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Politiker diskutieren über Falschparker, Knöllchen und neue Autostellflächen auf dem Marktplatz

Vertreibt Ordnungsamt Kunden?

OBERNKIRCHEN. Die Wiederaufnahme der Parküberwachung durch das Ordnungsamt sorgt bei Bürgern und Politiker der Bergstadt gleichermaßen für rege Diskussionen. CDU-Politiker Heinrich Struckmeier hat im Bürger- und Bildungsausschuss vorgeschlagen, das Knöllchenverteilen wieder auszusetzen. Bürger und Geschäftsinhaber hätten ihm ihr Leid geklagt. „Viele Autofahrer bekommen ein Knöllchen, wenn sie gerade beim Bäcker oder beim Fleischer an der Langen Straße einkaufen“, erzählt Struckmeier. Nicht nur für die Falschparker sei das ärgerlich.

veröffentlicht am 01.01.2019 um 19:50 Uhr

An der Langen Straße kann es eng werden, wenn Falschparker den Verkehr behindern oder Lieferanten anhalten. „Manchmal kommt man hier nicht vor und nicht zurück“, sagt Andreas Grote vom Ordnungsamt. Foto: leo
Leonhard Behmann

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„Für die Läden ist das geschäftsschädigend“, stellt das Ausschuss-Mitglied fest. Das habe verheerende Folgen für die Gewerbetreibenden, denn: Die Kaufkraft würde zu anderen Läden abwandern, nämlich an Orte, an denen man näher am Geschäft parken könne.

SPD-Politiker Martin Völkening hält nichts von dem Vorschlag. „Man kann doch auch woanders parken und ein paar Meter zu Fuß gehen“, meint er. Überhaupt: Auch in anderen Kommunen werde der Parkraum überwacht. „Ich weiß also nicht, warum Obernkirchen die einzige Stadt sein soll, die keine Knöllchen verteilen sollte“, sagt der Politiker.

Auch Ordnungsamtsleiter Andreas Grote hält nichts davon, bei Falschparkern wegzuschauen. „Wir kontrollieren ja gerade, um das Chaos in der Stadt zu beseitigen“, sagt Grote. Die Falschparker würden andere behindern. Besonders deutlich sei das an der Langen Straße. Auf der einen Straßenseite ist das Parken mit Parkscheibe erlaubt, auf der gegenüberliegenden Seite nicht. „Immer wieder stehen dort aber eben doch Fahrzeuge – und dann wird es eng. Manchmal kommt man hier nicht vor und nicht zurück“, sagt Grote. Gegenüber den Parkflächen dürften höchstens Liefer- oder Umzugsfahrzeuge vorübergehend abgestellt werden. Aber auch nur, wenn sie nicht die Straße zuparken und den Verkehr behindern. „Ansonsten schreiben wir alle Wagen auf, die länger als drei Minuten an dieser Stelle parken“, sagt Grote. Neben der Langen Straße würde das Falschparken auch in der Friedrich-Ebert-Straße immer wieder zu Problemen führen.

An der Neumarktstraße habe die Kontrolle der Parkscheiben bereits Wirkung gezeigt. „Die Besitzer von Geschäften haben sich gefreut, dass die Parkplätze vor den Läden wieder für Kunden frei sind. Sie waren von Dauerparkern blockiert“, sagt Grote.

Die von Bürgern geforderten Parkausweise für Anwohner hält Grote nicht für nötig. „Die brauchen wir in Obernkirchen nicht“, sagt er. Die Parkplätze am Bornemannplatz, am Neumarktplatz, an der Straße Hinter dem Graben und an der Kurzen Straße sind von der Parkdauerbeschränkung ausgenommen. „Hier können die Anwohner stadtnah ihre Autos abstellen“, meint Grote.

Dem Argument der SPD, wer in der Innenstadt einkaufen will, könne auch an der Straße Hinter dem Graben parken, widerspricht Struckmeier. „Jeder will direkt vor dem Laden parken und am liebsten noch in den Laden fahren – deswegen gibt es ja auch die Drive-in-Schalter bei einigen Unternehmen“, sagt der CDU-Politiker. Struckmeier befürchtet, dass auf Dauer die Kaufkraft aus der Innenstadt vertrieben werden könnte.

Den kürzlich gestellten Antrag von Geschäftsinhabern nach mehr Parkplätzen in der Innenstadt findet der Politiker gut. Weitere Stellplätze sollen auf dem Marktplatz geschaffen werden. Die Politik stimmte während der jüngsten Ratssitzung für acht weitere Parkplätze auf dem Marktplatz. Jeweils vier sollen südlich des Marktbrunnens und vor der Bäckerei eingerichtet werden. „Ich bin dafür, dass auf dem Marktplatz zusätzliche Parkplätze geschaffen werden“, macht Struckmeier klar.

Kasten:

Parken in Obernkirchen

Generell ist das Parken in der Innenstadt auf gekennzeichneten Flächen mit Parkscheibe erlaubt – aber nur für eine Stunde. Wer nicht auf ausgewiesenen Flächen parkt, die Parkscheibe vergessen hat oder die Parkzeit überzieht, wird zur Kasse gebeten. „Das kostet zehn Euro“, sagt Andreas Grote, Leiter des Ordnungsamtes in Obernkirchen. Das Bußgeld sei vor einigen Jahren von fünf Euro erhöht worden. Die Regelung gilt an Werktagen von 7 Uhr bis 19 Uhr und am Samstag von 7 Uhr bis 13 Uhr. Auch wer einfach die Parkscheibe weiterdreht und auf dem Parkplatz länger als eine Stunde parkt, wird von den Kontrolleuren aufgeschrieben. „Dafür notieren wir uns die Ventilstellung. Daran kann man genau sehen, ob das Fahrzeug bewegt wurde oder nicht“, verrät der Leiter des Ordnungsamtes.




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