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Zwei Brüder auf den Spuren ihrer jüdischen Vorfahren

OBERNKIRCHEN. Es war ein spontaner Entschluss: Nachfahren der 1939 nach Neuseeland geflüchteten Familie Lion haben sich zum Besuch angemeldet. Es handelt sich um zwei Brüder, Michael und Robert Alford.

veröffentlicht am 24.10.2018 um 16:39 Uhr
aktualisiert am 24.10.2018 um 17:30 Uhr

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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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OBERNKIRCHEN. Es war ein spontaner Entschluss: Nachfahren der 1939 nach Neuseeland geflüchteten Familie Lion haben sich zum Besuch angemeldet. Es handelt sich um zwei Brüder, Michael und Robert Alford, deren Mutter „Ulla“ Lion mit ihren Eltern Leopold und Karola Lion sowie ihrem Bruder Ernst in der Bergstadt am Kirchplatz gewohnt haben. Gestern trugen sich die Gäste ins Goldene Buch der Stadt ein.

Die Geschwister Ulla und Ernst wurden im Haus am Kirchplatz geboren. Ihr Großvater Leopold und Großonkel Elias Lion führten gemeinsam das renommierte, heute dem Verfall preisgegebene Textilkaufhaus „Elias Lion“ (später Stühmeyer) in der heutigen Friedrich-Ebert-Straße. Michael Alford war mit seiner Familie schon bei der Stolpersteinverlegung 2015 in Obernkirchen. Sein Bruder Robert Alford lebt heute in Australien und besuchte erstmals Obernkirchen. Beide Brüder reisten aus Polen an, aus Oberschlesien, wo sie nach Spuren ihres Vaters und dessen Familie, die dort einst gelebt haben, suchten. Robert Alford hatte kurzfristig den Wunsch geäußert, auch den Herkunftsort seiner Mutter zu besuchen.

Beim Empfang durch den Bürgermeister drückte Christoph von Abendroth seinen Dank und auch seine Freude darüber aus, dass die Brüder die Stadt besuchen würden, „den Ort des Leids eurer Eltern und Großaltern“. Selbstverständlich sei dies nicht, meinte der Sprecher der Stolperstein-Initiative und erinnerte an das Jahr 1989, als die Stadt erstmals Nachkommen ehemaliger jüdischer Mitbürger eingeladen hatte: Eine der Geladenen schickte ein leeres Blatt Papier zurück.

Im Blick auf die Shoa würden sich in der Gesellschaft zwei entgegengesetzte Richtungen finden, sagte von Abendroth: Die einen, die fordern würde, dass nach 70 Jahren Schluss sein müsse mit der Auseinandersetzung der Judenverfolgung, und andere, die fordern würde, dass die Wahrheit immer neu ans Licht kommen müsse, „gerade weil es Strömungen in unserer Gesellschaft gibt, die diese dämonische Zeit mit einer Decke des Schweigens verdecken möchten“. Von Abendroth sah es so:: „Nie wieder“, diese Worte über dem Mahnmal in Treblinka seien verpflichtend für jede Gesellschaft, „auch die gegenwärtige“.




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