ushios beschäftigt, kann schon in diesem frühen Stadium des entstehenden Kunstwerkes erahnen, dass es wohl wieder etwas mit dem Lieblingsmotiv des Japaners zu tun hat – und zwar mit dem sogenannten „Möbiusband“.

Dies anzufertigen ist im Grunde simpel: Man muss lediglich die beiden Enden eines Papierstreifens so zusammenkleben, dass sich ein Ring ergibt, wobei das eine Papierstreifen-Ende vorher jedoch um 180 Grad gedreht wird. Und schon hat man ein Möbiusband, dessen Besonderheit darin liegt, dass es – anders als der frühere Papierstreifen – nur noch eine Fläche hat. Wer es nicht glaubt, muss bloß ein bisschen Farbe zur Hand nehmen und versuchen, nur eine Seite dieses Kuriosums anzumalen. Denn auch ohne den Pinsel oder Stift abzusetzen, wird das Ganze am Ende komplett bemalt sein.

So weit, so gut. Eine dem zweidimensionalen Möbiusband nachempfundene dreidimensionale Skulptur aus einem Sandsteinquader herauszuarbeiten ist dagegen eine ungleich kniffligere Herausforderung. Bevor Ushio seine Werkzeuge ansetzen kann, muss er quasi in den Stein hineinsehen, um die darin verborgenen Grenzlinien der von ihm gewünschten Form vor seinem geistigen Auge entstehen zu lassen und abzuschätzen, wo er Material abtragen kann. Und je weiter er sich vorarbeitet, desto größer die Gefahr, dass ein unbedachter Einsatz etwa des Meißels das Werk zunichte macht.

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Das Möbiusband sei etwas Mathematisches, das für ihn ein ästhetisches Symbol der Unbegrenztheit respektive Unendlichkeit darstelle, erklärt Ushio. Daher werde er auch nicht müde, sich immer wieder mit diesem Thema zu beschäftigen. Dabei lasse sich der ihm bei diesem Symposium zur Verfügung gestellte Obernkirchener Sandstein sehr gut bearbeiten. Oder anders formuliert: „Das ist ein sehr ehrliches Material!“

Allein der Umstand, dass der frisch aus dem Steinbruch geholte Sandsteinblock im Inneren noch feucht sei, könne sich noch als ein Problem erweisen. Durch die Feuchtigkeit des Materials könne sich nämlich der lange Bohrer in einem der vielen zwecks Formgebung zu bohrenden Löcher verklemmen – mit ungewissem Ausgang.

Zu Obernkirchen hat Ushio eine besondere Verbindung: „Von hier aus bin ich in die Welt gestartet“, berichtet er. Denn bevor er 1997 zum ersten Mal als Steinbildhauer beim Internationalen Bildhauer-Symposium Obernkirchen mitgemacht hat, hatte er sich und seine Kunst allein in Japan präsentiert. Zwar war er seinerzeit schon als professioneller Künstler in seinem Heimatland erfolgreich, das Internationale Bildhauer-Symposium Obernkirchen hatte ihm damals aber den großen internationalen Durchbruch gebracht. Australien, Island, Israel und die USA seien nur einige der rund 15 Länder, in denen er mittlerweile an Bildhauer-Symposien teilgenommen und seine Skulpturen in eigenen Ausstellungen präsentiert habe, verrät er.




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