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Heirat ist eine Frage des Geldes

Tschechow-Abend zeigt die heitere Seite des Dramatikers

VEHLENMit einem großen Tschechow-Abend möchte die Kirchengemeinde am Sonntag, 5. September, zum einen die heitere Seite des großen russischen Genie-Dramatikers aufzeigen, zum anderen soll der Abend als Startschuss der Oase Elim nach Monaten der pandemiebedingten Einschränkungen in den Herbst und Winter gewertet werden.

veröffentlicht am 24.08.2021 um 10:21 Uhr

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Anton Tschechow, das ist „Der Kirschgarten“, „Onkel Wanja“, die „Drei Schwestern“ oder Die Möwe“ – weltbekannte Bühnenstücke, in denen die Figuren immer zweifeln, nie zufrieden sind, aber doch nichts ändern können. Sie leben, oder sie tun so, sie arbeiten, sie hegen Hoffnungen und begraben sie, sie verzweifeln.

Und dann gibt es noch den heiteren Tschechow, den Nikolaus Herdieckerhoff, Para Kiala und Christian Schäfer vom Berliner Monolog Theater in Vehlen präsentieren werden. Etwa im Einakter „Vom Schaden des Tabaks“, in den der Vortragende (übrigens ein Raucher) schnell vom Thema abkommt und auf sein Leben blickt, mit einer übellaunigen Gattin, die er Vogelscheuche, Schlange oder Satan schimpft, sieben Kinder, lauter Mädchen, alle unverheiratet, da der Geiz der Mutter alle Bewerber abschreckt, 37 Jahre stramme Ehe-Unterdrückung, geschimpft. Aber wahrscheinlich rührt aller Unbill von der Zahl 13 her.

In den „Vaterlosen“ finden sich Themen, Figuren und Motive, auf die der Autor immer wieder zurückkommen wird, allein gemein ist, dass ihnen das Lebens Leben zwischen den Fingern zerrinnt.

Einen Ausschnitt gibt es in Vehlen auch aus der „Möwe“, jenem Stück, das Tschechow so beschrieb: „Eine Komödie, drei Frauenrollen, sechs Männerrollen, vier Akte, eine Landschaft; viele Gespräche, wenig Handlung, ein Pud Liebe.“ Es geht um Boris Alexejewitsch Trigorin, er ist Schriftsteller. Charmant und erfolgreich, erliegen ihm die Frauen, während er die echten und künstlichen Leiden des Starruhms durchlebt. Je klarer er die Grenzen seines Talents und seines Wirkens erkennt, umso heftiger klammert er sich an sein Schreiben.

Viel komisches Potenzial bietet schließlich der Einakter „Ein Heiratsantrag“, sehr schlicht aufgebaut, aber übertrieben komisch, für Tschechow dienten Einakter gern als eine Art Ventil für seine humoristische Ader. Heirat, so lernen wir, ist eine Frage des Geldes – anstatt der echten Liebe.

Dazu gibt es russische, deutsche und kongolesische Lieder sowie Cellomusik, Beginn ist am 5. September, um 17 Uhr, gespielt wird draußen, rund um Oase und Kirche, sofern es das Wetter zulässt, ansonsten wird in die Kirche ausgewichen. Das Catering übernimmt das Team der Oase Elim, Brezel und Bockwurst, Wein und andere Getränke, der Theaterabend dauert 90 Minuten mit Pause. Die Karten kosten zwölf Euro, ermäßigt acht Euro, verkauft werden sie im Vorverkauf über die Oase Elim, montags, mittwochs, freitags von 15 bis 18 Uhr und am 22. August und 5. September auch nach den Gottesdienst.

Karlheinz Bruns sieht noch einen dritten Grund für diesen schönen Theater-Abend: Man unterstützte so die Künstler, die gerade in den letzten 18 Monaten aus den bekannten Grünen kein Geld in die Kasse hätten spielen können. Und: „Ein bisschen Heiterkeit kann in diesen Tagen ja nun wirklich nicht schaden.“ Wohl wahr. Tschechow selbst sah es so: Eine Krise könne jeder Idiot haben, aber was uns zu schaffen mache, das sei der Alltag.




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