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In 6,5 Minuten am Einsatzort – unterwegs mit Schaumburgs Krankenhaus-Feuerwehr

Mit der Löschkarre im Schockraum

VEHLEN. Schaumburgs kleinstes Löschfahrzeug steht in Vehlen. Es ist mit Schläuchen, Rettungsleinen, Werkzeug, Atemschutzgeräten und Funkgeräten ausgerüstet; es hat vier Räder, aber keinen Motor. Wir sind unterwegs mit der Werkfeuerwehr des Klinikums Schaumburg.

veröffentlicht am 25.01.2019 um 14:39 Uhr

Einsatz für die Krankenhaus-Feuerwehr – löst die Brandmeldeanlage Alarm aus, rollen die Freiwilligen ihre Löschkarre über die Klinikflure. Fotos: leo
Leonhard Behmann

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35 Männer und Frauen sind hier im Einsatz. Von der OP-Schwester über den Verwaltungsmitarbeiter bis zum Pfleger – wenn der Melder piept, verlassen sie ihren Arbeitsplatz und werden zu Brandschützern. Carsten Everding leitet die Krankenhaus-Feuerwehr. Sie ist eine von nur zwei Klinik-Wehren in ganz Niedersachsen.

Der erste Weg führt den Werkbrandmeister am Morgen in den Stabsraum – das ist eine kleine Leitstelle. Everding schaut nach, wer von seinen Feuerwehrleuten an diesem Tag im Klinikum Dienst hat und im Ernstfall ausrücken kann. Danach macht sich der 57-Jährige auf zu seinem täglichen Rundgang durch die Klinikflure und -zimmer.

Am Wirtschaftshof des Krankenhauses fällt dem Feuerwehrchef sofort etwas auf. Arbeiter verladen gerade das Klinikessen auf Lastwagen. Paletten mit Kartons stehen im Flur. Everding macht Druck. „Die Flucht- und Rettungswege müssen frei sein, die dürfen nicht zugestellt werden“.

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Eine schlagkräftige Truppe: die ehrenamtlichen Klinik-Feuerwehrleute und ihre tonnenschweren Spezialfahrzeuge. Foto: leo

Wenn ein Alarm eingeht, müssen innerhalb von 6,5 Minuten sechs Feuerwehrmänner am Einsatzort sein, weitere vier Einsatzkräfte innerhalb von neun Minuten vor Ort sein – so schreibt es die Polizeidirektion Göttingen vor. „Ohne die Krankenhaus-Feuerwehr würde es das Klinikum nicht geben“, sagt Everding.

Eine Krankenhaus-Feuerwehr war Voraussetzung für den Bau des neuen Klinikums. Schließlich können bei einem Feuer bis zu 900 Menschen in Gefahr sein. „Das entspricht der Einwohnerzahl eines Dorfes“, sagt der Feuerwehrchef.

Gemeinsam mit Kollegen musste Everding die Klinik-Feuerwehr aufbauen. „Wir haben bei null angefangen. Am Anfang hatten wir keine Fahrzeuge und keine Feuerwehrleute.“

„Die Polizeidirektion hat eine Werkfeuerwehr zur Bedingung gemacht, weil tagsüber die umliegenden kommunalen Feuerwehren nicht schnell genug mit ausreichend Einsatzkräften am Klinikum eintreffen würden“, erklärt Everding, während er seine Streife in der Zentralen Notaufnahme fortsetzt. Hier achtet er auch darauf, ob Raucher zu nah am Gebäude quarzen und der Qualm in die Flure und Zimmer zieht. Das könnte einen Alarm auslösen. Aber: An diesem Tag ist aber alles in Ordnung. Auch stehen keine Materialwagen oder Kartons auf den Fluren im Weg.

Im Ambulanten Zentrum fällt dem Werkbrandmeister etwas auf. Ein Feuerlöscher hängt nicht mehr an der Wand. Die Verankerung ist lose. „Möglich, dass da jemand gegengestoßen ist. Das muss schnell repariert werden“, mahnt Everding.

Im vergangenen Jahr wurde die Krankenhaus-Feuerwehr zu 26 Einsätzen alarmiert. In diesem Jahr mussten die Männer und Frauen schon fünfmal ausrücken. Neben einem Einsatz, bei dem Wasserdampf die Brandmeldeanlage ausgelöst hat, war die Werkfeuerwehr auch bei einem Verkehrsunfall auf der Straße vor dem Klinikum im Einsatz, um ausgelaufene Betriebsstoffe unschädlich zu machen. Viermal mussten Patienten gesucht werden. Wird jemand vermisst, suchen die Feuerwehrleute das gesamte Krankenhaus und das Gelände rundherum ab. Die meisten Einsätze machen jedoch Hubschrauberlandungen aus. Ist ein Rettungshubschrauber im Anflug auf das Klinikum, piept es bei Werkbrandmeister Carsten Everding. Er oder einer seiner Kollegen müssen dann schnell zum Landeplatz neben dem Klinikum eilen, um dort den Brandschutz sicherstellen. Per Knopfdruck schaltet Everding zunächst die Landebefeuerung ein. Auch bei Nacht ist der Landeplatz taghell beleuchtet. Dafür sorgen mehrere Scheinwerfer. Auf dem Dach des Klinikums weist den Piloten außerdem ein Blitzlicht den Weg. In einer kleinen Hütte der Feuerwehr lagert Ausrüstung – unter anderem eine sogenannte Lafette. Sie wird zum Landeplatz gerollt. Die Trage des Hubschraubers wird auf diesen Rollwagen gelegt und zum Schockraum gebracht. Während der gesamten Zeit, in der der Hubschrauber am Klinikum steht, passt ein Feuerwehrmann auf. Innerhalb von zwei Minuten muss er eingreifen können, sollte Kerosin auslaufen oder die Maschine Feuer fangen.

2375 Brandmeldeanlagen und 13 Rauchansaugsysteme, die die Anzahl der Rußpartikel in der Luft messen und auf diese Weise Rauch und Feuer detektieren, sorgen im Klinikum für Sicherheit. Erst vor wenigen Tagen hat einer dieser Melder Alarm geschlagen. Räume und der Flur der Station B3 waren verqualmt. Der Melder alarmiert dann nicht nur die Feuerwehr. „Automatisch schickt er auch eine Meldung auf die Telefone aller Pfleger und Ärzte der betroffenen Station, sperrt die Fahrstühle ab und fährt eiserne Vorhänge herunter.“ Diese riegeln die Fahrstühle ab und können Flure und Gebäudeteile voneinander trennen. Das Feuer kann sich so nicht ausbreiten.

Die Krankenhaus-Feuerwehrleute waren schon nach sechs Minuten am Brandort – mit 17 Einsatzkräften. Stets nehmen sie das Feuer von zwei Seiten in die Zange. Eine Einheit nährt sich dem Brandherd mit der Löschkarre – dem kleinsten Löschfahrzeug Schaumburgs.

Es ist ein Rollwagen in Feuerwehrrot, ausgerüstet mit allem, was für den ersten Löschangriff benötigt wird. Sechs Feuerwehrleute rollen ihn zum Brandort, während Kameraden mit einem Einsatzleitwagen, einem großen Löschgruppenfahrzeug und einem Kommandowagen von der anderen Seite anrücken und das Feuer von dort bekämpfen. „Das ist eher untypisch und etwas Besonderes. Wir gehen aufgrund der Gebäudearchitektur so vor“, erklärt Everding die taktische Überlegung. Schnell hatten sie den Entstehungsbrand unter Kontrolle. In einer Mikrowelle hatte Essen Feuer gefangen. Mit einem speziellen Lüftersystem wurden schädliche Brandgase nach ins Freie gedrückt. Die alarmierten Feuerwehren aus Obernkirchen und Vehlen brauchten nicht mehr anzurücken.




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