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Ein gemeinsames Gartenprojekt für Obernkirchener und ausländische Neubürger

Ort der Begegnung

OBERNKIRCHEN. Wie groß die Fläche nun genau ist, weiß niemand so genau, vielleicht sind es 2000 Quadratmeter, möglicherweise auch mehr, auf jeden Fall ist das Gelände riesig. Hier entsteht gerade ein Gartenprojekt, das seine Wurzeln in der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit hat.

veröffentlicht am 05.05.2019 um 14:18 Uhr
aktualisiert am 05.05.2019 um 18:20 Uhr

Der Bauwagen kommt: Das künftige Gartengelände ist grob gerodet, mehr nicht. Es wartet Arbeit auf die Mitmacher, viel Arbeit. Foto: rnk
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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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OBERNKIRCHEN. Wie groß die Fläche nun genau ist, weiß niemand wirklich, vielleicht sind es 2000 Quadratmeter, möglicherweise auch mehr, auf jeden Fall ist das Gelände riesig. Es entsteht gerade ein Gartenprojekt, das seine Wurzeln in der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit hat.

Eva Felka gehört zu den Helfern, die seit Beginn der Flüchtlingskrise als Ansprechpartner den neuen Mitbürger helfen. Zwei Projekte wollte sie mit ihnen umsetzen: eine Fahrradwerkstatt und eben ein Gartenprojekt. Das Radprojekt im Schuppen auf ihrem privaten Grundstück ist nach gut zwei Jahren ausgelaufen, und alle Restbestände und Werkzeuge sind nach Bad Nenndorf an die dortige Initiative Fahrräder für Flüchtlinge übergeben worden.

Das Gartenprojekt war nicht so ganz einfach umsetzbar: Es fehlt an einer geeigneten Fläche. Denn Obernkirchen ist, was manchmal ja vergessen wird, eine Bergstadt. Und die Flüchtlinge entstammen fast ausschließlich Kulturen, in denen die Familie alles gemeinsam unternimmt – und mancher mögliche Garten wäre mit einem bergan zu schiebenden Kinderwagen nur schlecht erreichbar, was die Akzeptanz und Motivation auch nicht erhöhen würde.

Zwei, drei Jahre, erzählt Eva Felka, hat sie gesucht, dann konnte die Stadt weiterhelfen: Oberhalb des ehemaligen Polizeigebäudes gebe es ein Grundstück, das nun aber kurzfristig den Besitzer gewechselt hat. Nach einem persönlichen Gespräch mit dem neuen Eigentümer, Volker Wehmeyer, erhielt sie grünes Licht für ihr Projekt.

Seit 30 Jahren leitet sie die Jugendhilfe-Einrichtung Projekt Husky, was auch ein Engagement auf Bundesebene erforderte. Dort hat sie ihr Engagement im letzten Jahr aufgegeben. Jetzt hat sie mehr Zeit, nutzt ihr Wissen – etwa darüber, wie man Projekte entwickelt – für Obernkirchen. Sie sieht es so: „Ich lebe gerne hier und möchte einen Beitrag leisten, damit diese Stadt friedlich, freundlich und lebenswert bleibt.“ Und dafür, so sagt sie, „muss man sich um die Menschen kümmern, die zugezogen sind; man kann sie nicht sich selbst überlassen“.

Die Grundidee lautete, einen Ort anzubieten, an dem sich Obernkirchener und ausländische Mitbürger treffen, wo sie gemeinsam etwas tun können, wo es Gespräche gibt oder auch nur mal einen Kaffee. Sprich: einen Ort der Begegnung. Die Wirksamkeit eines solchen Projektes, „ist dann vorhanden, wenn sich die Menschen beteiligt fühlen“. Stichwort Partizipation: „Dass man jemandem etwas überstülpt, das braucht keiner“, sagt Felka.

Zum verantwortlichen Organisations-Team gehören Hamid Abdull Rahimi und Jamshid Safizadeh, die die kulturelle und sprachliche Brücke zu afghanischen Familien schlagen.

Ihr Projekt soll vermitteln, was nicht nur ausländischen Mitbürgern immer wichtiger wird: Anerkennung, Wertschätzung und Respekt – über einen gemeinsam geteilten Raum, damit Vertrauen wachse und auch über Probleme gesprochen werden könne. „Das ist mein Handwerkszeug“, erklärt die Diplom-Sozialpädagogin. Es gehe darum, Konflikte anzusprechen, damit Eskalationen verhindert werden.

Es ist ein langer und weiter Weg. Das weiß auch Eva Felka. „Es geht langsam los“, erklärt sie, während ein Trecker einen Bauwagen auf das Gelände schleppt. Der Bauwagen gehört einer Mitarbeiterin, Meike Rathert, wird aktuell von ihr nicht benötigt. Er ist abschließbar und kann genutzt werden, um beispielsweise Gartengeräte aufzubewahren. Ein Dutzend Holzpaletten wurden an der Ostseite des Geländes zusammengelegt. Vielleicht kommen noch ein paar Teppiche drauf – so entsteht eine Sitzgelegenheit. „Erst mal eine Ecke bauen, mit der man anfängt“, sagt sie, und dann das Gelände Stück für Stück erobern.

Geld hat Felka beim Landkreis beantragt. „Für all die Dinge, die man im Garten so braucht“, sagt sie. Ein Helferstamm ist vorhanden. „Seit drei Jahren kennen wir uns“, erklärt sie. Und wer ebenfalls mithelfen möchte: Auf einem Schild vor dem Grundstück ist ihre Handynummer zu finden, falls jemand Pflanzen oder Gartengeräte übrig hat oder mitmachen möchte. Einen festen Termin, an dem sich auf dem Grundstück getroffen, geklönt und gearbeitet wird, gibt es noch nicht. Das Projekt muss sich erst entwickeln, sagt Felka.




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