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Auf der Spur des grünen Hasen

Obernkirchener betreibt auf YouTube einen Philosophiekanal

OBERNKIRCHEN. YouTuber zu sein, das ist doch kein Beruf. Dass dieses Vorurteil überholt ist und YouTube mehr Potenzial hat als Schminkvideos, beweist der 25-jährige Manuel Haase, mit seinem Kanal Green Rabbit.

veröffentlicht am 14.02.2019 um 14:12 Uhr
aktualisiert am 14.02.2019 um 16:50 Uhr

Manuel Haase geht auf seinem YouTube-Kanal philosophischen und psychologischen Fragen nach. Foto: pr

Autor:

Sophie-Marie Ahnefeld
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OBERNKIRCHEN. YouTuber zu sein, das ist doch kein Beruf. Dass dieses Vorurteil überholt ist und YouTube mehr Potenzial hat als Schminkvideos, beweist der 25-jährige Manuel Haase mit seinem Kanal Green Rabbit. Der gebürtige Obernkirchener hat 2011 am Stadthäger Ratsgymnasium das Abitur absolviert und dreht jetzt schon seit 2013 Videos.

„Wie rational ist der Mensch?“, „Gibt es einen freien Willen?“: Haase geht in seinen Videos philosophischen und psychologischen Fragen nach, behandelt Themen wie Nachhaltigkeit und Achtsamkeit und äußert sich zu aktuellen gesellschaftlichen Phänomenen. Dass das mehr als gut ankommt, zeigt die Anzahl seiner Abonnenten: Mehr als 60 000 Menschen folgen dem studierten Volkswirt schon auf YouTube. „Einer der Kanäle, weshalb ich die YouTube-App noch habe“ – „Deine Videos sind sehr informativ und bieten gute Denkanstöße“, so lauten einige Kommentare unter Manuel Haases Videos. Wir haben ihn getroffen, um ihn und seine Arbeit besser kennenzulernen.

Manuel, die Inhalte deiner Videos sind alles andere als das, was man von einem jungen Menschen erwarten würde. Was bewegt dich dazu, dich mit diesen komplexen Themen zu befassen?

Eigentlich habe ich mich immer schon für Astrophysik interessiert. Als Kind habe ich es geliebt, in dem Atlas meines Großvaters zu blättern, der kurz nach der Mondlandung erschienen war. Damals war das gerade ein riesiger Fortschritt. Ich frage mich: Wie können wir so normal leben, wo doch um uns herum so viel passiert, über das wir staunen können. Es ist besonders die Neugierde, die mich anspornt, Dinge zu hinterfragen.

Unter dem Beruf YouTuber können sich viele immer noch nur wenig vorstellen. Woraus setzt sich diese Tätigkeit für dich zusammen?

Bisher mache ich noch alles selber. Meine Arbeit reicht von Recherche und Schreiben des Skriptes über Drehen und Schneiden des Videos bis hin zur Präsentation auf sozialen Medien und Verwirklichung weiterer Projekte. Ich nutze im Grunde jede freie Minute für den Kanal.

„Wie real ist die Realität?“, „Sind alle deine Handlungen vorausbestimmt?“, „Was macht dich zu dir?“ – so lauten einige Titel deiner Videos. Was soll die Beschäftigung mit solchen Fragen bringen?

Zum einen möchte ich persönlich die Menschen besser verstehen. Aber ich möchte auch das Verständnis meiner Zuschauer füreinander stärken. In einem meiner letzten Videos habe ich darüber gesprochen, wie wir Beziehungen harmonischer gestalten können. Ich wünsche mir in unserem Umgang miteinander mehr Offenheit und eine friedlichere Diskussionskultur. Gleichzeitig ist mir aber auch das Bewusstsein für den Augenblick enorm wichtig. Das Leben kann einfach so krass bereichernd sein. Das möchte ich vermitteln.

Viele deiner Videos zeigen Aufnahmen des Bückeberges. Welche Rolle spielt die Umwelt für Green Rabbit?

Ungerechtigkeiten in der Welt haben mir schon immer zugesetzt. Nach dem Abitur habe ich dann ein Freiwilliges Ökologisches Jahr gemacht, bei dem ich mit sehr interessanten Menschen in Kontakt gekommen bin. Zwischen Hochwasserschutz und Seminaren habe ich immer mehr Verständnis für Nachhaltigkeit entwickelt. Damit hat auch mein Kanal angefangen. Grün ist nicht nur meine Lieblingsfarbe, sondern spiegelt auch das ökologische Anliegen des Kanals wider.

Dein Kanal ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. Hat dich der Job auch persönlich verändert?

Auf jeden Fall. Neben einer Verbesserung meiner technischen Fähigkeiten und meiner Präsentation in den Videos sind auch meine Beziehungen zu anderen Menschen harmonischer geworden. Ich bin verständnisvoller und nicht mehr so emotionsgesteuert. Ich habe außerdem das Glück, kaum Hasskommentare zu erhalten. Das positive Feedback meiner Zuschauer pusht mich natürlich. Bisher sind mir im Grunde auch keine wesentlichen Fehler unterlaufen. Dafür kontrolliere ich meine Quellen auch doppelt und dreifach.

Auf der einen Seite erleben wir in der Welt eine zunehmende Beschleunigung. Dank unserer Smartphones sind wir ständig erreichbar und müssen das auch für viele Jobs sein. Wie schaffen wir es trotzdem, im Moment zu leben und achtsam zu sein?

Indem wir ab und zu unsere monotone Arbeit unterbrechen. Oftmals sind wir auf Autopilot geschaltet und nehmen den Moment überhaupt nicht wahr. Achtsamkeit kann man üben. Bewusstes Einatmen oder Meditation können uns dabei helfen, wieder mehr präsent zu sein und das Wunder des Augenblicks wahrzunehmen.

Du lässt dir immer wieder neue Projekte einfallen, wie Buchverlosungen, Gewinnspiele, verkaufst Pullover mit deinem Logo aufgedruckt und interviewst Buchautoren. Wann werden wir dein erstes eigenes Buch erwerben können?

Ich habe tatsächlich vor, irgendwann ein Buch zu schreiben. Ich könnte mir sowohl einen Roman als auch ein Sachbuch vorstellen, in dem philosophische Fragen in der Tiefe behandelt werden sollen. In der nächsten Zeit stehen aber erst mal weitere Videos, Live-streams und Podcasts an. Auch ein Buchclub ist geplant, aber ich will noch nicht zu viel verraten.

Manuel, wir danken dir und wünschen dir auf deinem weiteren Weg viel Erfolg.

Interview: Ann-Sophie-Marie Ahnefeld




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