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Netzwerktreffen

Frauengesundheit: „Frauen leben länger – aber haben nichts davon“

OBERNKIRCHEN. „Frauenblicke auf Gesundheit, Arbeit und Betriebliche Gesundheitsförderung“ sind das Thema eines Vortrags gewesen, zu dem die „Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft“ im Weserbergland eingeladen hat. Referentin Gabriele Klärs fand klare Worte: „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf macht Frauen mehr zu schaffen als Männern.“

veröffentlicht am 29.10.2018 um 16:06 Uhr
aktualisiert am 29.10.2018 um 18:20 Uhr

„Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf macht Frauen mehr zu schaffen als Männern.“ Gabriele Klärs, Diplom-Sozialarbeiterin. Foto: wk
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Michael Werk Reporter zur Autorenseite
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OBERNKIRCHEN. „Frauenblicke auf Gesundheit, Arbeit und Betriebliche Gesundheitsförderung“ sind das Thema eines Vortragsnachmittags gewesen, zu dem die „Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft im Wirtschaftsraum Weserbergland“ eingeladen hat. An dem Unternehmens-Netzwerktreffen in der Lounge der BKK 24 (Obernkirchen) nahmen rund zwei Dutzend interessierte Besucherinnen teil.

In Deutschland liegt die mittlere Gesamtlebenserwartung von Frauen (83,5 Jahre) über der von Männern (78,6 Jahre). Allerdings können Frauen im Schnitt nur 67,5 Jahre bei guter Gesundheit genießen (Männer: 65,3 Jahre), während die restlichen 16 Jahre von schlechter Gesundheit geprägt sind (Männer: 13,3 Jahre). Bedeutet: „Frauen leben länger – aber sie haben nichts davon“. Das berichtete Gabriele Klärs von der Landeskoordinierungsstelle Frauen und Sucht des Landes Nordrhein-Westfalen.

Einfluss auf die Lebenserwartung haben – so die Diplom-Sozialarbeiterin, die auch Master of Sciences Public Health (Gesundheitswissenschaften) ist – der Lebensstil sowie die persönlichen und beruflichen Belastungen, denen die Menschen ausgesetzt sind; ebenso die – im Vergleich zu Männern – statistisch schlechtere Einkommenssituation von Frauen. Letztere mache sich dergestalt bemerkbar, dass Frauen, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens beträgt, eine mittlere Lebenserwartung von 76,9 Jahren haben, während Frauen, deren Einkommen 150 Prozent und mehr des durchschnittlichen Einkommens beträgt, eine mittlere Lebenserwartung von 85,3 Jahren haben (Männer: 70,1 Jahre zu 80,9 Jahre).

„Das Geschlecht prägt auch den Umgang mit dem eigenen Körper“, sagte die Referentin Gabriele Klärs. Zudem würden – etwa bei der ärztlichen Behandlung – Unterschiede zwischen Frauen und Männern gemacht, wo keine seien. Foto: wk
  • „Das Geschlecht prägt auch den Umgang mit dem eigenen Körper“, sagte die Referentin Gabriele Klärs. Zudem würden – etwa bei der ärztlichen Behandlung – Unterschiede zwischen Frauen und Männern gemacht, wo keine seien. Foto: wk

Weiter informierte Klärs, dass Frauen häufiger von chronischen Erkrankungen und Beeinträchtigungen im psychosomatischen und psychischen Bereich betroffen sind als Männer. Einer Studie des Robert-Koch-Instituts aus 2014 nach werde in Deutschland etwa bei 15,4 Prozent aller Frauen im Alter zwischen 18 und 79 Jahren eine Depression diagnostiziert, wohingegen dies nur bei 7,8 Prozent der Männer der Fall sei.

Zudem würden Frauen häufiger als Männer an rheumatischen Erkrankungen wie Arthrose, rheumatoider Arthritis und Osteoporose leiden. Und: „Die Lungenkrebssterblichkeit bei Frauen ist von 1981 bis 2011 um 186 Prozent gestiegen“ – bei Männern betrage der Anstieg hier indes nur elf Prozent, so die Referentin. Als einen die Gesundheit belastenden Faktor nannte sie nicht zuletzt auch das Problem der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, das Frauen mehr zu schaffen mache als Männern.

Als übergreifenden Lösungsansatz plädierte Klärs für folgende „Doppelstrategie“: „Identifikation des männer- und frauenspezifischen Versorgungsbedarfs und Entwicklung spezifischer Angebote (unter Berücksichtigung der Lebenslagen)“ und „systematische Berücksichtigung der Geschlechterperspektive bei allen Vorhaben und Projekten“.

Einen Impulsvortrag über „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ hielt Maria Bialas, Gesundheitsmanagerin der Niedersächsisches Staatsbad Pyrmont Betriebsgesellschaft. Dabei informierte sie, dass das Staatsbad diesbezüglich mehr als 50 Unternehmen betreue. Als Themenfelder des Betrieblichen Gesundheitsmanagements nannte sie unter anderem diese Punkte: Arbeitsschutz- und Arbeitssicherheit, betriebliche Gesundheitsförderung, medizinische Leistungen zur Prävention, Ernährung, Bewegung und psychische Gesundheit (Umgang mit Stress, Angebote zur Entspannung).

Grußworte bei der Veranstaltung sprachen Thomas Kexel (Weserbergland AG), Larissa Konieczny (Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft) und Jörg Nielaczny (Geschäftsbereichsleiter „Länger besser leben“ bei der BKK24).




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