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„Wird sich wenig drum gekümmert“

Lokale Internet-Seiten werden von Parteien nicht gepflegt

OBERNKIRCHEN. Wer sich auf den lokalen Internet-Seiten von CDU, SPD und Grünen informieren will, ist im Internet bei ihnen an der falschen Adresse, ihre Seiten werden wenig bis gar nicht gepflegt. Warum ist das so? Eine Spurensuche.

veröffentlicht am 15.11.2018 um 15:33 Uhr

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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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Wer sich schon immer fragte, was auf der Jahreshauptversammlung der SPD Sulinger-Land geschah, kann es auf der Internet-Seite der Obernkirchener SPD nachlesen: Die Mitglieder wählten Wiebke Wall zur neuen Ortsvereinsvorsitzenden. Was dort (noch) nicht erwähnt ist: Seit einigen Wochen ist Herrmann Albers neuer Bürgermeister in Krainhagen, auf der Internetseite wird nach wie vor Thomas Mittmann als Amtsinhaber geführt. Was der interessierte Leser auf der SPD-Seite ebenfalls vergeblich sucht, das sind Termine der heimischen Sozialdemokraten, es gibt sie nicht, und das auf Monate im Voraus.

Oder weiterführende Artikel in der Rubrik „Aktuelles“? Fehlanzeige. In der Rubrik „Nachrichten“ stammt der jüngste Eintrag vom 16. Februar 2017, der Vorstand der SPD Stadt Obernkirchen wurde neu gewählt. Einen Tag älter ist der folgende Hinweis: Die SPD Obernkirchen unterstützt im Bundestagswahlkampf den Kandidaten Martin Schulz.

Zuständig für den Internet-Auftritt ist der Bürgermeister, und Oliver Schäfer will auch gar nicht abstreiten, dass die Seite „stiefmütterlich“ behandelt wird: „Es wird sich wenig darum gekümmert.“ Allerdings, so Schäfer, könne er nur einstellen, was ihm von der Partei geliefert werde. Generell, so sieht er es, sei das Internet und damit die SPD-Seite für ältere Mitbürger interessant, die Jüngeren seien längst in anderen sozialen Kanälen unterwegs, wie Facebook und andern sozialen Medien. Immerhin: Die Seite, die Albers als neuen Ortsbürgermeister zeige, liege vor, sei aber noch nicht freigeschaltet.

Dann geht es doch sehr schnell, am Abend nach dem Telefongespräch mit Schäfer, ist die Seite aktualisiert.

Und wie sieht es bei den Grünen aus? Am 17. Juni 2017 wurde bei der Stadtratsarbeit ein Zeitungsartikel zu Baugebiet Ahnser Weg verlinkt, schon ein Jahr älter ist der Antrag zur Förderung des Radverkehrs in Obernkirchen, er stammt aus dem Jahr 2016: Zwei Einträge in zwei Jahren, mehr nicht.

Das war einmal anders, vor allen in den ersten Jahren. Die Grünen und in erster Linie Ratsherr Thomas Stübke hatten von allen Fraktionen deutlich früher die Darstellungsmöglichkeiten im Internet erkannt, es werden schnell eigene Umfragen durchgeführt, Reden dokumentiert, Anträge gestellt – um 2006 ist auf der Homepage verlinkt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, sogar die Wahlkampfkosten für die Bürgermeisterkandidatur Thomas Stübke und Stadtratkandidaten werden dezidiert dargestellt, es waren übrigens 4719 Euro. „Da haben wir heute ein Defizit, das muss man ehrlich so sagen“, gibt Thomas Stübke unumwunden zu, und bezieht dabei auch seine eigene Homepage mit ein, bei der Ursachenforschung kann er sich mit einem Wort begnügen: Zeitprobleme. Die Grünen der Bergstadt wollten und müssten umziehen, meint Stübke: Auf die Internet-Seite des Landesverbandes, „dort, wo alle sind“, sagt er. Aus dem Schaumburger Landkreis haben bislang aber nur die Bückeburger Grünen den Sprung auf diese Seite geschafft.

Ein ähnliches Bild bietet sich bei der CDU, auf der Seite des Stadtverbands werden Beate Krantz und Andras Hofmann noch heute als Mitglieder der Stadtratsfraktion geführt, der letzte Eintrag im lokalen Terminkalender stammt vom 9. Oktober 2017: Der Stadtverband lädt zur Jahreshauptversammlung. Jonas Pfähler, Pressesprecher des Stadtverbandes, erklärt, dass die Seite des CDU-Stadtverbandes über die Seite der Schaumburger CDU laufe, „das ist relativ schwer“, man gehe mittlerweile generell andere Wege: „Wir versuchen, über Facebook unsere Zielgruppe zu erreichen.“ Dort sei, im Gegensatz zur Internetseite, jederzeit „nachvollziehbar“, welcher Beitrag welche Reichweite habe.

Und selbst Facebook sei ja für manche heute schon wieder überholt, Pfähler verweist auf Instagram, „der Trend ändert sich ja alle paar Jahre“, erklärt Pfähler, der dies beurteilen dürfte: Er ist Jahrgang 1994. Immerhin: Dass Hofmann und Krantz noch immer als Mitglied der Ratsfraktion geführt werden, „das sollten wir schnell ändern“, sagt Pressesprecher Pfähler.




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