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Wenn Lebensläufe sich plötzlich verändern: Ursula Möller-Bornemann wird Ehrenbürgerin der Stadt

In großer Verantwortung für Werk und Menschen

Gelldorf (rnk). Die hohe Ehrung wollte sie nicht im Stiftssaal entgegennehmen, auch nicht im Ratssaal, sondern genau dort, wo und wofür ihr Herz noch heute schlägt: in der Firma. Dort erhielt Ursula Möller-Bornemann kurz nach ihrem 90. Geburtstag die Urkunde, die sie jetzt als Ehrenbürgerin der Stadt ausweist.

veröffentlicht am 23.06.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 23:22 Uhr

Dass Ursula Möller-Bornemann einmal mit ihrem Mann gemeinsam das Unternehmen Jahrzehnte und zu heutiger Weltgeltung führen würde, war ihr keineswegs an der Wiege gesungen. Aber der von Deutschland entfachte Weltenbrand forderte auch nach dem Ende des Krieges seine Opfer, unvermittelt, so erklärt es Bürgermeister Oliver Schäfer bei der Verleihung der Urkunde, „werden persönliche Lebensläufe verändert oder müssen sich anpassen.“ So auch bei Ursula Bornemann: Ihr jüngerer Bruder Johann Heinrich, der einzige männliche Erbe, kommt schwer krank aus dem Krieg zurück und stirbt mit nur 26 Jahren 1949. Drei Jahre zuvor war ihr Vater Albert Bornemann gestorben, noch vor Erreichen des Rentenalters. Die Geschäftsleitung übernimmt nun Tochter Ursula Bornemann, die sich in den Jahren vorher schon in die Betriebsabläufe eingearbeitet hat. Schäfer würdigte den damaligen Entschluss: „Sie standen damals plötzlich in großer Verantwortung für den traditionsreichen Familienbetrieb, für die Beschäftigten der Firma und damit auch für das Schicksal der angehörigen Familien.“

Es ist eine Erfolgsgeschichte, die sie mit ihrem Ehemann Friedrich Möller-Bornemann schrieben hat; beide bringen die Firma durch die schwere Anfangszeit auf die Erfolgsspur zurück, wie es Historiker Rolf-Bernd de Groot einmal griffig formuliert hat. Hergestellt werden Ersatzteile für die Bundesbahn, Sortier- und Entstaubungsanlagen für die Bundespost, aber auch Pumpen, die 1953 bereits 70 Prozent der Produktion ausmachten. Der Export von Pumpen für Reedereien, Werften und chemische Großbetriebe macht bereits gut einen Viertel der Umsätze aus. Die Belegschaft ist auf 120 Personen angestiegen. Werkstätten und neue Produktionshallen wuchern in die ehemaligen innerstädtischen Gärten zwischen Strull und Lange Straße. Dass hier, in den engen Verhältnissen einer Innenstadt, einer geordneten Entwicklung Grenzen gesetzt sind, ist aber trotz aller vorausschauenden Grundstückskäufe sowohl den Kommunalpolitikern als auch der Firmenleitung klar.

Mitte der siebziger Jahre wird bereits mit 250 Arbeitskräften produziert und mit dem Verkauf von Excenterschneckenpumpen und Schraubenspindelpumpen für die Mineralölindustrie und den Schiffbau ein Jahresumsatz von 20,5 Millionen Mark realisiert.

Im Rahmen einer Kapazitätsausweitung wird der Neubau eines weiteren Fabrikationsgebäudes und eines Verwaltungsbaus geplant und 1977 umgesetzt. Damit hat der Betrieb seine größte innerstädtische Ausdehnung erreicht. Trotz der jetzt erreichten fast 10 000 Quadratmeter Fläche stellt sich erneut die Standortfrage, die unrationellen Bedingungen und die räumliche Enge werden am Standort Innenstadt zu einem Dauerproblem. Ein städtebaulicher Kraftakt, unterstützt von Strukturhilfemitteln und Städtebauförderung, hat 1991 die Aussiedlung der Produktion und später der Verwaltung an den neuen Standort in Gelldorf möglich gemacht.

Sie habe mit ihrem Mann nicht nur den Fortbestand es Unternehmens ermöglicht, erklärte Schäfer in seiner Laudatio, sondern darüber hinaus noch etwas Besonderes geschaffen: die in Obernkirchen sprichwörtliche Bornemann-Identität. Hierdurch hätte sie Arbeitnehmer in ganz spezieller Weise an das Unternehmen gebunden, mit Stolz wurde verkündet, einer der „Bornemänner“ zu sein.

Gleichzeitig habe sie als Unternehmerin diese besondere Loyalität im besten Sinne zurückgegeben, wertete Schäfer – ein äußerst erfolgreiche Kombination zum gegenseitigen Wohl.

Schließlich, auch das unterschlug Schäfer nicht, sei der Betrieb ein Garant für qualifizierte Arbeitsplätze, und für zahlreiche Obernkirchener Familien sei sie schon seit Generationen Arbeitgeber und mehr gewesen.




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