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„Dr. Pipe“ bringt Hochleistungsgerät in Stellung / Poröse Schächte werden nach Unfällen erneuert

Stinkende Brühe wird umgepumpt

VEHLEN. Dicke Saugschläuche liegen im Gras, auf einem Feld neben der Maschstraße in Vehlen brummt eine Hochleistungspumpe. Sie läuft auf Hochtouren. Pro Minute fördert die Lenzpumpe 2250 Liter Abwasser. Vorarbeiter Tobias Walter schaut, ob alles rund läuft. Walter und seine Kollegen von der Firma „Dr. Pipe“ müssen das Abwasser der Orte Vehlen, Krainhagen, Röhrkasten, Buchholz, Heeßen, Luhden, Ahnsen und Bad Eilsen aus dem Rohr in eine andere Abwasserleitung umpumpen.

veröffentlicht am 15.11.2018 um 17:14 Uhr

Läuft auf Hochtouren: Die Spezialpumpe fördert pro Minute 2250 Liter Abwasser. Tobias Walter koordiniert das Umpumpen. Foto: leo
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Leonhard Behmann Volontär zur Autorenseite
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Die 400er-Hauptleitung, die die acht Orte entwässert, soll so trockengelegt werden. „Das ist nötig, weil die etwa 55 Jahre alten Schächte des Kanals porös geworden sind“, erklärt Heinz Wischnat, Geschäftsführer des Abwasserverbandes Auetal. Um die Schächte reparieren zu können, darf kein Schmutzwasser durch den Kanal fließen.

Die Spezialisten der Dortmunder Baufirma „Dr. Pipe“ haben vor der Baustelle eine sogenannte Blase gesetzt. Das heißt, dass im Rohr ein mit Pressluft gefülltes Dichtkissen platziert wurde. Vor dem Kunststoffsack staut sich das Abwasser. Mit der Hochleistungspumpe wird es aus dem Kanal gesaugt und über große Schläuche zu dem Schacht einer anderen Leitung gefördert. Mit großem Druck schießt die braune Brühe in das Rohr, an das normalerweise nur die Kernstadt von Obernkirchen angeschlossen ist. Der Teil des Kanals hinter dem Dichtkissen ist dann trockengelegt. „Nur so können wir den Kanal von innen abdichten“, erklärt Walter. Dafür klettert einer seiner Kollegen in den Schacht. Innen verputzt er das Mauerwerk mit einem Spezialmörtel. Der wasserdichte Zement verschließt Risse und verhindert, dass Schmutzwasser aus dem Kanal drückt. „Wenn es nach tagelangen Regenfällen zu einem Rückstau im Rohr kommt, kann es passieren, dass Dreckwasser durch die Risse nach außen läuft“, erklärt Wischnat.

13 Schächte müssen saniert werden. Von außen wurden sie bereits mit dem Spezialmörtel verputzt. „Wir haben außerdem eine Schicht Bitumen aufgetragen. Das dichtet zusätzlich ab“, sagt Walter. Insgesamt 70 000 Euro lässt sich der Abwasserverband Auetal die Sanierung der Schächte kosten. Ein Teil des Rohres muss ebenfalls saniert werden. „Wir werden an dieser Stelle ein Spezialfließ einschieben. Es dichtet den Riss ab und ist praktisch ein Rohr im Rohr“, sagt Walter.

Ein Arbeiter steigt in den Schacht hinab, um diesen von innen mit einem Spezialmörtel abzudichten. Foto: leo
  • Ein Arbeiter steigt in den Schacht hinab, um diesen von innen mit einem Spezialmörtel abzudichten. Foto: leo

„Die Risse sind mit der Zeit durch Unfälle entstanden“, erklärt Wischnat. Die Schächte liegen im Entwässerungsgraben neben der Maschstraße. „Wenn das Gras hochgewachsen ist, übersehen die Fahrer von Mähfahrzeugen oftmals die Schachtdeckel. Wenn die Fahrzeuge mit ihrem Mähwerk gegen die Abdeckungen stoßen, würden sie dadurch beschädigt. Der Abwasserverband will solche Unfälle und Schäden in Zukunft verhindern. Aus diesem Grund hat der Abwasserverband Spezialdeckel verbauen lassen. Sie sind aus Massivbeton und tonnenschwer. „Sie werden Unfällen mit Mähern standhalten“, ist Wischnat überzeugt. Zusätzlich sollen Poller die Mähmaschinen fernhalten.

Die Maschstraße ist seit Beginn der Arbeiten voll gesperrt. „Wenn alles gut läuft, könnte die Straße nächste Woche wieder freigegeben werden“, sagt Walter. Dafür muss aber das Wetter mitspielen. Bei Starkregen können die Abwasser-Experten nicht arbeiten. „Dann fließt nämlich dermaßen viel Regenwasser in die Kanalisation, dass ein Rohr allein mit der Menge an Schmutzwasser überfordert wäre – die Folge wäre ein Rückstau“, sagt Walter. Aus diesem Grund muss dann der Kanal, der saniert wird, sofort geflutet werden – die Arbeiten müssten unterbrochen werden.




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