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Ortsrat: „Ist doch Schwachsinn“

Vehlener Straße: Radweg darf nur noch bergan benutzt werden

VEHLEN. Die Pläne sind schon ein paar Monate alt, aber sie sollen umgesetzt werden: Auf der Vehlener Straße darf nur noch bergan in Richtung Stadt auf dem Fuß- und Radweg geradelt werden, bergab ist die Straße zu benutzen. Der Ortsrat ist sich sofort einig: Der Plan stieß auf einstimmige Ablehnung.

veröffentlicht am 04.12.2018 um 12:21 Uhr

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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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Christoph Schuster wählt am Schluss die deutlichsten Worte: „Das ist doch Schwachsinn“, meint das CDU-Ortsratsmitglied, und meint damit die geplante Änderung des Geh- und Fahrradweges quer durch den Ort: „Das widerspricht doch dem gesunden Menschenverstand“, legt er nach. Von einem „Sonderweg“ spricht Helmut Züchner, der die städtische Verwaltung vertritt und am Schluss des Tagesordnungspunktes die Meinung des Gremiums mit ins Rathaus nehmen darf: Es ist die einhellige Ablehnung.

Denn auf dem Geh- und Radweg an der rechten Straßenseite darf auch künftig weiterhin gegangen und geadelt werden, aber mit dem Drahtesel eben nicht mehr, wie bisher, in beide Richtungen, also rauf und runter, sondern nur noch von Vehlen aus in Richtung Stadt, bergan. Die Schilder kommen weg, erklärte Züchner. Die Begründung: Wiederholt sei es zu gefährlichen Situationen gekommen, wenn die Fahrradfahrer bergab fahren würden.

Die Mitglieder des Ortsrates waren spürbar konsterniert. Horst Sassenberg (CDU), selbst passionierter Radlern, verwies auf die Alternative: Wenn man auf der Vehlener Straße bergrunter fahre, dann parke dort an der Site ein Lastwagen, (und manchmal mehrere), den es zu um fahren gelte; man komme, so Sassenberg, schnell über die Fahrbahnmitte. Wenn dann von unten Begegnungsverkehr komme, sei es schnell vorbei mit der gefühlten Sicherheit, so Sassenberg sinngemäß. Und wörtlich: „So ein breiter Bürgersteig und dann darf er nur von einer Seite befahren werden – das verstehe ich nicht.“ Horst Lahmann (SPD) schlug in die gleiche Kerbe: 1,50 Meter Bürgersteig, dazu eine Gosse von 50 Zentimetern – warum könne man nicht einfach den gesamten Bereich etwas verbreitern und mit einer weißen Linie optisch von der Straße abtrennen? Und dann eben diesen breiten Streifen als Radfahrer in beide Richtung benutzen.

Die Anordnung, so sagt Züchner, komme vom Straßenverkehrsamt des Landkreises, und so ganz unverhofft kommt sie nicht, wie ein Beitrag von Lahmann erahnen lässt: Zwei Jahre sei nichts passiert, meint der Ortsbürgermeister, „ich dachte schon, das ist im Sande verlaufen.“

Möglicherweise, so Züchner, könne man noch mal mit den zuständigen Behörden ins Gespräch zu kommen, Sassenberg forderte ihn auf, dort „unser Entsetzen zum Ausdruck zu bringen“.

So ganz ohne Hoffnung war Lahmann übrigens nicht. Vielleicht, so meinte er mit Blick auf die geplante Umsetzung der Pläne, „dauert es noch zwei oder drei Jahre.“

Worauf sich Lahmann bezog, waren zwei Besprechungen in Zimmer 132 im Stadthäger Kreishaus, die im Herbst 2016 stattfanden und an der Vertreter der Straßenbahnmeisterei Rinteln, des Landkreises, des Landesstraßenverkehrsamtes Hameln, der Polizeidirektion sowie Vertreter des Ortsrates Vehlen und der Stadtverwaltung Obernkirchen teilnahmen. Das derzeit eingeräumte Benutzungsrecht, so ist es im Protokoll nachzulesen, werde in beiden Richtungen aufgehoben, „da die erforderlichen Breiten ein gefahrloses Miteinander nicht gewährleisten“. Die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) würden die „Führung des Radfahrers im Mischverkehr auf der Fahrbahn“ als „optimale Führungsform“ vorsehen, Radfahren, so wurde den Teilnehmern der Runde damals mitgeteilt, stelle ein „gleichberechtigte Teilnahme“ am Straßenverkehr dar.

Zu klären sei aber, ob die Fahrbahn für den Radler sicherer gestaltet werden könne, etwa durch eine Warnlinie im Kurvenbereich oder einem Halteverbot auf der Fahrbahn in unübersichtlichen Bereichen.

Allerdings wäre eine Markierung mit einer Warnlinie, um den Verkehr vom Gegenverkehr zu trennen, eine „Sonderlösung“, Gründe dafür seien dafür aber nicht ersichtlich. Denn: „Die Unfalllage zeigt keine Auffälligkeit.“

Halteverbote seien auch schwierig, wurde damals ausgeführt. Auf der Fahrbahn würden die gesetzlichen Halt- und Parkverbote der Straßenverkehrsordnung gelten, eine abschnittsweise Anordnung eines Halteverbotes müsste die Stadt begründen.




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