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Treff im Stift: Welche religiöse Bedeutung hat das Wasser? Ein Vortrag von Peter Neumann

Quelle des Lebens

OBERNKIRCHEN. Dr. Peter Neumann hat in seinem Vortrag über das Wasser im Rahmen der diesjährigen Wasser-Veranstaltungsreihe des Treffs im Stift über die weltweite religiöse Bedeutung des nassen Elements referiert.

veröffentlicht am 18.10.2018 um 15:56 Uhr
aktualisiert am 18.10.2018 um 17:00 Uhr

Spirituelle Reinigung, Hoffnung auf Heilung von Krankheiten und der Glaube, dass ein Bad im Ganges die Chance auf eine bessere Wiedergeburt deutlich erhöht: Hindus waschen sich in Varanasi im Ganges, dem heiligsten aller Flüsse. Foto: rnk

Autor:

FRANK WESTERMANN.
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OBERNKIRCHEN. Das grandiose Schauspiel beginnt, wenn die Sonne am Horizont emporsteigt. Überall dort, wo sich der Ganges durch Indien zieht, kommen die Hindus, um sich im heiligen Wasser zu reinigen, es ist ein ritueller Vorgang. Das Problem: Der Ganges ist eine einzige stinkende Kloake, formuliert es Dr. Peter Neumann, „vor Tausenden von Jahren mag das anders gewesen sein“; auch, weil heute Zehntausende Tote im Jahr dem Fluss übergeben werden, aber die Menschen würden nach wie vor an die magisch-rituelle Kraft des Wassers glauben, auch wenn sich die Wirklichkeit verändert habe.

„Der Ritus“, so der ehemalige Superintendent, „ist stärker als die Vernunft.“ Aber der Glaube gehöre natürlich dazu, niemand unterwerfe sich einem Ritus, wenn er ihn für Mumpitz halte.

Neumann sprach im Rahmen der diesjährigen Wasser-Veranstaltungsreihe von Treff im Stift über die religiöse Bedeutung des nassen Elementes. Wasser gebe es, so lange es Menschen gebe, durch Zellteilung im Wasser sei das Leben entstanden, und es begleite den Menschen von der Geburt bis zur Bahre, weil er nach dem Tod gewaschen werde. Aber erst durch die Worte aus den sakralen Schriften erhalte das Wasser eine religiöse Bedeutung, etwa die Taufe bei den Christen, Mikwe bei Juden, Gebetswaschungen bei Muslimen oder eben das Baden im Ganges im Hinduismus.

Neumann verwies auf Martin Luther: Die Taufe sei nicht allein schlicht Wasser, „sondern sie ist das Wasser in Gottes Gebot gefasst und mit Gottes Wort verbunden“, hatte der Reformator befunden. Wasser selbst habe für Luther eine untergeordnete Rolle gespielt, entscheidend sei für ihn gewesen, dass das Wort Gottes dazukam – und der Glaube.

Wasser löse natürlich auch Ängste aus, meinte Neumann, und verwies auf Darstellungen von Geistern, Ungeheuern und anderen gefährlichen Wesen, die im Wasser ihre angebliche Heimat hätten.

Heute sei allen diese Gefahr bewusst: Die USA würden ständig von Tsunamis heimgesucht, auch auf Mallorca habe das Wasser erst vor Tagen Todesopfer gefordert; Wasser, so Neumann, habe ein Doppelgesicht, es sei Segen und Gefahr.

Auch in den Gesamtschöpfungsberichten spiele Wasser eine große Rolle, als Beispiel verwies er auf die Schöpfungswoche, in der Gott Himmel und Erde erschuf: „Die Erde war wüst und wirr und Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.“ Gottes Geist bringe das Wasser, die Urflut, in Schwung, sie werde so zu einem lebensspendenden Wasser, betonte Neumann.

Wasser spiele ebenfalls eine zentrale Rolle in einem Bericht in der Bibel, der von einem Strom erzählt, der dem Garten Eden entspringt und sich in vier Arme teilt und das die ganze Welt und die Schöpfung umarmt.

Seine Botschaft, so Neumann: Die Versorgung der Welt ist ein Geschenk des Paradieses und Gottes, „in allen Berichten wird Wasser als lebendiges Element dargestellt“. Zur Unterwerfung der Schöpfung, so meinte Neumann generell, gehöre auch der verantwortungsvolle Umgang mit ihr.

Man müsse, so schloss er seinen Vortrag, das Wasser nicht für heilig erklären, auch nicht von göttlichen Wesen oder göttlichem Geist beseelt. „Aber wir sollten – schon aus ökologischen Gründen und um der Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder willen – im alltäglichen Umgang mit Wasser so viel Respekt zeigen, als wäre es heilig.“




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