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Gesamtschultag in der IGS

Wenn Lehrer lernen: Jede Horde braucht klare Regeln

OBERNKIRCHEN. Der Mensch strebt permanent danach, sich und seine Kooperationen und damit seine Kommunikation mit Mitmenschen zu optimieren und so erfolgreicher zu werden – das unterscheidet ihn laut Prof. Dr. Menno Baumann von anderen Spezies unserer Erde.

veröffentlicht am 05.02.2019 um 16:11 Uhr
aktualisiert am 05.02.2019 um 17:20 Uhr

Arbeitsgruppen entwerfen ein Projekt zur Berufsorientierung.

Autor:

Gloria Lucie Alter
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OBERNKIRCHEN. Der Mensch strebt permanent danach, sich und seine Kooperationen und damit seine Kommunikation mit Mitmenschen zu optimieren und so erfolgreicher zu werden – das unterscheidet ihn laut Menno Baumann von anderen Spezies unserer Erde. Daher wurden am zwölften Gesamtschultag der IGS Hannover und Region unterschiedliche Konzepte von Zusammenarbeit in Workshops vorgestellt.

Menno Baumann von der Fliedner Fachhochschule in Düsseldorf rollt in der IGS Obernkirchen das Feld mit seinem Einführungsvortrag von hinten auf. Er hat eine Professur im Fachbereich Intensivpädagogik und leitet die heutige Kommunikation und Kooperation zwischen Schülern und Lehrern aus der Kulturgeschichte des Homo sapiens ab.

Während der Mensch vor einigen Tausend Jahren noch in großen Horden gelebt habe, in denen sein ganzes Leben lang ähnliche Regeln gegolten hätten, finde er sich heute zeit seines Lebens in ganz vielen, kleinen und dynamischen Horden wieder, von der jede durch unterschiedliche Regeln charakterisiert werde, so Baumann. Im Zeitalter von Globalisierung sei es nötiger denn je, erfolgreich miteinander zu kooperieren, indem in einer Horde Regeln geschaffen würden, die jeder verstehe und die von jedem akzeptiert würden. „Gelingende Kooperation“ ist daher auch das Motto des Gesamtschultages, der diese Zusammenarbeit auf allen Ebenen durch 15 kleine Seminare zu fördern sucht.

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Lehrer erfahren, wie Erlebnispädagogik funktioniert.

Die Arbeitsgruppen sind thematisch so unterschiedlich wie die Herausforderungen, vor denen Lehrer und auch Schüler täglich stehen. Digitalisierung im Lehrbetrieb ist ebenfalls ein großes Thema. Lea Bitter, Deutsch-Lehrerin an der IGS Vahrenheide-Sahlkamp, hat mit ihrer Klasse ein Experiment gewagt. Etwas Neues zu wagen, ist nach Baumann eine wichtige Eigenschaft des Menschen in Abgrenzung zu anderen Spezies: Sie bedeute in der Geschichte oft den Erwerb neuer Fähigkeiten.

Knackige Lern-Tutorials in Form von Videos, so Bitter, seien für viele Schüler heutzutage in der Vorbereitung auf Klassenarbeiten nicht mehr wegzudenken. Wenn ein Schüler auch in der fünften Mathe-Stunde die Bruchrechnung nicht verstanden habe, dann gebe der Schüler „Bruchrechnung“ in seine Suchmaschine des World Wide Web ein und werde auf großen Videoplattformen fündig. Mitunter helfe es den Schülern, bis dato unverständliche Themen zu begreifen. Die sogenannten „Explainitys“ erforderten die Komprimierung von komplexen Sachverhalten sowie Inhaltsangaben, denn die Aufmerksamkeitsspanne des Zuschauers sei begrenzt. Automatisch lernen die Schüler von Bitter auf diese Weise, den Stoff wirklich zu durchdringen. Nur dann sei der Ersteller des Videos auch in der Lage, einen komplexen Sachverhalt auf das Nötigste herunterzubrechen. Bitter hat dabei vor allem dies beobachten können: „Meine Schüler waren viel motivierter und haben von ganz allein auch zu Hause an ihren Videos gearbeitet.“ Diese Motivation zu schaffen, sei bei herkömmlichen Unterrichtsmethoden oft schwieriger.

Viele der Workshops zielen darauf ab, Schüler mehr zum Lernen und Mitarbeiten im Unterricht zu motivieren. Darunter fällt auch die Erlebnispädagogik. Klaus Minkner ist im Bereich Coaching tätig und gibt Einblicke in das handlungsorientierte Lernen. Mittels Bewegung durch den Klassenraum, eines Quiz und eines Ratespieles zur Assoziation von Namen, erreicht Minkner Dynamik und kreiert so Erfolgserlebnisse für die Teilnehmer. Die Lehrer erhalten Anleitungen zu einzelnen Methoden, um künftig solch nachhaltige Erfahrungen für ihre Klassen erzielen zu können.

Nele Franz ist Lehrerin und Besitzerin des Schulhundes Lili an der IGS Nienburg. Sie informiert über Ausbildung und Vorteile eines Schulhundes. Die Teilnehmer sind selbst bereits Besitzer eines Hundes und konkretisieren mithilfe des Vortrags ihr Vorhaben, die positiven Effekte einer „hundgestützten“ Pädagogik zu nutzen, denn durch die Kooperation mit Hunden können Schüler Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit Tieren lernen. Lehrer können den Hund außerdem in ihre Unterrichtsgestaltung einfließen lassen.

Heutzutage sind Schüler auf weiterführenden Schulen laut Lea Bitter „Digital Natives“, ihnen ist also ein Verständnis für digitale Technologien gewissermaßen in die Wiege gelegt worden. Daher sei es ganz natürlich, diese Technologien auch im Unterricht zu nutzen. Besonders das Tablet sei für tiefer gehende Recherche geeignet.

Allerdings empfehle es sich, „Schulbücher immer noch selbst durchzublättern, anstatt sie sich auch auf dem Tablet anzeigen zu lassen“, so Kai Piepho. Er unterrichtet gemeinsam mit einer Förderschullehrerin eine iPad-Klasse. Es müsse stets Wert darauf gelegt werden, dass Kinder die Handschrift nicht verlieren.

Weitere Seminare zu außerschulischen Kooperationen und Kooperationen mit ausländischen Schulen sowie Strategien zu gewaltfreier Kommunikation an Schulen ermöglichten den Teilnehmern einen Einblick in ein komplexes Themenfeld. Nun gilt es, das Erlernte umzusetzen.




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