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Rätsel um totes Reh – biss Hund, Fuchs oder Wolf zu?

Trächtige Ricke gerissen

OBERNKRICHEN. Für Jäger Frank Linke ist es ein trauriger Anblick – im Stiftswald, unweit des Kammweges, hat ein bislang unbekanntes Tier ein Reh gerissen. Die Ricke trug zwei Kitze im Bauch. Ein Spaziergänger habe den Kadaver am Sonntag gefunden und die Polizei informiert, erzählt Linke.

veröffentlicht am 25.02.2019 um 18:14 Uhr
aktualisiert am 25.02.2019 um 19:20 Uhr

Der Hund eines Jägers hat die tote Ricke im Stiftswald aufgespürt, nachdem ein Spaziergänger sie gefunden hatte. Foto: pr
Leonhard Behmann

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OBERNKRICHEN. Für Jäger Frank Linke ist es ein trauriger Anblick– im Stiftswald, unweit des Kammweges, hat ein bislang unbekanntes Tier ein Reh gerissen. Die Ricke trug zwei Kitze im Bauch. Ein Spaziergänger habe den Kadaver am Sonntag gefunden und die Polizei informiert, erzählt Linke. „Ein Jäger, der bei mir im Revier jagen darf, hat sich dann sofort auf die Suche nach dem Tier begeben“, sagt Linke, der Jagdpächter des Stiftswaldes ist. Der Jagdhund habe das tote Reh schließlich im Fichtenwald aufgespürt. Wer das Reh gerissen hat, ist unklar. „Möglicherweise war es ein Hund, der die Ricke gewildert hat“, sagt Linke. Wenn, dann wäre das „unschön“, sagt der Jäger.

„Ich habe ja nichts dagegen, wenn man außerhalb des Leinenzwangs im Wald seinen Hund frei laufen lässt – aber dann sollte der Hund auch gehorchen“, stellt Linke klar. Für Hundehalter, die ihr Tier stundenlang unbeaufsichtigt im Wald umherlaufen lassen, hat er kein Verständnis. Das sei unverantwortlich. Wildernde Hunde seien zum Glück relativ selten. „Das kommt höchsten zwei- bis dreimal im Jahr vor“, erzählt Linke.

„Generell gilt vom 1. April bis zum 15. Juli Leinenpflicht. In dieser Zeit müssen Hunde außerhalb von Wohngebieten an der Leine geführt werden“, klärt Andreas Grote, Sachbearbeiter im Ordnungsamt der Stadt Obernkirchen, auf.

Ob aber wirklich ein Hund das Reh gewildert hat, ist unklar. Es könnte genauso gut ein Raubtier gewesen sein. Fuchs, Luchs, aber auch ein Wolf kämen infrage. „Dass es ein Wolf war, glaube ich aber eher nicht – genau kann ich es allerdings natürlich nicht sagen“, sagt Linke. Möglich sei auch, dass ein Fuchs das Reh im Stiftswald getötet hat. Die tote Ricke weist Verletzungen am Hals und am Hinterteil auf. „Am Hals scheint das unbekannte Tier zugebissen und dann am Hinterteil gefressen zu haben“, mutmaßt Linke.

Der Fachtierarzt für Wildtiere, Dr. Florian Brandes, der gleichzeitig auch Wolfsberater im Landkreis Schaumburg ist, will nicht ausschließen, dass ein Wolf das Reh angegriffen hat. Bisse in den sogenannten Träger, also den Hals des Tieres, seinen typisch für Füchse und Wölfe. „Wölfe beißen dabei jedoch sehr gezielt in die Kehle ihrer Beute, um das Tier schnell zu töten“, so Brandes.

Für Hunde sei eher ein Angriff von hinten typisch. Allerdings: „Auch ein Hund kann in den Hals beißen“, sagt Brandes. Gerade in einem stadtnahen Wald wie dem Stiftswald kämen wildernde Hunde öfter vor als in großen abgelegenen Wäldern.

Einen Wolfsriss will der Wolfberater aber auch deswegen nicht gänzlich ausschließen, weil „es in der Vergangenheit vorgekommen ist, dass Wölfe den Bückeberg durchquert haben“. Theoretisch sei es möglich, dass ein Wolf durch den Stiftswald gelaufen sei, meint Brandes. Ein Rudel würde sich in Obernkirchen nicht bilden – dafür seien sowohl der Stiftswald als auch der Wald auf dem Bückeberg zu klein.

Dass ein Luchs das Reh getötet hat, schließt Brandes hingegen aus. „Dafür ist das Waldgebiet zu klein“, sagt er. Gewissheit könne man nur durch eine DNA-Analyse bekommen. Der Biss allein sei kein Beweis. Im Fall der toten Ricke aus dem Stiftswald kann diese Untersuchung allerdings nicht mehr gemacht werden – der Kadaver wurde bereits entsorgt.




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