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„Griffigkeit muss stimmen“ – Wie Mensch und Maschinen eine Straße bauen

Schwarz, klebrig und 166 Grad heiß

OBERNKIRCHEN. Beim Neubau der Landesstraße 442 zwischen Obernkirchen und Buchholz geht es in die heiße Phase. Die Luft flimmert über der Straße, als die Fahrbahn asphaltiert wird. Lastzüge bringen im Pendelverkehr 166 Grad Celsius heißen Asphalt nach Krainhagen.

veröffentlicht am 07.11.2018 um 15:20 Uhr
aktualisiert am 07.11.2018 um 19:20 Uhr

Akkordarbeit auf der L 442: Lastwagen bringen heißen Asphalt und kippen ihn in den Beschicker. Über Förderbänder gelangt die klebrige Masse zum Fertiger. Foto: leo
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Leonhard Behmann Volontär zur Autorenseite
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OBERNKIRCHEN. Beim Neubau der Landesstraße 442 zwischen Obernkirchen und Buchholz geht es in die heiße Phase – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Luft flimmert über der Straße, als die Fahrbahn asphaltiert wird. Lastzüge bringen im Pendelverkehr 166 Grad Celsius heißen Asphalt nach Krainhagen. Damit die dampfende schwarze klebrige Masse auf dem mehr als 20 Kilometer langen Weg vom Asphaltwerk in Veltheim nach Obernkirchen nicht abkühlt, muss sie in speziellen Thermo-Mulden transportiert werden. „Die Spezialfahrzeuge haben extra eine Mulde mit Heizspiralen“, erklärt Karl-Heinz Klages, Leiter der Straßenmeisterei in Rinteln.

58 Muldenkipper bringen nach und nach insgesamt 1480 Tonnen Asphalt nach Obernkirchen. Allein 850 Tonnen – rund 35 Lkw-Ladungen – werden für den obersten Straßenbelag, die Deckschicht, benötigt. Wenn die Lastwagen in Obernkirchen ankommen, muss die Masse heiß sein, sonst lässt sie sich nicht mehr formen. Die Fahrer der Lkw rangieren rückwärts an einen sogenannten Beschicker heran und kippen ihre Ladung in einen Trichter. Das Kettenfahrzeug transportiert den Asphalt über ein Förderband zu einem Fertiger. Der Beschicker fungiert als Speicher. Er sorgt dafür, dass zu jeder Zeit Asphalt vorhanden ist, der verbaut werden kann. Ohne ihn würde der Fertiger immer wieder ins Stocken geraten, weil der Nachschub fehlt. Die Lastwagen würden schließlich eine Zeit lang brauchen, bis sie rückwärts an das Spezialfahrzeug herangefahren sind, erklärt ein Bauarbeiter. „Der Fertiger trägt anschließend den Asphalt auf und verdichtet ihn gleichzeitig“, sagt Klages. Muss die Maschine anhalten, kommt es zu einem Absatz im Belag. „Später könnten sich hier Risse bilden“, erzählt Klages. Immer wieder messen Arbeiter mit einem Zollstock die Höhe der Asphaltschicht. Die Deckschicht soll drei Zentimeter hoch werden. Am Rand müssen die Männer selbst Hand anlegen. Überschüssiges Material wird mit einer Schaufel abgetragen.

Zwei Walzen glätten den frischen Straßenbelag hinter dem Fertiger. Wenn die tonnenschweren Fahrzeuge über den heißen Asphalt fahren, dampft es. Zusätzlich wird Splitt aufgetragen und eingewalzt. „Er gibt der Straße zu Beginn die nötige Griffigkeit“, sagt Klages.

Bauwart Peter Blana misst mit dem Thermometer die Temperatur des Asphalts. Ist sie zu niedrig, schlägt er Alarm. Foto: leo
  • Bauwart Peter Blana misst mit dem Thermometer die Temperatur des Asphalts. Ist sie zu niedrig, schlägt er Alarm. Foto: leo
Es dampft und die Luft flimmert über dem Asphalt, als die zwei Walzen den frischen Belag glätten. Foto. leo
  • Es dampft und die Luft flimmert über dem Asphalt, als die zwei Walzen den frischen Belag glätten. Foto. leo

Mitarbeiter der Straßenmeisterei Rinteln überwachen die Bauarbeiten. Wenn in Obernkirchen asphaltiert wird, ist Bauwart Peter Blana immer dabei. Er lässt die Arbeiter nicht aus den Augen, schaut, ob alles genauso gemacht wird, wie es im Vertrag steht. Blana nimmt ein Thermometer und hält es in die heiße Asphaltmasse. Er prüft, ob der Asphalt die richtige Temperatur hat. „166 Grad Celsius“, sagt er. „Das ist okay.“ Im Auftrag der Straßenmeisterei werden zudem Proben entnommen. Ist die Straße fertig, folgen Bohrkernuntersuchungen. „Dabei wird in den Straßenbelag gebohrt, um eine weitere Probe nehmen zu können. Die Stichproben werden versiegelt zur Technischen Universität in Braunschweig geschickt“, berichtet Klages. Im Labor werden die Proben untersucht. Unter anderem wird überprüft, ob die Zusammensetzung des Asphaltes den Richtlinien entspricht. „Ist das nicht der Fall, bekommt die Baufirma weniger Geld“, sagt Klages. Im schlimmsten Fall muss die Straße wieder abgefräst und erneut asphaltiert werden. Die Straße wird auch auf ihre Ebenheit überprüft. Dafür kommt ein spezielles Messfahrzeug. Erst wenn alle Tests abgeschlossen sind, folgt die Abnahme der Straße.

Bisher ist der Leiter der Straßenmeisterei Rinteln zufrieden. „Alles läuft nach Plan – und das Wetter spielt auch mit“, sagt Klages. Wenn es so bleibt, könne die Landesstraße bereits am Wochenende wieder für den Verkehr freigegeben werden. „Dann sind wir eine Woche schneller fertig, als wir dachten“, freut sich Klages.




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