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Substanz schlecht, Preise zu hoch

Innenstadtentwicklung: Wer küsst die alten Gebäude wach?

OBERNKIRCHEN. Der wirtschaftliche Wandel zeigt sich auch in der Innenstadt. Neben den diversen etablierten Ladengeschäften sind hier etliche Leerstände zu entdecken. Was sind die Ursachen für diese Entwicklung. Und welche Perspektiven für die Zukunft gibt es?

veröffentlicht am 01.02.2019 um 15:29 Uhr
aktualisiert am 01.02.2019 um 17:10 Uhr

In der Friedrich-Ebert-Straße stehen mehrere Immobilien leer. Foto: wk
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Michael Werk Reporter zur Autorenseite
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OBERNKIRCHEN. Gut zehn Jahre ist es her, dass die Verwaltung der Stadt mit einem „Tag des offenen Leerstandes“ auf die in der Kernstadt freien Ladengeschäfte aufmerksam gemacht hat. Dies in der Hoffnung, für diese Räumlichkeiten Interessenten zu finden, die die leerstehenden Objekte von den jeweiligen Eigentümern mieten, um darin Geschäfte zu betreiben, die zur Belebung der Innenstadt beitragen. Zudem wurde im Rahmen dieser Aktion auf von der Stadt aufgelegte Fördertöpfe hingewiesen, mittels der - in bescheidenem Maße - die Ansiedelung neuer Unternehmen gefördert werden kann.

Geht man heute durch die Innenstadt, muss man feststellen, dass dort trotz dieser Bemühungen der Verwaltung immer noch etliche Leerstände vorhanden sind, die das Bild trüben. Zwar hatten in der Zwischenzeit vereinzelt neue Geschäfte aufgemacht, allerdings haben sich die meisten davon nicht auf Dauer halten können. Woran liegt’s?

Es sei halt „schwierig, die Leute nachhaltig zum Kaufen zu bewegen“, sagt Dörte Worm-Kressin, die Stadtkoordinatorin. Dabei spiele auch die Konkurrenz durch den wachsenden Online-Handel eine Rolle. „Die Leute gucken hier, bestellen aber online.“ Dies allerdings sei eine Entwicklung, von der auch andere Städte betroffen sind.

Hinzu kommt laut Worm-Kressin, dass die in Obernkirchen leer stehenden Ladengeschäfte oftmals allein schon vom Zuschnitt her für eine Vermietung nicht mehr zeitgemäß sind. So sind etwa die ehemaligen Discounter-Flächen „völlig ungeeignet“ für die Ansiedlung kleiner Shops. Zudem ist der Erhaltungszustand mancher Gebäude inzwischen geradezu „katastrophal“. Auch die heute strengeren Brandschutzauflagen seien ein Problem.

Eine weitere Erschwernis in Sachen Vermietung ist nach Erfahrung der Stadtkoordinatorin mitunter auch der von den Gebäudeeigentümern verlangte Mietzins. Manche Vermieter seien froh, wenn sie für die erste Zeit einer Neuvermietung die Nebenkosten gezahlt bekommen würden, andere aber hätten Mietpreisvorstellungen, „die nicht zu realisieren“ seien. Und auch hinsichtlich eines etwaigen Verkaufs würden die Eigentümer den Wert derer Altimmobilien meist anders - sprich: viel zu hoch - einschätzen, als es der Markt hergebe.

In der Erkenntnis, dass sich die Zeiten gewandelt haben, hat der Rat der Stadt Obernkirchen eine Änderung des für die Kernstadt geltenden Bebauungsplanes beschlossen, die inzwischen auch in Kraft getreten ist. Dieser erlaubt es nun, in den Erdgeschossen der beispielsweise in der Friedrich-Ebert-Straße stehenden Gebäude auch Wohnraum zu schaffen. Zuvor durften darin nur Handel und Gewerbe betrieben werden. Ein Problem indes besteht weiterhin: „So lange die Immobilien darauf warten, dass sie wachgeküsst werden, so lange wird nichts passieren“, sagt Worm-Kressin.

Die Stadt Obernkirchen habe leider nur beschränkte Möglichkeiten, wenn diese nicht selbst Gebäudeeigentümerin ist, ergänzt Stadtkämmerer Helmut Züchner. Um also etwas mehr Einfluss auf die Innenstadtentwicklung zu haben, hat die stadteigene Obernkirchener Stadtentwicklungs- und Beteiligungsgesellschaft (OSB), deren Geschäftsführer Züchner ist, vor einiger Zeit zumindest vier leer stehende Immobilien erworben: die beiden Gebäude Friedrich-Ebert-Straße 6 und 8, das Grundstück Friedrich-Ebert-Straße 9 und den am Bornemannplatz gelegenen ehemaligen Discounter-Markt. Letzteren will die Stadt respektive OSB - wie bereits berichtet - zu einem Mehrzweckhaus umbauen lassen, in das außer einem örtlichen Kampfsportverein auch das bislang in der Beeker Straße 6 ansässige Jugendzentrum einziehen soll.

Die drei anderen Immobilien werden dagegen vorgehalten, um diese aus einer Hand an noch zu findende Investoren veräußern zu können, die die beiden abgängigen Gebäude abreißen und dann Neubauten auf den Grundstücken errichten.




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