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Wilde Müllkippen kosten Stadt Tausende Euro / Zuständigkeiten für Beseitigung unklar

Umweltsündern auf der Spur

OBERNKIRCHEN. Sie kommen im Schutz der Dunkelheit, legen Sperrmüll und prall gefüllte Säcke mit Hausmüll neben Altglas- und Altkleidercontainer. Sogar ein Wohnzimmertisch wurde schon am Bahnhof in Obernkirchen abgeladen.
Bürgermeister Oliver Schäfer ärgert das. „Nicht nur, dass der Müll dort nicht hingehört. Die Stadt kostet die Entsorgung Tausende im Jahr“, sagt Schäfer.

veröffentlicht am 28.02.2019 um 13:25 Uhr

Kein Einzelfall in Obernkirchen: Am Bahnhof haben Umweltsünder illegal Säcke mit Hausmüll und Sperrmüll neben die Altglascontainer gelegt – ein Ärgernis für Bürger und Stadtverwaltung. Foto: leo
Leonhard Behmann

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Letztendlich würde das zulasten des Steuerzahlers gehen, sagt Schäfer. Das Problem mit den wilden Müllkippen sei ein „ständiges Ärgernis“, sagt der Bürgermeister. Eine Lösung, wie man das Problem in den Griff bekommen kann, hat Schäfer nicht. Die Stadt würde vor einem Dilemma stehen. „Lassen wir den Müll liegen, kommt schnell etwas dazu. Räumen wir auf, dann legen kurz danach wieder Leute etwas ab“, sagt Schäfer. Eigentlich sei die Abfallwirtschaft Schaumburg (AWS) zuständig, den Müll wegzuräumen. Doch das Entsorgungsunternehmen komme nicht hinterher – und so bleibe der Müll doch liegen, sagt Schäfer.

Bei der AWS sieht man das anders. „Unsere Tochterfirma räumt regelmäßig an den Glascontainern auf“, sagt AWS-Sprecherin Susanne Rintelnen. „Allerdings nur, wenn dort Glasteile oder Kartons liegen geblieben sind“, fügt Rintelnen hinzu. Für illegal abgelegten Sperrmüll oder Säcke mit Hausmüll sei man nicht zuständig. „Das muss die Kommune selbst entsorgen.“ Dafür würden die Städte und Gemeinden Geld vom Landkreis erhalten.

Bei der Stadt Obernkirchen stößt das auf Verwunderung. Bisher sei der Bauhof nur in Ausnahmefällen ausgerückt, um den Abfall zu beseitigen. „Nämlich dann, wenn mal wieder viel zusammengekommen und nichts von der AWS abgeholt worden ist oder wenn umweltgefährdende Gegenstände abgeladen wurden“, sagt Schäfer. Der Verwaltungschef will die Zuständigkeiten jetzt klären lassen.

Probleme mit illegalem Müll hat auch Förster Mark Gützkow. Die Umweltsünder schrecken nicht davor zurück, ihren Abfall im Obernkirchener Wald zu entsorgen. „Natürlich ärgert mich das. Es ist aber auch ein erheblicher Mehraufwand, weil ich fast ständig Müll finde“, sagt Gützkow. Teilweise würde auch Bauschutt abgeladen. Gerade, wenn jemand Chemikalien oder Ölfässer im Wald entsorgt, könne es für die Umwelt besonders gefährlich werden. „Schließlich liegt der gesamte Wald im Wasserschutzgebiet“, sagt der Förster.

Ordnungsamt, Bauhof und die Abfallbehörde des Landkreises versuchen, den Umweltsündern auf die Spur zu kommen. „Die Bauhofmitarbeiter durchsuchen den Müll nach Adressen. Werden sie fündig, gibt das Ordnungsamt die Beweismittel an die Untere Abfallbehörde weiter“, erklärt Schäfer. Der Bürgermeister hält nichts davon, Mitarbeiter des Ordnungsamtes einzusetzen, um Täter auf frischer Tat zu erwischen. „Das Ordnungsamt habe wichtigere Dinge zu tun“, meint er.

Bei der Abfallbehörde des Landkreises muss zunächst jeder Beschuldigte von den Ermittlern zu den Vorwürfen befragt werden. Können die „Müll-Detektive“ einen Täter überführen, muss er ein Bußgeld zahlen. „Wenn jemand einen blauen Sack mit Hausmüll abgelegt hat, dann schlägt das mit 75 Euro zu Buche“, sagt Klaus Stock von der Abfallbehörde. Bei einem Wohnzimmertisch, wie er derzeit am Bahnhof abgestellt worden ist, wird der Abfallsünder mit 150 Euro zur Kasse gebeten. Nach Angaben von Stock gäbe es gute Erfolge bei der Aufklärung der Umweltvergehen.




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