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Wegen Corona-Einschnitten kein Badespaß

Sonnenbrinkbad öffnet nicht!

OBERNKIRCHEN. Nun steht es fest: Das Sonnenbrinkbad wird nach einer einstimmigen Entscheidung des Fördervereins Sonnenbrinkbad Obernkirchen (FSO) e. V. in der Coronakrise in der Schwimm- und Badesaison 2020 für die breite Öffentlichkeit geschlossen bleiben. Das berichtet Oliver Schäfer, 1. Vorsitzender des FSO, auf Anfrage der Redaktion. Die Nichtöffnung habe mehrere Gründe: Zum einen sei das Ansteckungsrisiko im Bad zu groß, zum anderen sei ein Schwimm- und Badespaß unter den Corona-Einschränkungen nicht möglich. Last, but not least befürchtet der Vorstand bei einem dennoch aufgenommenen Badebetrieb ein Zusatzdefizit von mehr als 100 000 Euro.

veröffentlicht am 29.05.2020 um 11:57 Uhr
aktualisiert am 29.05.2020 um 18:40 Uhr

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„Nach einer eingehenden Befassung mit den Anforderungen der Rechtsverordnung des Landes Niedersachsen gegen die Ausbreitung der Covid-19-Pandemie vom 22. Mai und den Empfehlungen des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes vom 14. Mai hat der Vorstand des Fördervereins Sonnenbrinkbad Obernkirchen e. V. die personellen, organisatorischen und wirtschaftlichen Auswirkungen für einen Badebetrieb erarbeitet“, heißt es in einer von Schäfer und der 2. Vorsitzenden des FSO, Sabine Schmeding, verfassten Erklärung.

Bereits seit dem 17. März sei in der damaligen Allgemeinverfügung des Landkreises der Betrieb von Freibädern untersagt worden. Daneben hätten die „anfangs sehr strikten Regelungen“ zu Personenkontakten den Einsatz von Ehrenamtlichen neben den angestellten Mitarbeitern nicht zugelassen – sodass das Bad nur verspätet und eingeschränkt auf die Saison habe vorbereitet werden können, so die FSO-Vorstände.

Mit der Veröffentlichung des 5-Stufen-Plans für das Land Niedersachsen sei dann der Schwerpunkt der Arbeiten auf die Säuberung des Beckens und dessen Wiederauffüllung gelegt worden. „Das Becken“, so Schäfer und Schmeding, „wird ab dieser Woche wieder befüllt“.

Die mit dem Betrieb eines Bades endgültig verbundenen Restriktionen seien erst am 22. Mai offiziell geworden. Diese Restriktionen hätten dazu, „dass ein gewöhnlicher Badebetrieb nicht möglich ist“. Denn: Neben einer Leinenauslegung im Schwimmerbecken, wären zeitliche Beschränkungen beim Eintritt sowie bei der Nutzung des Schwimmbeckens entstanden. Springen vom Ein- und Drei-Meter-Brett- hätte ebenso wie das Springen von den Startblöcken und vom Beckenrand nicht stattfinden dürfen.

Der Vorstand kritisiert in seiner Erklärung die gegenüber anderen Sportstätten gestattete Nutzung von Innenduschen und Umkleideräumen sowie den gegenüber anderen Sportarten verringerten Abstand beim Baden. „Dieses“, so Schäfer und Schmeding, „führt neben der Kontrolle von Abstandsregelungen im Wasser (Badeaufsicht), zusätzlichen Kontrollen im Außenbereich (Liegewiesen und Bänke) sowie beim Ein- und Auslass von Personen zu weiteren Kontrollen im Gebäudebereich und damit zu deutlich erhöhten Reinigungs- und Desinfektionskosten.“

Der Vorstand sei sich einig, dass diese „umfassenden und stark in das Badevergnügen eingreifenden Kontrolltätigkeiten bei Verstößen auch zu heiklen Situationen führen können“. Die Bewältigung dieser Situationen gehe über das hinaus, was Ehrenamtlichen zuzumuten sei. Soll heißen: Ein Sicherheitsdienst hätte engagiert werden müssen.

„Zudem besteht keine Möglichkeit, Gäste vorab verbindlich zu verpflichten, das Bad nur zu betreten, sofern sie keine Krankheitssymptome haben“, betonen die Vorstände. Auch bestehe im Bad im Gegensatz zu vielen Bereichen des täglichen Lebens keine Pflicht zur Aufnahme der Kontaktdaten – obwohl sich im Bad mehr Menschen versammeln könnten als bei manchem Straßen- oder Dorffest. „Der Vorstand“, betonen Schäfer und Schmeding, „ist nicht bereit, in dieses Risiko einzutreten.“

Aufgrund der zusätzlichen personellen und organisatorischen Anforderungen erscheine es unwahrscheinlich, dass sich eine Wiedereröffnung wirtschaftlich rechnen würde. Kommt hinzu: Für den Förderverein Sonnenbrinkbad Obernkirchen e. V. stellten der Saisonkarten- respektive Punktekartenverkauf die Haupteinnahmequellen dar, heißt es in der Erklärung weiter. Der Zeitraum dafür seien in der Regel die Monate April, Mai und Juni. „Dieses ist in diesem Jahr nicht gegeben“, schreiben Schäfer und Schmeding. Das Interesse an solchen Karten werde vermutlich auch geringer ausfallen, da der tägliche Zugang aufgrund der Beschränkung der Personenzahl im Bad nicht sicher gegeben sei; bei Einzelbesuchen sei die Spontanentscheidung ebenfalls nicht mehr gegeben.

Aufgrund all dessen habe der Vorstand des FSO eine wirtschaftliche Hochrechnung für eine Saison mit einem Badebetrieb bis Mitte September 2020 vorgenommen – und dabei die Zahlen der Besuche des Jahres 2019 als Grundlage benutzt. „Nach einer vorsichtigen ersten Kalkulation würde ein Badebetrieb zu einem zusätzlichen Defizit von mehr als 100 000 Euro führen“, fürchten Schäfer und Schmeding.

Als Ergebnis sei festzuhalten, dass zu den überwiegend rückläufigen Einnahmen weitere Zusatzkosten im Bereich Personal sowie Reinigung und Hygiene entstehen würden, die den Förderverein in diesem Jahr personell und wirtschaftlich überforderten.

Der Vorstand habe das Ergebnis seiner Überlegungen zunächst der Verwaltung und dem Verwaltungsausschuss der Stadt mitgeteilt. Schäfer gegenüber der Redaktion: „Alle Fraktionen können die Gründe des Vereins nachvollziehen und unterstützen dessen Entscheidung, das Bad in diesem Jahr für den öffentlichen Betrieb nicht zu öffnen.“

Den schwimmsporttreibenden Vereinen in Obernkirchen habe der Förderverein derweil ein Angebot dargelegt, sodass ihnen ein eigenverantwortlicher Trainingsbetrieb unter Einhaltung von Rechtsvorschriften und einem Hygienekonzept entsprechend den Vorgaben des Niedersächsischen Schwimmsportverbandes möglich werde. Damit werde den Vereinen vergleichbar mit anderen Vereinen eine Sportstätte geboten.

„Die Entscheidung über die Nichtöffnung ist dem Vorstand nicht leicht gefallen“, betonen Schäfer und Schmeding abschließend. Sie hofften aber auf das Verständnis und die Treue der Badegäste und des Fördervereins. Alle Anstrengungen würden von nun an auf die Badesaison 2021 konzentriert.