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Bohrkern-Untersuchungen der Fahrbahndecke waren „unauffällig“ – und nun das

Rätselraten um Straßenschäden an der L 442

OBERNKIRCHEN. Die Schäden an der Landestraße 442 zwischen Obernkirchen und Buchholz sorgen derzeit für viel Gesprächsstoff in der Bergstadt. Anwohner und Experten diskutieren. Aber auch im Rathaus macht man sich über den Grund für die Schäden Gedanken. Während sich die Experten der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln die Risse und Löcher in der Fahrbahn nicht erklären können, glaubt ein ehemaliger Laborant eines Asphaltmischwerkes den Grund zu kennen.

veröffentlicht am 12.02.2019 um 15:48 Uhr
aktualisiert am 12.02.2019 um 18:00 Uhr

Risse ziehen sich durch die Asphaltdecke und Löcher haben sich gebildet. Die Schäden geben Experten Rätsel auf. Foto: Leo
Leonhard Behmann

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Der Mann will namentlich nicht genannt werden. „Ich bin mir sicher, dass etwas beim Mischen im Asphaltwerk schiefgelaufen ist. In dem neuen Asphalt wird oftmals altes abgefrästes Material wiederverwendet“, erklärt der Laborant. „Es könnte sein, dass beim Zusammenmischen von neuem und altem Asphaltmaterial zu wenig Bitumen dazugegeben wurde.“

Markus Brockmann, Leiter der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln, winkt ab. „Es ist nur die oberste Schicht, die sogenannte Deckschicht, von den Schäden betroffen. Beim Bau dieser Fahrbahndecke wurde zudem kein Alt-Asphalt verwendet“, sagt Brockmann. Die Erklärung könne also nicht stimmen.

Auch Anwohner diskutieren über die Schäden. Ihre Meinung ist klar: „Pfusch durch die Baufirma.“ Die unterste Fahrbahnschicht sei nicht überall abgefräst worden. „An der Stelle, an der jetzt die Schäden zu sehen sind, gab es Löcher in der untersten Fahrbahndecke. Diese sind nicht behoben worden. Es ist ganz klar, dass jetzt die obere Schicht kaputtgeht“, meint ein Mann, der direkt neben der L 442 wohnt.

Brockmann hingegen hält von diesem Erklärungsversuch auch nichts. „Zwar stimmt es, dass an der Stelle, wo die Schäden jetzt auftreten, nur die oberste Asphaltschicht abgefräst worden ist, aber die untere Tragschicht war nicht schadhaft, sonst hätte die Baufirma ihre Bedenken geäußert. Schließlich übernimmt sie die Gewährleistung.“

Sei es, wie es wolle: Im Rathaus hofft man, dass die Schäden so schnell wie möglich repariert werden. Bürgermeister Oliver Schäfer mutmaßt im Gespräch mit dieser Zeitung, dass etwas mit der Asphaltzusammensetzung nicht stimmen könnte. „Ich bin aber auch kein Fachmann“, sagt Schäfer. „Die Stadt hat schon einmal etwas Ähnliches leidvoll erfahren müssen. Nach der Sanierung der Straße Am Hunenbrink hat sich auf der Fahrbahndecke ein Fettfilm gebildet, weil die Mischung nicht gestimmt hat. Auf der Straße wurde es gefährlich rutschig“, sagt Schäfer.

An der L 442 hat man schon während der Arbeiten hingeschaut und kontrolliert. Im Auftrag der Straßenmeisterei hatten Experten Proben entnommen. Als die Straße fertig war, wurden Bohrkern-Untersuchungen durchgeführt. Dabei wurde in den Straßenbelag gebohrt, um Asphaltproben zu bekommen. Die Proben wurden versiegelt zur Technischen Universität in Braunschweig geschickt. Im Labor wurden die Materialien untersucht. Unter anderem sei überprüft worden, ob die Zusammensetzung des Asphaltes den Richtlinien entspricht, hieß es. Auch wurden Proben des Mischgutes entnommen und untersucht. Mitarbeiter der Straßenmeisterei hatten zudem während der Arbeit immer wieder stichprobenartig die Temperatur des Asphaltes gemessen. „Die Ergebnisse der Laboruntersuchungen waren unauffällig. Die Rezeptur und die Temperatur haben gestimmt“, sagt Brockmann. Allerdings seien keine Asphaltproben an der Stelle genommen worden, wo später die Schäden entstanden sind.

Neue Untersuchungen an der Stelle, wo die Schäden entstanden, in Auftrag zu geben, davon hält Brockmann nichts. „Auch wenn wir vielleicht einmal wissen, warum die Straße kaputtgegangen ist – für uns als Behörde ist das nicht wichtig. Schließlich übernimmt die Baufirma die Kosten für den Schaden und repariert die Straße“, erklärt der Behördenleiter.




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