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Was man dagegen tun kann

Todesfalle Friedhof: In Vasen oder Becken ertrinken Tiere

OBERNKIRCHEN. Wenn Vögel oder Eichhörnchen Wasser suchen, werden sie häufig fündig in den Vasen und Becken auf Friedhöfen. Das kritisiert der Obernkirchener Friedhofsgärtner Volker Rethmeier. Das kann man dagegen tun:

veröffentlicht am 21.05.2019 um 00:00 Uhr

In LED-Lichtern stecken Batterien, die oft nicht getrennt entsorgt, sondern in den Pflanzenabfall geworfen werden. Foto: rnk
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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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OBERNKIRCHEN. Volker Rethmeier hält eine Vase in der Hand, darin befindet sich eine junge Amsel. Sie ist vom Rand abgerutscht, als sie aus ihr trinken wollte, sie konnte sich nicht mehr befreien und ist ertrunken.

Es ist nicht der einzige Vorfall der vergangenen Wochen und Monate. Immer wieder hat der Obernkirchener Friedhofsgärtner tote Vögel aus den Vasen holen müssen. Vor allem nach dem heißen Sommer 2018: „Die Tiere sehen das Wasser in den Vasen, wollen trinken, rutschen ab und sterben qualvoll.“ Abhilfe, sagt Rethmeier, könne schnell geschaffen werden: Die Vasen nicht aufrecht hinstellen, sondern quer hinlegen. „Es ist ja keine böse Absicht“, sagt er, „die Leute wissen es nur nicht.“ Und: Die Untersetzer sollten nicht deutlich größer sein als darauf stehende Vasen, denn dann könnten die Vögel nicht das durch Dünger verunreinigte Wasser trinken, das sich dort sammelt. Sein Tipp: Für wenige Euro eine kleine Vogeltränke kaufen.

Zwei andere Probleme treiben Rethmeier um: Auf dem Friedhof ertrinken immer wieder Eichhörnchen und andere Kleinsäuger in den Becken für das Gießwasser. Der Grund: Die durstigen Tiere gelangen zwar in die Becken, aber nicht mehr heraus – an den glatten Wänden rutschen sie ab und können nicht zum Rand emporklettern – ein entsetzlicher Todeskampf, wenn nicht gerade ein Besucher helfend eingreifen kann. Wenn Muttertiere, deren Junge im Nest auf sie warten, ertrinken, stirbt der ganze Wurf mit ihr. Rethmeier will jetzt Gitter abdecken lassen, die hochgeklappt werden müssen, bevor der Friedhofsbesucher Wasser aus dem Brunnen schöpfen kann. Auf rund ein Dutzend Tiere schätzt Rethmeier seinen Eichhörnchen-Bestand.

Das Brunnen-Problem zieht sich über alle deutschen Friedhöfe. Oft werden Äste in die Brunnen gestellt, damit die Tiere herauskrabbeln können, doch das Holz wird häufig von Besuchern wieder aus dem Brunnen entfernt, weil sie den Sinn nicht erkennen.

Als gravierendstes Problem stuft Rethmeier seit einiger Zeit den Umgang mit Batterien ein, genauer gesagt: den falschen Umgang mit ihnen. Sie befinden sich in den LED-Lichtern, und wenn die Lichter entsorgt werden, dann müssten die Batterien entnommen und getrennt entsorgt werden. „Die Realität sieht anders aus“, erklärt Rethmeier: Entweder werden die Batterien gar nicht herausgenommen oder sie werden einfach zum Pflanzenabfall dazu geworfen. Dieser Abfall kommt anschließend auf den Bauhof, wird geschreddert und kompostiert, inklusive der Batterien, die so auf die Felder und damit auch wieder in die Nahrungskette kommen. Wer in der Schule nur Singen und Klatschen gelernt habe, sagt Rethmeier mit einem Augenzwinkern, aber sehr ernst im Inhalt, der könne gerne mal bei ihm auf dem Friedhof vorbeikommen.

Für den Friedhofsgärtner ist das Areal auch ein Biotop: Auf rund 200 Quadratmetern hat er eine Blumenwiese angelegt, auf weiteren 2500 Quadratmetern wird nur noch zweimal pro Jahr gemäht, hilfreiche Blumen bleiben stehen.




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