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Was aus heimischen Bäumen entsteht

Fichten aus Obernkirchen gehen per Container nach China

OBERNKIRCHEN. Mit viel Fingerspitzengefühl steuert der Fahrer des Langholz-Lkw den Kran, mit dem er Baumstämme in einen Container schiebt. Motoren dröhnen im Wald, als Förster Mark Gützkow nachschaut, wie die Arbeiter vorankommen. Sogenanntes Käferholz wird verladen – es soll nach Asien verschifft werden.

veröffentlicht am 27.01.2019 um 15:38 Uhr
aktualisiert am 27.01.2019 um 18:00 Uhr

Mit einem Kran werden die schweren Fichtenstämme in einen Container geladen – dann beginnt die Reise nach Fernost. Foto: leo
Leonhard Behmann

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OBERNKIRCHEN. Chinesen und Vietnamesen warten schon auf die Fracht aus Europa. Fichtenholz aus Obernkirchen ist in Fernost der Renner– weil es qualitativ hochwertig und derzeit günstig ist. „Der Orkan „Friederike“, aber auch die Borkenkäferplage haben in Deutschland für ein Überangebot gesorgt“, erklärt Gützkow, während wieder zwei tonnenschwere Stämme in einem 40-Fuß-Container verschwinden.

Der Orkan, der vor gut einem Jahr auch über den Landkreis Schaumburg hinwegfegte, hat viele Fichten umgeworfen – auch in Obernkirchen gab es Flächenwürfe, wurden zahlreiche Bäume entwurzelt. Die Käferplage sorgte wenig später dafür, dass Hunderte von Nadelbäumen in den Wäldern rund um Obernkirchen gefällt werden mussten. „Der Markt ist mit Holz überschwemmt. In Deutschland kauft kein Sägewerk mehr Holz. Alle haben sich mit Vorräten eingedeckt“, sagt Constantin von Waldthausen, Betriebsleiter der Klosterforsten. Die Preise sind durch das Überangebot zudem stark gefallen – „aktuell bekommen wir mitunter nur noch die Hälfte für unsere Stämme“, erklärt von Waldthausen. Das Holz zu lagern und auf bessere Preise zu warten, sei keine Option, denn: Bleibt es liegen, verliert das Holz die Qualität. Es verfärbt sich – und es bilden sich Risse. „Das Holz müsste deshalb ständig in Wasser gelagert werden“, sagt von Waldthausen. Das sei nicht nur sehr teuer, sondern auch aufwendig und in Obernkirchen technisch nicht möglich.

Der Handelskrieg mit Zöllen auf Importholz aus Amerika zwischen den USA und China spielt den Klosterforsten in Obernkirchen aber in die Hände. „China braucht viel Holz. Die Wälder dort sind schlecht erschlossen“, weiß der Betriebsleiter der Klosterforsten. Gleichzeitig würden die Chinesen gerne dicke Holzstämme haben. „Ihr eigenes Holz ist aber nicht so stark“, sagt von Waldthausen. Aus diesem Grund würden Chinesen viel Holz aus Amerika und Russland importieren. „Derzeit sind die Preise für deutsches Holz niedrig und die Verschiffung lohnt sich für die Asiaten“, erzählt der Revierförster. Der Preis für den von Waldthausen und seine Kollegen das Holz nach Asien verkaufen, ist höher als das, was sie auf dem heimischen Markt erzielen könnten.

Revierförster Mark Gützkow überwacht die Verladung der Holzstämme. Foto: leo

Währenddessen läuft die Verladung in Oberkirchen auf Hochtouren. Ein Container-Lastzug nach dem anderen fährt in den Wald. Brummi-Kapitäne holen die Stämme mit Langholz-Lasstzügen von mehreren Sammelplätzen ab und fahren sie zu den Containern. Dort wird das Holz per Kran in die großen Überseecontainer geschoben. Mit dem Greifer packt der Fahrer des Holz-Lastwagens die Stämme und schiebt sie in die Stahlbox. Die Stämme wurden bereits vorher von Forstarbeitern mit einem sogenannten Harvester oder mit der Kettensäge auf eine Länge von exakt 11,80 Meter zurechtgesägt. „Nur so passen sie auch in die Container“, sagt Gützkow. Ist ein Stamm zu lang, legt der Kranfahrer nochmal Hand an und sägt ihn mit der Kettensäge passend. Insgesamt 550 Festmeter Holz werden an zwei Tagen auf Dutzende Container verladen. Lkw-Fahrer Nils schließt die Türen des Containers, als der letzte Stamm eingeschoben worden ist. Dann macht er sich mit seinem Lastwagen auf den Weg in den Hamburger Hafen. Von dort würde das Holz nach China und Vietnam verschifft, meint er noch, bevor er sich auf den Bock schwingt.

Die Asiaten werden aus dem heimischen Baumstämmen Kanthölzer und Bretter sägen. „Das Fichtenholz wird als Bau- und Konstruktionsholz verwendet. Zum Beispiel werden daraus Dächer gezimmert“, erklärt Revierförster Gützkow. „Dass Holz mit Containern exportiert wird, passiert eher selten. Wir versuchen eigentlich immer, das Holz an Sägewerke in der Region zu verkaufen“, sagt Waldthausen.

Der Förster rechnet für das nächste Jahr „mit dem Schlimmsten“. „Die Käfer überwintern jetzt und fliegen ab April wieder aus. In diesem Jahr sind es mehr als sonst, weil sie sich im letzten Sommer gut vermehrt haben“, sagt von Waldthausen. Er hofft auf wechselhaftes Wetter. „Dann bilden sich Pilze und die Borkenkäfer fangen an zu schimmeln“.




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