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E-Center-Chefin widerspricht

Obernkirchner fälschlich als Ladendieb verdächtigt und „abgeführt“

Eine Entschuldigung, so findet Heinz Brauer, wäre doch das Mindeste gewesen. Im November wurde der 71-Jährige im E-Center Künneke von einer Kaufhausdetektivin als Ladendieb verdächtigt – und zwar fälschlicherweise. Der Vorfall, und was danach geschah, beschäftigt Brauer bis heute. Und demnächst wird sich auch ein Gericht damit beschäftigen müssen – denn Brauer klagt auf Schmerzensgeld und Schadensersatz, wie er im Gespräch mit dieser Zeitung ankündigt.

veröffentlicht am 16.01.2019 um 16:59 Uhr
aktualisiert am 16.01.2019 um 18:54 Uhr

Heinz Brauer mit der „Tatwaffe“: Er hat das Messer, dessen Diebstahl ihm vorgeworfen wurde, später in einem anderen Laden gekauft.
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Autor

Jakob Gokl Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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OBERNKIRCHEN.

Eigentlich sei er überzeugter Kunde des E-Centers gewesen, so Brauer. „Ein toller Laden, kompetente Mitarbeiter, ich gehe seit dem ersten Tag dorthin.“ Daher dachte er sich auch nichts dabei, als er für eine Kollegin die Preisschilder von einigen im E-Center angebotenen Küchenmessern mit dem Handy fotografierte.

Als er jedoch an der Kasse plötzlich von hinten angesprochen wurde, stutzte er dann doch. „Hä, hab ich gesagt, als die Frau hinter mir plötzlich sagte, ich hätte etwas gestohlen.“ Die Frau gab sich als Ladendetektivin zu erkennen. Sie führte Brauer gemeinsam mit einem weiteren Mitarbeiter – der hinter ihm ging – in ein Hinterzimmer. „Ich kam mir richtiggehend abgeführt vor“, berichtet Brauer. Und das, während fünf oder sechs Kunden das Geschehen aus unmittelbarer Nähe beobachten konnten. „Aber ich dachte mir, das klärt sich bestimmt alles auf.“

Heinz Brauer (r.) mit seinem Anwalt Kirk Van Johnson im Gespräch.

Im Hinterzimmer habe sich die Ladendetektivin vor ihm aufgebaut, ihn richtiggehend einschüchtern wollen. Weil er ja nichts gestohlen hatte, ließ er sie seine Taschen durchsuchen. Obwohl nichts gefunden wurde, verständigte ein Edeka-Mitarbeiter die Polizei. Als die Beamten seine Schilderung der Ereignisse gehört und sich die Aufnahme der Sicherheitskamera angesehen hatten, habe sich der Vorwurf als unhaltbar herausgestellt. „Die Polizisten wussten auch nicht, wie man darauf kommen konnte“, berichtet Brauer. Sie hätten auch kein Verständnis für das Vorgehen gehabt.

Nachdem die Polizei wieder abgerückt war, habe er noch eine Weile gewartet, ob sich nun jemand entschuldigen würde. Es sei aber nichts gekommen. „Ich habe die Sorge, dass gerade ältere Leute in so einer Situation so eingeschüchtert werden, dass sie unwahre Dinge zugeben, einfach um da rauszukommen“, meint Brauer. „Wenn man sich einfach bei mir entschuldigt hätte, wäre das ja okay.“

Deswegen, und weil er den Vorfall nicht einfach so stehen lassen wollte, habe er seinen Anwalt Kirk Van Johnson eingeschaltet. Nach einem aus Sicht von Johnson fruchtlosen Schriftwechsel sowohl mit der Inhaberin des E-Centers als auch des Sicherheitsunternehmens steht nun fest: Sie klagen. Denn persönlich habe sich die E-Center-Chefin nicht entschuldigen wollen. „Dabei sind die Ladendetektive ja ihre Erfüllungsgehilfen“, so Johnson. „Als Inhaberin hat sie die Verantwortung.“ Außerdem hat Johnson den Sachverhalt wegen falscher Verdächtigung an die Staatsanwaltschaft übergeben.

Die Inhaberin des E-Centers, Daniela Künneke, äußert auf Anfrage dieser Zeitung ihr Unverständnis. „Die Detektivin hat ihren Job vernünftig gemacht und diskret gehandelt.“ Sowohl die Detektivin als auch der Mitarbeiter hätten sich direkt im Anschluss entschuldigt. Auf das Angebot einer weiteren, auch schriftlichen, Entschuldigung vonseiten des Sicherheitsunternehmens und der Ladendetektivin sei nicht eingegangen worden. Sie persönlich könne sich aber nicht für etwas entschuldigen, bei dem sie gar nicht anwesend war.

Sie widerspricht Brauer auch, dass der Vorfall von anderen Kunden gesehen worden sei. „Es war sonst niemand im Kassenbereich.“ Und die Polizei habe, anders als von Brauer dargestellt, vor Ort durchaus Verständnis dafür geäußert, dass die Ladendetektivin eingegriffen habe. „Ich wundere mich, dass eine gütliche Einigung für Herrn Brauer gar nicht infrage kam, sondern immer gleich mit Klage gedroht wurde.“




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