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Ortsrat weiterhin verärgert

Vehlener Straße: Radeln mit dem Brummi im Nacken

VEHLEN. Fußgänger auf die rechte Seite, Radfahrer auf die linke: Die Anordnung des Landkreises sorgt noch immer für viel Ärger im Ortsrat, man versteht sie einfach nicht. In der jüngsten Sitzung wurde ein erneutes Gespräch der Stadt Obernkirchen und dem Landkreis angeregt.

veröffentlicht am 12.03.2019 um 14:25 Uhr
aktualisiert am 12.03.2019 um 16:30 Uhr

Das Hinweisschild reicht nicht, der Ortsrat möchte vor der Dorfgemeinschaftsanlage und dem Kindergarten einen Zebrastreifen. Foto: rnk
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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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VEHLEN. Er habe, so erzählt Horst Sassenberg im Ortsrat Vehlen, ja gelernt, dass man sich als Radfahrer im Straßenverkehr „robust“ zu verhalten habe. Daher sei er auf dem Weg zur Sitzung die Vehlener Straße hinuntergeradelt und habe sich nicht an den Straßenrand gedrückt, sondern selbstbewusst seinen Anteil an der Fahrbahn beansprucht. Weil gegen 17.45 Uhr viel Gegenverkehr geherrscht habe, habe aber der Lastwagen hinter ihm nicht überholen können. Und dieser Brummi im Nacken, der habe durchaus dazu geführt, dass er sich recht unwohl gefühlt habe. Auf dem Fahrradweg fühle er sich deutlich wohler, erzählt der CDU-Ratsherr.

Es ist eine Erzählung aus aktuellem Anlass: Denn erneut hatte sich der Ortsrat mit dem Radweg zu befassen, der bislang von den Radlern genutzt werden konnte, die nach oben in die Stadt und von oben gen Vehlen unterwegs waren. Jetzt soll die Nutzung nach unten verboten werden, weil diese zu gefährlichen Situation geführt habe. Drahteselnutzer müssten künftig auf dem Weg nach Vehlen also auf der abschüssigen Straße radeln, auf der zuweilen auch ein – völlig korrekt und erlaubterweise – parkender Lastwagen als zusätzliches Hindernis umkurvt werden muss.

Fußgänger auf die rechte Seite, Radfahrer auf die linke, von der Stadt aus gesehen: Diese Anordnung versteht der Ortsrat nicht. Die Mitglieder des Gremiums halten sie für einen glatten Schildbürgerstreich, ersonnen von fernen Bürokraten, die die örtlichen Verhältnisse nicht allzu gut oder gar nicht kennen und sich halt an ihre Paragrafen klammern. Bislang wurde die Anordnung des Straßenverkehrsamtes des Landkreises nicht umgesetzt. Seit vielen Monaten steht sie im Raum, ohne dass sich etwas rührt. Was dem Ortsrat, wenig überraschend, natürlich gut gefällt. Jetzt aber habe sich, so Lahmann, die Stadt Obernkirchen bei ihm gemeldet: Wie es denn weitergehen solle?

Diskutiert wurde im Ortsrat nur kurz. Das meiste ist ja auch schon gesagt, und das nicht nur einmal. Heiko Mevert (SPD) überzeugte das Argument der angeblichen Gefährlichkeit und fehlenden Sicherheit auf einem Rad- und Fußweg, der in beiden Richtungen genutzt wird, nicht: „Wie oft im Jahr begegnen sich hier zwei Radfahrer?“ Horst Lahmann (SPD) regte ein Gespräch mit der Stadt Obernkirchen und dem Landkreis an. Er werde versuchen, die Umsetzung der Anordnung „so lange wie möglich zu verzögern“.

Helmut Züchner wies als Vertreter der Stadtverwaltung auf einen anderen Aspekt hin, der sich nach einem Gespräch mit Bauhof-Chef Karl Harting herausgestellt habe: Wenn die Schilder weggenommen würden, sei es kein Sonderweg mehr. Dann könnten dort auch Lastwagen geparkt werden, was wiederum der Asphalt nicht aushalten würde, weil dieser nur zwei Zentimeter dick sei: Er würde schlicht wegbrechen, er würde, wie es Züchner formulierte, „massakriert“. Das werde er übrigens beim Gespräch mit dem Landkreis als zusätzliches Argument für die Beibehaltung der Schilder ins Feld führen.

Die Vehlener Straße wurde im Lauf der Sitzung noch zweimal angesprochen: Zunächst wurde auf einen früheren Zebrastreifen zwischen Dorfgemeinschaftsanlage und Feuerwehrhaus verwiesen. Geht es nach dem Ortsrat, kommt ein neuer Zebrastreifen, schon allein wegen der Sicherheit der Kinder, von denen allein 60 den Kindergarten in der Dorfgemeinschaftsanlage besuchen, wie Lahmann vorrechnet. Züchner hatte gegen dieses Begehren keine Einwände: „Ist aufgenommen, wird weitergegeben.“ Denn ein Zebrastreifen sorge für klare Verhältnisse, so Züchner. „Hier hat der Fußgänger Vorrang, ohne hat der fließende Verkehr Vorrang.“ Und zur Reduzierung des Tempos würde er natürlich auch beitragen, „nicht viel, aber ein bisschen“. Vor der Kurve hätte Lahmann zudem gerne ein Tempo-30-Schild, für eine Distanz von rund 100 Metern. „So sind die Kinder besser geschützt.“

Angeregt wurde zudem die Aufstellung eines Geschwindigkeitsmessgerätes, besonders bergab. „Mal gucken, wie schnell die Leute wirklich fahren“, so Lahmann.

Nicht zufrieden war der Ortsrat mit dem Parkverhalten der Besucher von größeren Trauerfeiern beim örtlichen Bestattungsunternehmen: Beide Seiten der Straße würden dann zugeparkt. Das könne man, so Züchner, natürlich nicht dem Bestattungsunternehmen vorwerfen, es handele sich ja um „individuelles Fehlverhalten“. Der Unternehmer könne die Autofahrer nur ansprechen und auf das Parkverhalten hinweisen. Aber weil der Ortsrat der Meinung war, dass Gefahrenpotenzial durchaus vorhanden sei, werde das Thema geklärt – „hausintern“, sagte Züchner.




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