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Hinaus in die Welt: Das Kirchenmobil St. Marys wird eingeweiht

Ungewöhnlich. Bunt. Und jetzt mobil.

OBERNKIRCHEN. Man werde dieses Kirchenmobil überall antreffen können, auf dem Rastplatz an der Autobahn ebenso wie auf dem höchsten Punkt des Kirchenkreises oder bei McDonald‘s, wo dann zur Andacht geladen werde, erklärt Julia Schönbeck bei der Einweihung des Kirchenmobils St. Marys im leichten Dauerregen vor der Stiftskirche.

veröffentlicht am 26.06.2016 um 18:03 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:26 Uhr

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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite

Denn das neue Kirchenmobil ersetzt nicht einfach den kirchlichen Bauwagen, der lange Zeit auf dem Kirchplatz gestanden hat, nein, er verkörpert auch ein neues Konzept.

Denn, so haben es die Jugendlichen formuliert: „Wir wollen Kirche sein außerhalb der dicken Mauern unserer Stiftskirche. Wir wollen präsent sein. Wir wollen zeigen, dass Kirche offen ist und was sie bedeutet. Wir wollen gemeinsam nach neuen Formen von Kirche und Gemeinschaft suchen. Wir wollen Nachfolge leben. Offen. Laut. Bunt.“

Obernkirchens Pastorin Nora Haarmann befand vorgestern bei der Einweihung, dass die Jugendlichen mit dem Mobil „unsere Kirche öffnet“; eine Kirche, die füreinander da sei und hör- und sichtbar auch Protest gegen rechts sei, „und es ist richtig, dass die Kirche den Mund aufmacht“.

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Dr. Michael Behrndt sah es als Vorstandsvorsitzender des Kirchenkreistages ähnlich: Die Grenzen der Gemeinde würden mit dem Kirchenmobil überschritten, man bewege sich aus dem gewohnten Rahmen hinaus, „tolle Sache“, und man habe das Projekt intern viel diskutiert, und man habe auch jetzt noch das eine oder ander Fragezeichen, aber die Grundidee sei so gut, dass es etwas Großes werde, war sich Behrndt sicher.

Was den alten Bauwagen mit dem neuen Kirchenmobil eint: Beide sind und waren Orte, die einladen, Kirche zu sein. Eine Kirche eben, die von ihren verrückten Ideen und ungewöhnlichen Träumen lebt.

Im September letzten Jahres hat sich die Kirchengemeinde beim „Fond missionarische Chancen“ der Landeskirche Hannovers beworben. Unterstützt werden Initiativen, die mit neuen Formen und Ideen neue Zielgruppen erreichen wollen. Und die Jugendlichen der Gemeinde, sie wollen so ein Projekt sein.

Die Idee, die Arbeit mit dem Bauwagen auszuweiten und mit ihm nun auch unterwegs zu sein, ist im letzten Jahr entstanden. Elke und Ralf Schönbeck, beide Jugendleiter und Ehrenamtliche der Gemeinde, nahmen am „Fresh X“- Kurs von Kirche² teil.

Die Arbeit mit dem Bauwagen gibt es jetzt schon seit einigen Jahren. „Jetzt von Fresh Expressions und ihren Grundsätzen zu hören, hat uns gezeigt, dass unser Bauwagen mehr sein kann, mehr ist, als wir vielleicht immer dachten. Dass er wirklich Kirche ist. Dieser neue Blickwinkel macht uns stolz auf das, was bisher geschehen konnte und lässt uns gleichzeitig den nächsten Schritt wagen. Wir wollen mobil sein, mit unserem Bauwagen, unserer Kirche auf dem Weg“, heißt es auf der Internet-Seite der Kirchengemeinde.

Unser neues „Kirchenmobil“ soll im Gegensatz zum alten Bauwagen vor allem eines: unterwegs sein, schreibt Julia Schönbeck dort: „Andere Gemeinden besuchen. Feste. Den Kirchentag. Aktionen im Steinbruch oder auf der Weserfähre. Auf der Autobahnraststätte oder im Kreuzgang des Klosters. Wir wollen Kirche an neuen Orten sein. Ungewöhnlich. Aber auf jeden Fall authentisch und aus ganzem Herzen. Wir wissen nicht genau, was auf uns zukommt oder was wir alles tun werden. Wir wollen uns nicht übernehmen. Wir wollen das tun, was wir können, und wir hoffen und wünschen uns, dass wir damit Menschen erreichen können.“

Und wie beim alten Bauwagen, so wird es wohl auch mit dem Kirchenmobil sein: Immer wieder wird man den Jugendlichen die Frage stellen, was denn daran Kirche sei. Auch hierzu gibt es auf den Internet-Seiten Antworten: „Wie wir feststellen durften, fällt es kirchenfernen Menschen oft viel leichter, diesen Wagen als Kirche zu denken. Wegen uns gehen sie sonntags nicht plötzlich in den Gottesdienst oder lassen ihre Kinder taufen. Wir sind froh, wenn wir in vielen kleinen Momenten zeigen können, wie Kirche sein kann. Dass sie offen ist für neue Leute und verrückte Ideen. Und wenn es ein paar Menschen gibt, denen wir dieses Gefühl vermitteln konnten, dann sind wir stolz darauf. Dann hat sich dieser Wagen bereits jetzt gelohnt. Wir wollen die Gemeinde nicht überholen oder in irgendeiner Weise ersetzen. Wir wollen ergänzen und bereichern. Wir wollen die erreichen, die normale Gottesdienste nie erreichen könnten. Wir wollen das tun, was uns Spaß macht und was wir können. Wir sind Kirche, Gemeinschaft. Und manchmal sind wir einfach nur da. Und wir vertrauen auf das, was geschehen mag. Das, was wirklich zählt, sind nicht die Gebäude, ist nicht die Form, sondern die Menschen, die Gemeinschaft und ein Gefühl von Heimat und Zusammengehörigkeit. Wir wollen ein Ort zum Wohlfühlen sein. Wir wollen nichts aufzwängen, sondern Raum bieten.“

Sandra Bils, Pastorin der Landeskirche Hannover, drückte es später in ihrer Rede auf dem Kirchplatz so aus: Hier stehe das Alte und das Neue – und gemeinsam werde man Kirche neu buchstabieren.

Und wenn das Kirchenmobil nicht unterwegs ist, dann wird es auf dem Kirchplatz stehen, so wie der große Bruder vorher auch, der verschenkt wurde.

Und genau hier, auf dem Kirchplatz, da gehört das Kirchenmobil St. Marys auch hin, keine Frage.

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