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Politikferne Digitalos

Sammelbecken „Strull & Schluke“: Hier leben, hier arbeiten

OBERNKIRCHEN. Von einem Sammelbecken spricht Arne Boecker, im Obernkirchen-Projekt „Strull & Schluke“ würden Fotografen, Grafiker, Filmer, Drohnenbauer, Suchmaschinenoptimierer mitmachen, zum großen Teil junge Leute, Mitmacher, „Digitalos“, erklärt der Journalist. Sein Zuhörer: Bernd Lange.

veröffentlicht am 03.05.2019 um 00:00 Uhr

„Alle Achtung“: Bernd Lange (l.) und Arne Boecker. Foto: rnk
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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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OBERNKIRCHEN. Von einem Sammelbecken spricht Arne Boecker: Im Obernkirchen-Projekt „Strull & Schluke“ würden Fotografen, Grafiker, Filmer, Drohnenbauer, Suchmaschinen-Optimierer mitmachen, zum großen Teil junge Leute, Mitmacher, „Digitalos“, erklärt der Journalist. Sein Zuhörer: Bernd Lange, Europaabgeordneter der SPD, der sich die Räumlichkeiten im Stift-Nebengebäude anschauen und informieren lassen möchte.

Im Kern, sagt Boecker, umfasse „Strull & Schluke“ 20 bis 30 Mitmacher. Angeboten würden Veranstaltungen und Schulungen. „Wir sind kein Verein“, sondern ein Zusammenschluss, zu dem die jeweiligen Macher mit einem konkreten Projekt kommen, um dafür das Netzwerk zu nutzen.“ Demnächst, sagt Boecker, müsse er wohl einen Verein gründen, die Nachfrage gebe das her. Lange ist durchaus beeindruckt: Junge Menschen, die komplexe Sachverhalte hoch konzentriert angehen, „alle Achtung“.

Es handele sich um Menschen, führt Boecker aus, die „eher politikfern“ aufgestellt seien, im Normalfall seien es Zwei- oder Drei-Mann-Firmen, irgendwo auf dem Dorf, und genau dort wollten sie auch bleiben. Fast niemand spiele mit dem Gedanken, demnächst nach Kreuzberg zu ziehen: Weil die Mitmacher, erstens, hier verwurzelt seien, sagt Boecker. Und zweitens: Mehr als das Internet würden sie für ihre Arbeit nicht benötigen. Kaum jemand erhalte Fördergelder, alles, was sie brauchen würden, das sei ein schnelles Internet. Benötigt würden nicht einmal Büroräume, schiebt er nach, „der Hang zur Vereinzelung“ sei „mehrheitlich“ deutlich spürbar. Ziel sei es, in Obernkirchen ein „digitales Zentrum“ aufzubauen, wovon auf lange Sicht auch die Stadt profitieren könne. Keine schlechte Idee, meint Lange: „Das Historische mit etwas Neuem zu verbinden.“ Allzu hohe Erwartungen dämpft Boecker: Wenn elf „Digitalos“ zusammensitzen würden, dann werde nicht einer von ihnen das nächste Facebook erfinden und Obernkirchen auf die Weltkarte setzen.

Er versuche, so Boecker, ein bisschen zu vermitteln: Viele digitale Macher würden Politiker nicht ernst nehmen, weil diese nicht wüssten, was ein Uploadfilter sei, während sie selbst die Schlauen seien. „Politik ist lange nicht so schlecht“, betont Boecker, aber sie verkaufe sich schlecht. Er kann das beurteilen: Der Obernkirchener war in Mecklenburg-Vorpommern Pressesprecher von Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) und hat in der Pressestelle des Ministerpräsidenten Erwin Sellering (SPD) gearbeitet. Man könne die gewohnte Politik heute aushebeln, meint Boecker und verweist auf Stadthagen und die dortige Wahl von Oliver Theiß zum Bürgermeister: Politik könne man mittlerweile über Social-Media-Kanäle vermitteln. Das sah Lange ähnlich: „Das ist die Realität.“ Die „Digitalos“, erklärt Boecker, „wollen sich weiterentwickeln an einem Ort wie diesem, aber sie wollen sich nicht binden“. „Strull & Schluke“ bietet Machern alle Möglichkeiten: Büroräume, Festsaal im Stift, Tagungsstätte, alles nutzbar. Die Probleme bei den digitalen Selbstständigen zeigten sich später, so Lange: „Bei fast allen ist Altersarmut vorprogrammiert, wir versuchen, hier gegenzusteuern.“

Eckhard Ilsemann, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, bescheinigt dem Landkreis eine „gute sozio-kulturelle Entwicklung“ und verwies auf die aufgelegten Projektförderungen, aber „es ist gar nicht so einfach, das Geld und die Leute zusammenzubringen“.




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