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Im Porträt: Günter Tegtmeier

Fit mit 90: Schaumburgs ältester aktiver Tennisspieler

OBERNKIRCHEN. Günter Tegtmeier selbst sieht es so: „Ich fühle mich nicht so alt, wie die Zahl es ausdrückt“. Die Zahl, das ist die 90, denn am Sonntag, 16. Dezember, feiert er genau diesen Geburtstag. Und spielt immer noch jede Woche Tennis.

veröffentlicht am 14.12.2018 um 13:57 Uhr
aktualisiert am 14.12.2018 um 16:10 Uhr

Von ihm aus kann es losgehen: Günter Tegtmeier auf dem Weg zum wöchentlichen Tennis-Sport. Am Sonntag feiert er Geburtstag. Foto: wk
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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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OBERNKIRCHEN. Geboren wurde Tegtmeier in der Bergstadt, der Vater war auf Heye, Ballonmacher, harte Arbeit, Hitzearbeit, Akkordarbeit, die Mutter Hausfrau. Günter war das einzige Kind. Acht Jahre Volksschule und ein für die damalige Zeit eher ungewöhnlicher Entschluss des Vaters: „Auf die Hütte kommst du nicht“, meinte er mit Blick auf seinen Sohn, der es einmal besser haben soll. Es folgten zwei Jahre Handelsschule in Rinteln, die mittlere Reife, der Krieg, im Dezember 1944, also noch als 15-Jähriger, wurde Günter Tegtmeier zum Wehrdienst nach Cottbus-Guben eingezogen, sein Vater musste der Einberufung sogar noch zustimmen. Es folgten eine Verwundung, die Zeit der Gefangenschaft bei den Amerikanern und bei den Franzosen, „naiv“ sei er damals gewesen, sagt Tegtmeier rückblickend, durch Zufall und Glück habe er als Junge diese Zeit überlebt. Zwei Jahre Lehre bei der Kreisverwaltung in Rinteln und ein Entschluss folgten: Weil sich die Arbeit als zu stur und zu langweilig erwies, wechselte Tegtmeier in die Privatwirtschaft: Damals war das ein gewagter Schritt, sagt er, denn die Wirtschaft lag in Deutschland nach dem verlorenen Weltkrieg nahezu komplett am Boden. Wäre er in der Verwaltung geblieben, „dann hätte ich ein ruhiges Berufsleben haben können“. Er wechselt in den Sperrholzgroßhandel und lernt seine spätere Ehefrau kennen, die „glücklichste Entscheidung seines Lebens“, betont Tegtmeier, vier Mädchen werden dem Paar geschenkt, heute ist er vierfacher Großvater, ebenfalls alles Mädchen.

Vorgeschlagen hatte das Pressegespräch mit Tegtmeier Rolf Mevert vom TCO-Vorstand, denn der fast 90-Jährige spielt heute noch regelmäßig Tennis in der wöchentlichen Hobbygruppe und dürfte wohl der älteste aktive Tennisspieler des Landkreises, wenn nicht gar des Bundeslandes sein, hatte Mevert geschätzt. Der Lokalredakteur hätte getippt, dass im Gespräch dann Namen wie Wilhelm Bungert, Hans-Jürgen Pohmann oder Karl Meiler zur Sprache kommen würden, schließlich gab es deutsches Spitzentennis schon viele Jahre vor Steffi Graf und Boris Becker, doch das Gespräch entwickelt sich anders, denn Tegtmeier schlägt im Buch seines Lebens ein paar Kapitel auf und ein langes Stück deutscher Geschichte wird so sichtbar.

Denn zum weißen Sport fand Tegtmeier eher aus der Not heraus, vor über 40 Jahren. Er war damals Prokurist in Rehren im Auetal, in der Firma von Theo Beyer, Molkerei und Trockenmilchvertrieb. Der Strukturwandel in der Branche erwischte den Betrieb auf dem falschen Fuß, Tegt-meier sah das Ende als Herr der Zahlen lange vorher kommen. Tennis wurde daher der Ausgleich zum fordernden Beruf, „ich war körperlich fix und fertig“. Drei-bis viermal die Woche hat er zum Schläger gegriffen, „und beim Tennisspiel fiel alles ab.“

Er hat im Tennisverein schnell Verantwortung übernommen, schon 1976 wurde er in den Vorstand gewählt, zweiter Vorsitzender, und spielerisch lief es ebenfalls gut: Punktspiele, Einzel und Doppel, vier Jahre lang gab es eine Spielgemeinschaft mit den Bückeburgern, weil beide Mannschaften nicht genug Senioren hatten, daher hat man sich zusammengetan, sechs Spieler wurden damals für ein Team benötigt, Bezirksliga, Verbandsklasse, drei Jahre Oberliga, Bezirksmeister; bis 2004 hat Tegtmeier um Punkte gespielt, 27 Jahre lang.

Beruflich ist er 1978 bei der Molkerei Beyer ausgeschieden, beim Fuhrunternehmen Braun war er danach für die Buchführung zuständig.

Der Sport, so kann man es wohl sagen, hat Tegtmeier jung und fit gehalten, mit seiner Ehefrau hat er viel und gern getanzt, denn Tanzen, sagt er, ist der beste Sport für den gesamten Körper, er liebt die Musik, vor allem den Swing, seit 20 Jahren spielt er neben Tennis noch Golf, „so lange ich kann, mache ich weiter“, und neben dem anstehenden Geburtstag gibt es einen weiteren Jubelgrund, denn Günter Tegtmeier wird in diesen Tagen zum ersten Mal Urgroßvater werden.

Es wird ein Junge werden.




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