weather-image
23°

Vortrag beim „Treff im Stift“

Esoterische „Wunderwässer“: Was ist dran, was Humbug?

OBERNKIRCHEN. Was ist dran an all den Wunderwassern, die das Wohlbefinden fördern und sogar Krankheiten heilen sollen? Wunderwasser, die man angeblich auf einfache Weise aus bloßem Leitungswasser herstellen kann, wenn man sich die dafür offerierten Materialien und Gerätschaften kauft! Eine Antwort auf diese Frage hat ein Vortrag beim Treff im Stift Obernkirchen gegeben.

veröffentlicht am 15.02.2019 um 15:29 Uhr
aktualisiert am 15.02.2019 um 17:40 Uhr

Beim Erzählen von den angeblich heilkräftigen „Schwingungen und Frequenzen“, die Esoteriker speziellen Wassern andichten, musste Helge Bergmann sogar herzlich lachen. Foto: wk
Michael_Werk

Autor

Michael Werk Reporter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

OBERNKIRCHEN. Mit der Gutgläubigkeit der Menschen lässt sich bekanntlich viel Geld verdienen. Ein Geschäftsfeld ist der Verkauf von Materialien und Gerätschaften zur Herstellung von sogenannten Wunderwassern. Das hat der promovierte Diplom-Chemiker und Buchautor Helge Bergmann in seinem Vortrag „Wasser zwischen Wissenschaft und Esoterik“ verdeutlicht, den er beim „Treff im Stift“ in Obernkirchen gehalten hat.

Mehr als 80 esoterische Wasser, denen ohne jeden wissenschaftlichen Nachweis unterschiedliche Wohlfühl- und sogar Heilwirkungen angedichtet werden, hat der in Bassenheim bei Koblenz lebende Referent bereits recherchiert. Die angewandten Verfahren, mittels der aus herkömmlichem Leistungswasser solche besonderen Wasser gemacht werden, sind kurios. So soll etwa das bloße Aufschrauben eines aus Plastik bestehenden „Wasserverwirbelers“ auf eine Flasche, durch den hindurch das in der Flasche enthaltene Tafelwasser ins Glas geschüttet wird, jenes Wasser mit belebender und vitalisierender Energie anreichern.

Noch ein Beispiel: Bergmann berichtete von einem anderen kleinen Utensil, mit dem sich nach Angaben des Vertreibers angeblich ebenfalls normales Trinkwasser energetisieren lässt. Ein laut Bergmann in der Herstellung pro Stück nur ein paar Euro-Cent kostendes, unnützes Teil, das aber bereits mehr als 300000 mal zu einem Preis von rund 30 Euro verkauft worden sei und dem diesen Artikel vertreibenden Unternehmen somit schon fast 10 Millionen Euro eingebracht habe.

Apropos Energie: Die Liste der „Eigenschaften“, mit denen esoterische Wasser beworben werden, ist lang. So wird nicht nur versprochen, dass diese beleben und vitalisieren, sondern etwa auch, dass diese aktivieren, die Kreativität fördern und sogar Krankheiten vorbeugen oder heilen können; weil das Wasser eben energetisiert oder verwirbelt worden ist - oder magnetisiert, oxidiert, tachyonisiert, strukturiert und so weiter und so fort. Doch wie schon erwähnt, an all den versprochenen Wirkungen ist Bergmann zufolge kein Funke Wahrheit dran.

Hinsichtlich der „Sauerstoffwasser“, die es in Lebensmittelmärkten zu kaufen gibt, merkte er ergänzend an, dass in diesen Getränken gerade mal 40 Milligramm Sauerstoff pro Liter Wasser enthalten seien. Im Vergleich dazu nehme ein Mensch jedoch bei nur einem Atemzug bereits rund 60 Milligramm Sauerstoff auf. Bedeutet: „Es lohnt nicht, dieses Wasser zu kaufen.“

Kennzeichnend für die Verfechter esoterischer Wasser ist dem Referenten nach, dass in deren Kreisen keine wissenschaftliche Diskussion über die den Wunderwassern zugesprochenen Wohlfühl- und Heilwirkungen (im Szenejargon auch: „Zuordnungen“) geführt wird; ebenso nicht über die jeweiligen Herstellungsmethoden.

Gleichwohl hören sich die von Bergmann in diesem Kontext vorgestellten „Behauptungen“ der Wasser-Esoteriker mitunter - sagen wir - recht interessant an: „Einige Theorien gehen davon aus, dass Wasser alles weiß. In ihm sei das gesamte historische Wissen der Welt gespeichert“, berichtete der Referent. Ein weiteres Beispiel, das er brachte: „Auf seiner Reise nimmt Wasser Eindrücke auf und trägt sie ähnlich wie eine homöopathische Information in seiner molekularen Struktur.“ Und nicht zuletzt: „Was die meisten Menschen heute trinken, ist energetisch totes Wasser, weil die informationstragenden Strukturen auf dem Weg durch die Rohrleistungen zerrieben und zerstört werden.“

In den anerkannten Naturwissenschaften diskutiere man von Forschern vorgestellte Ergebnisse kritisch, betonte Bergmann. In den Pseudowissenschaften werde dagegen „nur mit Worthülsen gearbeitet“ - und letztlich bleibe es „einfach nur Leitungswasser“.

Konform ging er indes mit einer Erkenntnis, die seinen Recherchen nach einst ein „Professor der Chemie (Fliegende Blätter 1880)“ getroffen hat: „Das Wasser, H2O, ist eine hellklar durchsichtige Flüssigkeit, welche den Menschen in früherer Zeit als Getränk diente.“




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare