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Was soll auf die Hinweistafeln?

Schwieriger Sohn der Stadt: Vortrag über Admiral Scheer

OBERNKIRCHEN. Zu einem Vortrag lädt Gerhard Radtke für den kommenden Freitag, 16. November, ab 19.30 Uhr, in den Stiftssaal. Sein Thema: „Reinhard Scheer, Admiral – Ein fragwürdiger Held des Ersten Weltkriegs“. Der Eintritt ist frei.

veröffentlicht am 13.11.2018 um 14:06 Uhr

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Autor

Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite

Radtke ist Geschichtslehrer i. R. und Museums-Mitarbeiter und hatte zusammen mit andern Mitbürgern eine Anregung von Hermann Fricke aus Hannoversch Münden aufgenommen und die Umbenennung der Admiral-Scheer-Straße in der Bergstadt angeregt; ein Ansinnen, das die Politik mehrheitlich zurückwies. Der Kompromiss. An den beiden Straßenenden und am Museum selbst, dem Geburtshaus von Scheer, sollen erklärende Hinweisschilder angebracht werden.

Die Skagerrak-Seeschlacht im Ersten Weltkrieg selbst ging unentschieden aus, doch das Deutsche Reich und Scheer selbst feierten sich als „Sieger vom Skagerrak“, Scheer gewann damit politisch an Einfluss und nutzte ihn, um für den uneingeschränkten U-Boot-Krieg zu werben. Doch Novemberrevolution 1918 und der erzwungene Sturz von Kaiser Wilhelm II. kamen schließlich unmittelbar einer von Scheer noch geplanten aussichtslosen zweiten Seeschlacht gegen England zuvor.

Radtke sieht es so: Die sogenannte „Skagerrakschlacht“ im Mai 1916 sei kein Grund, die gewidmete Straße wieder umzubenennen, das nicht. Aber, und dieses „Aber“ wiegt sehr schwer für den Scheer-Kritiker Radtke, durch den uneingeschränkten U-Boot-Krieg seien Tausende Menschen ums Leben gekommen – und diesen U-Boot-Krieg habe Scheer zu verantworten.

Gemessen an heutigen Maßstäben, sei Reinhold Scheer „ein Kriegsverbrechen“ gewesen. Dass diesem U-Boot-Krieg 30 000 Menschen zum Opfer gefallen sein, sagt Radtke, „das sollte auf einer Hinweistafel schon draufstehen.“

In acht deutschen Städten sind noch Straßen nach Scheer benannt, sagt Radtke, zumindest in Münster und Essen werde heftig über eine Umbenennung diskutiert; obwohl Scheer schon verstorben gewesen sei, hätten ihn die Nazis vereinnahmt, „er passte wunderbar in ihr Konzept“, sagt Radtke. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe es eine „erstaunliche Reduktion“ der nach Scheer benannten Straßen und Plätze gegeben, erläutert Radtke.

Zur Sprache kommen im einstündigen Vortag auch Stationen des Scheer-Lebens nach dem Ersten Weltkrieg, Kiel, Hanau, Wilhelmshaven, daraus werde er ableiten, wie er sich Hinweistafeln für Obernkirchen vorstellen, meint Radtke: Am Schluss seines Vortrages werde er diese Vorschläge vorstellen. Danach könne diskutiert werden.




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