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Kirche: Prieche frisch saniert

Nur ein Eimer Farbe reicht nicht

OBERNKIRCHEN. Frisch und sehr aufwendig saniert wurde die Prieche im Gotteshaus, besichtigt werden kann sie bei den Führungen am Samstag und Mittwoch.

veröffentlicht am 24.04.2019 um 00:00 Uhr

Als Wilhelm II, noch eine junge Hoffnung auf mehr staatliche Liberalität war, stiftete er dem Gotteshaus dieses Fenster.
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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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Die Prieche, das ist die Empore, der abgesonderte Sitzplatz der höheren Stände einer Kirchengemeinde. In der Stiftskirche sitzen dort Äbtissin und Stiftsdamen. Die Prieche nimmt in der Kirche eine Sonderstellung ein: „Sie befindet sich zwar im Gotteshaus, ist aber noch dem ehemaligen Augustiner-Chorfrauenstift zuzurechnen“, erklärt Äbtissin Susanne Wöbbeking und verweist auf den kleinen Turm über der Prieche, auf dem die Glocke erklingt, wenn es Änderungen im Stift gibt: Aussegnung, Todesfall oder die Einführung einer Stiftsdame.

Der Raum wurde gestrichen, die Rippenbögen erhielten einen neuen Abstrich. Aber wer meint, dass hier wie im Wohnzimmer kurzerhand mit einem Eimer Farbe zur Tat geschritten würde, der irrt. Allein mit den Rippenbögen haben sich zwei Restauratoren vier Tage beschäftigt. Mit Japanpapier wurden die Farbpigmente der Bögen so meisterhaft behandelt, „dass sie so intensiv strahlen wie wohl nie zuvor“, erklärt Äbtissin Wöbbeking, die übrigens schätzt, dass die Bögen vor rund 100 Jahren das letzte Mal restauriert wurden.

Noch länger liegt eine Spende zurück, eine kaiserliche Spende: Wilhelm II., der 1888 zum König von Preußen und zum Herrscher aller Deutschen gewählte Hohenzollern-Spross, hatte dem Gotteshaus 1894 ein neues Kirchenfenster spendiert. Es zeigte nach Westen und lag direkt hinter dem Altar.

Blick in die frisch sanierte Prieche mit Altar, neuer LED-Lampe und strahlenden Rippenbögen. Fotos: rnk

Um die Spende in seiner schönsten Pracht zeigen zu können, so vermutet Wöbbeking, habe man den Altar, umpositioniert, damit dieser nicht den Blick verstelle. Der Altar ist bekanntlich wieder umgestellt worden; nicht unbedingt, weil er das Fenster verbergen soll, sagt die Äbtissin, sondern weil das Antependium deutlich mehr Platz erhalten hat: ein 100 mal 50 Zentimeter großes Stück Stoff, ein Wolltuch mit Seidenstickerei, hergestellt um das Jahr 1450. Es hing einst an der Vorderseite des wunderbaren, später erbauten Altars der Stiftskirche herunter. Schweres rotes Wolltuch bildet den dunklen, stumpfen Hintergrund, vor dem sich fünf in helle, beigefarbene Tönen – im Zusammenspiel mit sparsamen Mengen bunter Farben – gehaltene Heiligenfiguren strahlend abheben. Es wurde umfangreich saniert, es liegt nun in einer Glasvitrine, und es soll den Platz erhalten, der dieser Reliquie gebührt: an eine Wand der Prieche, unübersehbar, wie es sich für diesen Schatz gehört. Da muss das Fenster des Kaisers zurücktreten.

Gelöst wurde auch ein anderes Problem: Das mangelhafte Licht wurde endlich ausgetauscht. Jetzt wird die Prieche von zwei quadratischen, umweltfreundlichen und dimmbaren LED-Lampen erleuchtet. Unter dem Strich dürfte die Klosterkammer Hannover viel Geld für die Sanierung in die Hände genommen haben. Konkrete Summen wollte die Äbtissin nicht nennen.

Die Prieche ist normalerweise für Besucher des Gotteshauses nicht zugänglich, es gibt aber zwei Ausnahmen: Jeden Mittwoch und Samstag führen die Besichtigungen durch das Stift auch über die Prieche, Treffpunkt ist jeweils um 15.50 Uhr im Wirtschafthof des Stiftes, die Kosten für die Führung liegen bei drei Euro.

Mit Sybille Schlusche wird in dieser Saison auch eine neue Stiftsdame die Führungen mitanbieten, die dabei einen Schwerpunkt auf die baulichen Aspekte legen wird.




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