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EU-Abgeordnete Erika Mann besucht das Stift / Mittel aus Brüssel für die Mauersanierung?

Namens-Kekse für den EU-Gast mit dem Geld

Obernkirchen. Den ersten Keks nimmt die SPD-Europaabgeordnete beim Besuch im Stift, weil ein Teller herumgereicht wird; eine Ablehnung wäre unhöflich. Dann greift sie noch einmal zu, weil es die besten Kekse sind, die sie außerhalb Englands jemals gegessen hat, wie sie erklärt. Und beim dritten stutzt sie dann: Da steht doch was drauf. Stiftskirche? Nein. Da steht ihr Name: Es sind Erika Mann-Kekse.

veröffentlicht am 22.05.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 07:41 Uhr

Das größte Problem ist die Stiftsmauer, die abzurutschen droht:

Autor:

Frank Westermann

„Wir schielen nach Ihrem Geld“ hatte Äbtissin Susanne Wöbbeking bei der Begrüßung der Wahrheit die Ehre gegeben. Und weil ein netter Empfang schnell das Eis bricht, hatte sich die Äbtissin einen Tag vorher in ihre Küche gestellt, Kekse gebacken – und in jeden den Namen des Gastes gestempelt.

Am dringendsten wird das Geld für die Sanierung der Stiftsmauer benötigt. Die konkrete Ausführungsplanung ist in Arbeit, die Anträge für die Zuschüsse werden gestellt. Landkreis, Stift, die Stadt und die Landesdenkmalbehörde sitzen alle in einem Boot und rudern in die gleiche Richtung: Man hat sich zusammengesetzt und aufgeteilt, wer wo welchen Antrag stellt. Die Sanierungszeit ist auf zwei Jahre veranschlagt, birgt aber auch Probleme. Es muss stückweise gearbeitet werden, weil die Statiker ein viel zu hohes Risiko sehen, dass die Mauer wegrutscht. Also wird erst ein Stück der Mauer saniert, danach die Stützmauer vorgesetzt, ehe es weitergeht. „Ohne Erika Mann und EU-Gelder geht es nicht“, erklärt Äbtissin Wöbbeking nach dem Empfang und einem Rundgang: „Wir müssen viele Töpfe anzapfen.“

Auch Wilhelm Mevert wünscht sich als stellvertretender Bürgermeister mehr Geld aus Brüssel. Es müsse nicht nur in die Straßen, sondern auch in die Infrastruktur investiert werden, betont der SPD-Politiker mit Blick auf das Rathaus und das Stift. Die Stadt könne bei zehn Millionen Einnahmen und 13 Millionen Ausgaben jedenfalls nicht mehr leisten. Mann verweist auf das Land Niedersachsen, dass die EU-Reformen umsetzt. Und: „Anträge immer schriftlich stellen.“ Auch der neue Pilgerweg wird angesprochen, das Stift erhofft sich durch den Sigwardsweg Besucher und damit Einnahmen. Weil es in Obernkirchen kaum eine Übernachtungsmöglichkeit gibt, soll eine Wohnung eingerichtet werden, in der bis zu fünf Pilger übernachten können. Auch dafür fehlt Geld, die EU-Abgeordnete macht sich Stichworte. Und bedauert es spürbar, dass für den Stiftsbesuch nicht mehr Zeit angesetzt war, denn sie und Wöbbeking kommen bestens miteinander klar: Zwei Pragmatikerinnen, die die gleiche Sprache sprechen und gern schnell auf den Punkt kommen.

Die Äbtissin hat noch schnell gebacken: Namens-Kekse für den Gas
  • Die Äbtissin hat noch schnell gebacken: Namens-Kekse für den Gast aus Brüssel. Fotos: rnk
Zwei Pragmatiker, die die gleiche Sprache sprechen: Erika Mann (
  • Zwei Pragmatiker, die die gleiche Sprache sprechen: Erika Mann (l.) und Susanne Wöbbeking.

Zum Schluss läuft Wöbbeking noch schnell in die Stiftsküche und kommt mit einer historischen Blechdose zurück. Alle Kekse, die übrig blieben, werden Erika Mann geschenkt. Die Abgeordnete ist sichtlich gerührt und verspricht, auf ihrer Internet-Seite über einen der schönsten Empfänge zu berichten, der ihr zu Ehren jemals gegeben wurde. Dafür gibt es dann von Wöbbeking noch eine Einladung – für den Gottesdienst, mit dem sie offiziell ihr neues Amt annimmt. Sie wäre sicher nicht überrascht, wenn Erika Mann vorbei schauen würde.




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