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Tagsüber bald Alarm in drei Orten / Quereinsteiger gesucht

Feuerwehr geht neue Wege

KRAINHAGEN. Die Freiwillige Feuerwehr Krainhagen sucht dringend Mitstreiter. Zwar sei die Zahl der aktiven Mitglieder im Soll. „Sie ist aber durchaus kritisch“, sagt Ortsbrandmeister Stephan Konczak. Besonders problematisch sei der Personalmangel bei Einsätzen am Tage. „Viele sind dann nicht zu Hause, sie arbeiten weiter weg oder müssen auf ihre Kinder aufpassen“, erklärt der Ortsbrandmeister das Problem. Die Krainhäger sind mit dieser Situation nicht allein. Die Tagesverfügbarkeit sei bei Feuerwehren in ganz Obernkirchen ein großes Problem.

veröffentlicht am 05.04.2019 um 16:16 Uhr
aktualisiert am 05.04.2019 um 19:12 Uhr

Die Obernkirchner Ortswehren haben besonders tagsüber zu wenig Personal. Stadtbrandmeister Volker Schramm will deshalb in Zukunft mehrere Feuerwehren gleichzeitig zu Einsätzen alarmieren. Foto: leo
Leonhard Behmann

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Stadtbrandmeister Volker Schramm plant deswegen die sogenannte Alarm- und Ausrückeordnung in der Bergstadt zu ändern. Das würde bedeuten: „Wenn es in Zukunft in Obernkirchen brennt, kommen statt nur einer Feuerwehr gleich drei Wehren“, sagt Schramm. Zwar hätte die Ortswehr Obernkirchen derzeit sehr hohe Mitgliederzahlen. „Tagsüber sind aber trotzdem nur wenige Frauen und Männer einsatzbereit – das ist ein Problem“, erklärt der Stadtbrandmeister.

Die Feuerwehr Krainhagen hat gemeinsam mit Röhrkasten eine Jugendfeuerwehr gebildet, doch nur wenige junge Leute würden der Feuerwehr treu bleiben. „Viele studieren und ziehen dann weg“, sagt Konczak. Derzeit seien sieben Krainhäger in der Jungfeuerwehr. Davon, schätzt der Ortsbrandmeister, würde zwar der ein oder andere auch in die Einsatzabteilung wechseln. Aber eine Entspannung würde das noch lange nicht bringen.

Stadtweit sieht das nicht anders aus, meint Schramm. Das Problem verschärfen, würde vor allem auch die Unwissenheit der Bürger. „Viele wissen gar nicht, dass der Brandschutz in Obernkirchen ausschließlich durch Freiwillige sichergestellt wird“, sagt Schramm. Viele seien in dem Irrglauben, es gäbe eine Berufsfeuerwehr und sie müssten sich deshalb nicht ehrenamtlich in der Freiwilligen Feuerwehr engagieren.

Für Matthias Moede ist die Feuerwehr mehr als nur ein Hobby. Foto: leo

Neben dem Problem der Tagesverfügbarkeit, gäbe es auch ein Altersproblem, sagt Konczak. Die meisten der 19 aktiven Mitglieder in Krainhagen seien über 30 Jahre alt. „Jüngere sind kaum darunter.“ Die Freiwilligen suchen vor allem Quereinsteiger, die bisher noch nicht mit der Feuerwehr in Berührung gekommen sind. Doch das sei schwierig, heißt es. Zwar habe man es bereits mit Werbeaktionen versucht – doch: Veranstaltungen, bei denen der Umgang mit Feuerlöschern erläutert wird oder der Tag der offenen Tür hätten keinen Erfolg gezeigt. Die einzige Möglichkeit, neue Mitglieder zu finden – da sind die Brandschützer in Krainhagen überzeugt – sei Zugezogene und Dorfbewohner gezielt anzusprechen.

Auch auf Facebook ist die Ortswehr aktiv. Doch als das würde noch nicht den gewünschten Erfolg bringen. „Das Erfolgsrezept hat eben noch niemand gefunden“, sagt Konczak. Der Ortsbrandmeister hat aber noch nicht aufgegeben. Er hofft, dass Zugezogene in die Feuerwehr eintreten.

Matthias Moede ist nach Krainhagen gezogen – und in die Feuerwehr eingetreten. „Ich habe mich gefragt: Wie kann man schnell Leute im Ort kennenlernen?“, erläutert der 41-Jährige seine Motivation. Sein Bruder habe ihm dann den Tipp gegeben, in die Feuerwehr einzutreten. Sofort wurde Moede aber nicht Feuerwehrmann. Erst als er von Krainhäger Feuerwehrleuten bei einem Fest angesprochen wurde, lenkte er ein. Dann sei alles „ganz schnell gegangen“. Mittlerweile kann sich Moede das Ehrenamt nicht mehr wegdenken. „Das war auf jeden Fall die richtige Entscheidung“, sagt er. „Die Kameradschaft hier ist top, man lernt sehr viel über Technik, erlebt immer wieder etwas Neues und hilft dabei auch noch anderen Menschen“, sagt Moede.




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