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Lange Nacht der Steine: Dezente Live-Musik und Illumination

„Hier wird die Neugier geweckt“

Obernkirchen. Die am historischen Trafo-Haus auf dem Kirchplatz gefeierte „Lange Nacht der Steine“ ist der stimmungsvolle Höhepunkt des 10. Internationalen Bildhauer-Symposiums Obernkirchen gewesen. So hatte der diesen Programmpunkt des insgesamt zweiwöchigen Events ausrichtende Verein Kulturfenster Obernkirchen die von den Künstlern gestalteten Sandstein-Skulpturen am Freitagabend mit buntem, aber dezentem Scheinwerferlicht in Szene gesetzt. Eine Illumination, durch die die Form und Linienführung der – bis auf den letzten Feinschliff – bereits so gut wie vollendeten Kunstwerke sowie die Strukturen des Naturmaterials betont wurden. Zudem bekamen die schon bei Tageslicht interessanten Objekte auf diese Weise mitunter eine ganz besondere Note respektive wurde deren Wirkung auf den Betrachter noch verstärkt.

veröffentlicht am 07.09.2015 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 10:32 Uhr

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Autor:

Michael Werk

Bestes Beispiel hierfür war die „interaktive“ Skulptur der Italienerin Antonella Tiozzo, die eine an sich schlichte Stele erstellt hat, die aber einen durch kleine seitliche Öffnungen einsehbaren Hohlraum aufweist. Darin zu entdecken: Von der Decke hängende Wassertropfen und am Boden der kleinen Höhle Wellenringe inmitten einer stilisierten Wasserfläche. Wie von der studierten Künstlerin beabsichtigt, nahmen die Besucher dieses auf den ersten Blick unspektakuläre Objekt intensiv in Augenschein. Sie lugten durch die Öffnungen ins Innere, steckten die Hände in die kleine Höhle, um diese abzutasten, und machten mit den Kameras ihrer Smartphones und Fotoapparaten Nahaufnahmen von den Wassertropfen und Wellenringen. Wobei das in den Hohlraum scheinende farbige Kunstlicht der kleinen Welt in der rund zwei Meter großen Skulptur eine geradezu mystische Atmosphäre verlieh.

„Hier wird die Neugier geweckt: Jeder will hineingucken und hineinfassen“, berichtete Brigitte Battermann, nachdem sie selbst in Interaktion mit dem Kunstwerk gegangen war. „Das ist auf jeden Fall interessant und spannend.“ Ob es sich bei den in der Höhlung zu entdeckenden Gebilden aber vom Motiv her tatsächlich um Wassertropfen und Wellenringe handele, bleibe der Phantasie des Betrachters überlassen. „Da denkt sich jeder etwas anderes.“

Dies konnte ihr Ehemann, Jens Battermann, nur bestätigen: „Mich erinnert das irgendwie an ein Kuheuter“, verriet er in Bezug auf die an der Höhlendecke hängenden Gnubbel. Nicht ohne noch darauf hinzuweisen, dass das Schöne an der Kunst ja sei, dass sich jeder seine eigenen Gedanken darüber machen könne.

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  • Gisela Milse (Deutschland)
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  • Hand Reijnders (Holland)
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  • Antonella Tiozzo (Italien)
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  • Keizo Ushio (Japan) tol (8)
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  • Ursula Beiler (Österreich)
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  • Poul Bækhøj (Dänemark)
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  • Oscar A. Comendador (Cuba)
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  • Tutani Mgabazi (Zimbabwe)
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„Auch wenn man die beleuchteten Skulpturen aus der Ferne sieht, sehen sie wunderschön aus“, befand dagegen Heide Fricke. Ihr Favorit unter den insgesamt acht verschiedenen Sandstein-Objekten war dabei das von Tutani Mgabazi (Simbabwe) gefertigte Bildnis einer schwangeren Frau, die mit auf den Bauch aufgelegten Händen mit dem noch ungeborenen Baby kommuniziert: „Diese Skulptur hat schon was. Das ist die Natur, das ist das Leben“, erklärte die Gelldorferin. Beeindruckend zeigte sie sich aber auch von dem von Gisela Milse (Deutschland) aus Stein gehauenen Werk, das einen „Shelter“ (Schutzraum) darstellen soll, in dem eine Gruppe Flüchtlinge Zuflucht sucht.

Für die musikalische Unterhaltung der Besucher sorgte die Schaumburger Band „Cowhouse“ alias Bettina Wenthe (Gesang), Matthias Wenthe (Gitarre), Dirk Flieger (Schlagzeug) und Lutz Edelberg (E-Kontrabass), zu deren Repertoire sowohl eigene Kompositionen als auch auf ihre Art arrangierte Folk-, Pop- und Rocksongs als auch Jazznummern gehören. Diese Kombo war nicht zuletzt deswegen eine gute Besetzung für die „Lange Nacht der Steine“, weil „Cowhouse“ die Veranstaltung mit ihrer Musik nicht dominierten, sondern sich zurückhaltend in das Gesamtkonzept einordneten.

Mehr Impressionen von der Nacht der Steine in unserer Bildergalerie unter www.landes-zeitung.de.




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