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Wie sich Digitalisierung und Technik 4.0 bei Heye International auswirken

Wenn Maschinen von alleine lernen

OBERNKIRCHEN. Maschinen, die ihre Arbeit weitgehend selbstständig erledigen, Verfahren, die komplett digital ablaufen: Ohne Frage, die Digitalisierung kann einem als undefinierter Oberbegriff der Zukunft Angst machen. Ohne Frage aber auch: So oder so, sie verändert unsere Arbeitswelt schon heute. Wie positiv die Auswirkungen von modernem, digitalem Arbeiten sein können, zeigt der Maschinenbauer Heye in Obernkirchen.

veröffentlicht am 27.12.2018 um 17:06 Uhr

Tradition und Moderne werden beim Maschinenhersteller Heye in Obernkirchen miteinander verbunden. Seit 2003 ist Heye Teil der internationalen Ardagh-Gruppe. Foto: mld
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite
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Heye stellt Spezialmaschinen für die Glasproduktion her, genauer: Behältergläser, also verschließbare Behältnisse wie Flaschen. Viele Glashütten aus Schaumburg sind Stammkunden. „Wir bieten unseren Glashütten eine Partnerschaft an“, erzählt Marketingmanager Mark Ziegler in einem Pressegespräch auf dem Werksgelände am Lohplatz. Unter den Stichworten Digitalisierung und Industrie 4.0 gebe es inzwischen so viele Produkte und Lösungen, dass man den Kunden vernünftig beraten wolle.

Industrie 4.0 bezeichnet den Umstand, dass industrielle Produktion – wie beispielsweise die Glasherstellung – komplett digitalisiert abläuft. Das heißt nicht unbedingt, dass die Produktion inzwischen rein automatisch abläuft. „Es gibt unterschiedliche Automatisierungsgrade“, erzählt Ziegler. Grad 1 wäre beispielsweise, wenn im Laufe des Produktionsprozesses Infrarotaufnahmen vom Glas gemacht werden. Dies passiert durch ein Assistenzsystem, das die Mitarbeiter bei der Kontrolle der Produktion unterstützt. Automatisierte Hilfe bekommen Mitarbeiter auch am „kalten Ende“ der Glasproduktion, also bei Qualitätssicherung und Verpackung. Die „SmartLine 2“ beispielsweise beinhaltet ein selbstlernendes System, das auch feinste Risse im Glas erkennen kann. Die Vorteile liegen laut Ziegler auf der Hand: Die Lebensmittelsicherheit wird noch besser gewährleistet, der Produktionsprozess wird optimiert und die Verwendung von Glas als „natürliches, komplett recycelbares Verpackungsmittel“ wird gefördert.

Die nächsthöhere Stufe der Digitalisierung lässt sich bei Heye ebenfalls finden: Ein neuer Roboter, der die Formen schmiert, die zur Herstellung von Glasbehältern verwendet werden. Der Roboterarm trägt einen dünnen Film des Schmiermittels auf die Innenseite der heißen Formen auf. Der Vorteil davon, so Ziegler: Derjenige, der die Maschine bedient, muss dies nicht mehr machen und könne sich so stärker auf andere Aufgaben konzentrieren. Das erhöhe auch die Arbeitssicherheit.

Moderne Glasproduktion: Zum Teil kommen bereits selbstlernende Systeme in den Maschinen von Heye zum Einsatz. Foto: pr.

Kontinuierlich arbeitet der Maschinenhersteller außerdem an verschiedenen Lösungen, um Glasbehälter dünner und damit leichter zu machen – ohne dass sie ihre Widerstandsfähigkeit verlieren. Dadurch werde in der Glasschmelze weniger Energie verbraucht, eine Glashütte könne so ihre Emissionen reduzieren. Für eine Glashütte könne neue Technik eine Produktivitätssteigerung von bis zu zwei Prozentpunkten bedeuten, so Ziegler.

Doch natürlich bedeutet Digitalisierung auch für die Menschen Veränderung: „Unsere Mitarbeiter müssen andere Kompetenzen als früher mitbringen“, erzählt Personalchefin Petra Vollmann. Mit zunehmender Software in den Maschinen würden beispielsweise Softwareentwickler stärker gesucht. Außerdem müssen Mitarbeiter in der Lage sein, über ihren eigenen Tellerrand hinwegzuschauen und interdisziplinär zusammenzuarbeiten. „Wir brauchen mehr Projektmanager als früher“, sagt Vollmann. Kollegen werden außerdem stärker in Weiterbildungen fortgebildet.

Heye bildet außerdem inzwischen breiter aus als früher, neben dem Technischen Produktdesigner werden mittlerweile auch Industriekaufleute und Elektroniker ausgebildet. „2019 werden wir unser Ausbildungsangebot außerdem noch einmal erweitern um Lageristen und Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung“, verrät Vollmann.

Das Maschinenbauunternehmen profitiert von seinem Standort zwischen Großstädten wie Bielefeld und Hannover und damit deren Hochschulen – auch wenn die Erreichbarkeit, vor allem mit öffentlichen Verkehrsmitteln, besser sein könnte.

Ziegler sieht das Unternehmen mit seinen rund 300 Mitarbeitern und acht Auszubildenden positiv aufgestellt. Neue Glashütten werden bereits mit dem neuesten Stand der Technik gebaut, ältere Glashütten rüsten nach und nach um, „das sind hohe Investitionen über viele Jahre hinweg“. Grundsätzlich gebe es außerdem wieder einen Trend hin zu Glasbehältern, vor allem aus Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein. Dieses neue Denken der Kunden merken die Glashütten in der Nachfrage – und damit auch Maschinenhersteller Heye.




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