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Laut Verwaltung massive Vorfälle beim Kirchplatz-Durchgang / Beirat: Zuerst Schilder ausprobieren

Sperren gegen die Radler?

OBERNKIRCHEN. Laut Verwaltung hat es Beschwerden über massive Vorfälle beim Kirchplatz-Durchgang gegeben. Radfahrer gefährdeten dort immer wieder Fußgänger, weil sie nicht absteigen. Statt Sperren möchte der Beirat zuerst Schilder ausprobieren.

veröffentlicht am 20.12.2018 um 17:00 Uhr

Platz für den Winterdienst muss auch noch bleiben: Bauhofleiter Karl Harting verdeutlicht, wo die Sperren im Durchgang von der Bergamtstraße zum Kirchplatz ihre Grenzen finden werden. Foto: rnk
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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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OBERNKIRCHEN. Theoretisch wäre der Außentermin des Beirates für Senioren und Behinderte überflüssig, denn das Verkehrszeichen 239 ist deutlich: ein blaues, rundes Schild mit Fußgängern als Symbol. Abgebildet ist ein Erwachsener, der mit einem Kind an der Hand läuft. Es bezeichnet einen Sonderweg für Fußgänger, hier darf man nur gehen.

Es heißt auch: Radfahren ist hier nicht erlaubt. Theoretisch. Praktisch hat es eine ganze Menge Beschwerden gegeben, erklärt Kerstin Farr von der Verwaltung, teilweise seien sie sogar massiver Natur gewesen, weil hier Radfahrer immer wieder Fußgänger gefährdet hätten, sagt die Leiterin für den Fachbereich I Bürger.

Hier, das ist der Durchgang von der Bergamtstraße zum Kirchplatz, und umgekehrt. Auf diesem Durchgangsweg, der nur für Fußgänger erlaubt ist, hat gefühlt noch nie ein Radfahrer angehalten und seinen Drahtesel von einem Ende zum anderen geschoben. Das kommt einfach nicht vor, hier wird durchgefahren, immer und zu jeder Zeit. Eine Ursache dürfte sein, dass niemand das Schild des Fußgängers mit dem Kind an der Hand mit einem Fahrrad in Verbindung bringt, das hier zu schieben ist.

Einfach abtun möchte die Verwaltung die Beschwerden nicht, aber wie könnte sie aussehen, die Abhilfe? Der Weg wird nicht nur von Rollstuhlfahrern der Seniorenheime viel genutzt, auch Menschen mit Rollatoren sind auf diese fußläufige Verbindung zur Stadt angewiesen.

In der Praxis zeigen sich die Probleme sehr schnell. Bauamtschef Karl Harting hat drei Sperren mitgebracht, etwa 120 Zentimeter hoch, die sofort Fragen aufwerfen. Wie stellt man sie auf? Nacheinander? Oder zwei nebeneinander und die dritte Sperre dahinter? Oder reichen zwei?

Einerseits soll der bremsende Charakter der Sperren Radler zum Absteigen zwingen, aber es muss auch genug Platz für Rollstuhlfahrer bleiben. Was wiederum für Radler so viel Platz lässt, dass die beabsichtigte Wirkung nahezu verpufft, denn der Fahrradfahrer würde die Bremsen eher als sportliche Herausforderung betrachten, die locker zu umfahren ist.

Bauhofleiter Harting ließ zudem keinen Zweifel daran aufkommen, dass der Weg im Winterdienst mit dem Traktor befahren werden muss, „die Handschaufel ist schon lange nicht mehr bezahlbar“. Außerdem ist es im Winterdienst die Verbindung, um vom Kirchplatz zur Bergamtstraße zu kommen, sonst müsste man einen doch längeren Umweg fahren.

Eine Behinderung durch Barrieren könne nicht im Sinne der Stadt sein, befand Erhard Herrmann als Vorsitzender des Beirates später in der Beratung. Auch Walter Ostermeier sprach sich gegen die Sperren aus. Nicht zuletzt, weil die gesamte Optik verschandelt werde.

Herrmann sah es so: Man solle nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Die Verwaltung soll nun bei der Polizei nachfragen, ob und wenn ja, wie viele dort registrierte Vorfälle es gegeben hat. Außerdem soll, gleichsam als erster Versuch, ein Schild an beiden Seiten des Durchgangs angebracht werden. Anbieten würde sich das amtliche Zusatzzeichen 1012-32 „Radfahrer absteigen“. Da ein Zusatzzeichen nur eine wirksame Bedeutung hat, wenn es mit einem Verkehrszeichen kombiniert wird, dessen Bedeutung es verdeutlicht oder ergänzt, ist das Schild allein verkehrsrechtlich vollkommen wirkungslos. Dieses notwendige Schild ist an beiden Durchgangsseiten aber schon vorhanden, nämlich VZ 239. Bei Missachtung würden Radfahrern dann fünf bis 35 Euro Bußgeld drohen.

Ein zusätzliches Schild „Radfahrer absteigen“ wäre ein klassischer Fall von doppelt gemoppelt, denn das Befahren von mit Verkehrszeichen 239 gekennzeichneten Gehwegen ist ja bereits verboten. Nur weiß es nahezu niemand, wie die alltägliche Praxis nicht nur in Obernkirchen am Kirchplatz zeigt.




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