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Aber für die Aufsicht bei Auszeiten sind immer zwei Lehrer da / Eltern wütend und verzweifelt

Ein Jahr kein Französisch: Unterrichtsausfälle an der IGS Obernkirchen

OBERNKIRCHEN. Der Ärger bei Eltern und Schülern über die ihrer Meinung nach extremen Unterrichtsausfälle an der IGS Obernkirchen ist groß. Viele sind wütend, fühlen sich ohnmächtig, weil weder Schule noch Landesschulbehörde den Missstand beseitigen kann. „Seit Beginn des Schuljahres 2018/2019 hat noch kein einziges Mal der Plateauunterricht (Vorbereitungsstunden für die Oberstufe) für das Fach Mathematik stattgefunden“, erzählt Anke Schmidt aufgebracht.

veröffentlicht am 08.02.2019 um 18:12 Uhr
aktualisiert am 08.02.2019 um 19:30 Uhr

Die Integrierte Gesamtschule Obernkirchen: Hier soll es massive Stundenausfälle geben. Schüler sorgen sich um ihre Zukunft. Foto: leo
Leonhard Behmann

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Die Mutter von zwei Kindern, die beide auf die IGS gehen, ist sauer. „Schon im vergangenen Schuljahr ist der Französischunterricht für den 8. Jahrgang komplett ausgefallen“, sagt Schmidt. Bisher sei keine einzige Unterrichtsstunde nachgeholt worden. „Ich frage mich, wann die Stunden erteilt werden sollen“, sagt die Mutter.

Ihre Sorge ist es, dass ihre Kinder nicht gut genug ausgebildet werden, um auf einer weiterbildenden Schule mitzukommen. Ihre Tochter Emely will demnächst ihr Abitur auf der IGS in Stadthagen machen – auch sie macht sich Sorgen. „Am Anfang hat sie sich noch über die Ausfälle gefreut, aber jetzt wo der Abschluss näher rückt, fühlt sie sich nicht gut vorbereitet“, sagt Schmidt. Gerade der Plateauunterricht sei zur Vorbereitung auf die Oberstufe gedacht gewesen. Schmidt ist verzweifelt. Sie hat bereits Behörden über die Zustände an der IGS informiert, doch es hat sich nichts getan. „Muss ich jetzt etwa das Land verklagen, um zu erreichen, dass meine Kinder unterrichtet werden?“, fragt die Mutter.

In Französisch würden den Schülern erhebliche Kenntnisse fehlen. „Meine Tochter muss in der Oberstufe zwei Fremdsprachen belegen – und damit auch Französisch“, sagt Schmidt.

Sind wütend und kämpfen für Unterrichtsversorgung – die Mütter Anke Schmidt (v. l.), Vincenza Bellanova und Nicole Fischer. Foto: leo

Ärgerlich findet Schmidt es auch, dass die Schulstunde für den Mathematikunterricht regelmäßig entfällt, ohne, dass die Schüler darüber informiert worden seien. „Meine Tochter und anderer Schüler sind regelmäßig zur 1. Stunde am Freitag gekommen – und das umsonst.“

Die Mutter ist nicht die Einzige, die sich über die Ausfälle ärgert. Auch Vincenza Bellanova ist sauer. „Der Englischunterricht ist monatelang einfach ausgefallen, weil die Lehrer in Elternzeit waren. Die Ausfälle in Obernkirchen sind extrem“, sagt Bellanova im Gespräch mit dieser Zeitung. „Gerade in den Abschlussklassen ist es sehr wichtig, dass der Unterricht stattfindet“, findet sie. Ihrer Meinung nach ist die Direktorin der IGS, Dörte Korn, nicht schuld an den Ausfällen. „Sie kann ja auch nichts dafür und hat Besserung versprochen. Passiert ist zwar nichts, aber das liegt an der Landesschulbehörde, die muss versuchen, mehr Lehrer für die IGS zu bekommen“, meint die Mutter.

Nicole Fischer hat einen Sohn, der auf die IGS geht. Sie hat die Ausfälle in einem kleinen Heft protokolliert. „Es sind bei meinem Sohn in diesem Schuljahr bereits 165 Schulstunden ausgefallen, bei insgesamt 594 möglichen Schulstunden“, sagt Fischer. Hinzu kämen schätzungsweise 150 bis 200 Stunden, die von anderen Lehrern vertreten werden. „Manchmal entfallen diese Stunden aber in letzter Minute dann doch. Das alles regt mich auf“, sagt Fischer.

Direktorin Korn wollte sich gegenüber dieser Zeitung nicht zu den Vorwürfen äußern und verwies an die Landesschulbehörde. Die lässt sich mit ihrer Antwort Zeit. Auch nach einer Woche liegt dieser Zeitung keine Stellungnahme zu den Vorwürfen vor, obwohl die Behörde versprochen hat, sich in dieser Zeit zu äußern.

In einer Antwort vom Januar auf ein Beschwerdeschreiben von Schmidt nimmt die Landesschulbehörde Stellung zu den Vorwürfen, die Schmidt an die Direktorin geschickt hat. Das Schreiben liegt der Redaktion vor. Der Plateauunterricht an der IGS Obernkirchen würde zum freiwillig wählbaren Förderunterricht zählen, schreibt die Behörde. „Dieser Förderunterricht entfällt, wenn der Kernunterricht gesichert werden muss“, erklärt ein Sachbearbeiter in dem Schreiben. Der Entfall würde jedoch anders als von Schmidt dargestellt über den Vertretungsplan der Schule angezeigt, erklärt der Mitarbeiter der Landesschulbehörde. Zu dem angeprangerten Komplettausfall des Französischunterrichtes äußert sich die Behörde nicht.

Schmidt wundert sich, dass trotz des Lehrermangels in einem sogenannten Auszeitenraum zwei Lehrer abgestellt werden. „Die könnten doch stattdessen ausgefallende Lehrer vertreten“, fordert Schmidt. Die Landesschulbehörde verteidigt in dem Schreiben den Auszeitenraum. Eine Doppelbesetzung sei pädagogisch wichtig, um Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, den Raum als Auszeit zu nutzen. „Gleichzeitig soll aber auch darauf hingearbeitet werden, dass sie ihr eigenes (Fehl-)Verhalten wahrnehmen.

„Der Raum ist immer von der ersten bis achten Stunde besetzt, dabei in der ersten bis sechsten Stunde von einer externen Mitarbeiterin. Die Stunden für die Lehrkräfte entstammen nicht dem Pool für den Pflichtunterricht, sodass im Unterricht dadurch keine Kürzungen erfolgen bzw. zu befürchten sind“, heißt es. Der Schule seien bereits „Vertretungsmittel zur Verfügung gestellt“ worden, jedoch hätten diese nicht vollumfänglich besetzt werden können, schreibt die Landesschulbehörde im sperrigen Deutsch.

Anke Schmidt findet die Antworten der Behörde „unbefriedigend“, sie hatte sich mehr erhofft. „Die Behörde hat nur das beantwortet, was sie wollte.“




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