weather-image
21°

Aber nicht ganz ohne Sorgen

Kneipp: „Das Herz des Vereins schlägt munter und gesund“

OBERNKIRCHEN. Der vor einem Jahr ins Amt gewählte neue Vorsitzende gönnte sich einen Blick von außen: „Kurse, Seminare, Angebote – das Herz des Vereins schlägt munter und gesund“, stellte Arne Boecker auf der 59. Jahreshauptversammlung des Kneipp-Vereins fest. Doch ganz ohne Sorgen sind auch die Kneippianer nicht.

veröffentlicht am 14.05.2019 um 00:00 Uhr

Die 3. Vorsitzende Heike Radecke und Schatzmeisterin Ilka Debbe rahmen Erna Nußpicker ein, die seit 50 Jahren Mitglied ist. Foto: rnk
4301_1_orggross_f-westermann

Autor

Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

OBERNKIRCHEN. Der vor einem Jahr ins Amt gewählte neue Vorsitzende gönnte sich einen Blick von außen: „Kurse, Seminare, Angebote – das Herz des Vereins schlägt munter und gesund“, stellte Arne Boecker auf der 59. Hauptversammlung des Kneipp-Vereins Obernkirchen fest. Für Yoga oder Pilates müsse man gar keine Werbung machen, es laufe, was nicht selbstverständlich sei bei einem Verein dieser Größe. Aber mit Blick auf die Sparten- und Übungsleiter verfüge man eben über gute und treue Mitarbeiter.

Alles gut also? „Nicht ganz“, meinte Boecker und verwies auf die traditionelle Dreitagesfahrt. Früher sei sie ein Selbstläufer gewesen, heute werde es immer schwerer, alle Plätze vollzubekommen. Das liege vor allem an der Altersstruktur der Mitfahrer und damit des Vereins. Wie man Kinder, Jugendliche oder junge Eltern ansprechen und erreichen könne, habe man beim La-Flèche-Fest im Park sehen können, wo der Kneipp-Verein mit niedrigschwelligen Mitmachangeboten teilgenommen habe. Die Resonanz beim Wassertretbecken und Barfußlaufen sei gut gewesen, trotz des schlechten Wetters sei es „sehr, sehr schwer gewesen, die Kinder wieder aus dem Tretbecken herauszubekommen“, so Boecker. Man werde daher am nächsten Fest in zwei Jahren wieder teilnehmen. „Dem Verein tut es gut, sich dort zu präsentieren.“ Auch über die Anlage eines öffentlichen Tretbeckens durch den Verein werde nachgedacht, gesucht werde ein passender Standort.

Die leicht angespannte Raumsituation werde besser werden, prognostizierte der Vorsitzende: Zum einen sei man in Gesprächen mit der BKK 24, wo zwei Räume genutzt würden („dort sind wir sehr gut aufgehoben“), zum anderen werde das ehemalige Aldi-Gebäude in ein Jugendzentrum umgewandelt, dort würden auch die Obernkirchener Raptors einziehen, dadurch würden in den Hallen Zeiten frei. „Wir werden“, sagt Boecker, „ein bisschen Gestaltungsspielraum gewinnen.“ Der Vereinschef sehe eine „Vereinzelung“: Jeder Verein arbeite für sich selbst, „es gibt keinen Streit, aber die Bereitschaft zur Kooperation ist relativ wenig vorhanden“. Man arbeite nicht gegeneinander, aber man arbeite zu wenig miteinander.

Kneipp-Angebote beim Parkfest: „Dem Verein tut es gut, sich dort zu präsentieren.“ Foto: wk

Was lange währt, wird nun endlich gut: In den nächsten Tagen soll die neue Homepage des Kneipp-Vereins ins Netz gestellt werden, inklusive Blog; alle Nachrichten gehen von dort aus auch auf Facebook und Instagram. „Man muss dort heute eigentlich vertreten sein“, so Boecker.

Die noch vor einem Jahr als Schreckgespenst durch viele Vereine geisternde Datenschutz-Grundverordnung handelte Boecker kurz ab: Das Durcheinander sei groß, passiert sei bislang aber fast nichts, die befürchteten Abmahnanwälte seien nicht gekommen. Allerdings, so Boecker, grundsätzlich sei der Datenschutz wichtig, schließlich werde in den Vereinen nicht mehr mit Karteikarten gearbeitet, sondern im Netz. „Wir sind angreifbar geworden.“

Rund 230 Vereine seien im Kreissportbund zusammengeschlossen, die weit überwiegende Zahl der Klubs hätten einen Mitgliederschwund zu beklagen. Da sei auch der Kneipp-Verein der Bergstadt mit seinen 718 Mitgliedern keine Ausnahme: „Wir werden sehr genau hingucken müssen“, sagte Boecker, denn an der Alterspyramide werde von beiden Seiten „geknabbert“ – von den Kindern und Jugendlichen, die heute aus vielen Angeboten wählen könnten und „mal hier und mal dort“ Kurse belegen würden, und von den älteren Mitgliedern, denen Boecker dieses Kompliment machte: „Sie sind der Schatz des Vereins.“

Untermauert wurde diese These bei den Ehrungen. Allein zwölf Mitglieder sind seit 40 Jahren dabei, Erna Nußpicker gehört dem Verein sogar seit einem halben Jahrhundert an.




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare