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Vater oder Sohn – wer ist gefahren?

58-Jährigem wird vor Gericht Falschaussage vorgeworfen

RINTELN. Viereinhalb Jahre nach einer umstrittenen Autofahrt in Steinbergen ist ein Ende des Falls vor Gericht nicht in Sicht. Dabei geht es um die Frage, wer damals am Steuer eines roten Pkw saß, der Vater (58) oder sein Sohn (29).

veröffentlicht am 05.02.2019 um 14:28 Uhr
aktualisiert am 05.02.2019 um 16:15 Uhr

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In der jetzigen Verhandlung unter Vorsitz von Amtsgerichts-Direktorin Gisela Tigges musste sich nun der Vater wegen uneidlicher Falschaussage verantworten.

Dem von Rechtsanwalt Ralf Jordan verteidigten Mann wird vorgeworfen, er habe im Sommer 2016 im Strafverfahren gegen seinen Sohn wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis wahrheitswidrige Angaben gemacht. Vor dem Rintelner Amtsgericht hatte er als Zeuge erklärt, er selbst habe an jenem Tag den Wagen gelenkt.

Zur Chronologie: An einem Tag im September 2014 machte sich ein Polizist nach der Frühschicht auf den Heimweg. In Zivil fuhr der Beamte mit seinem Motorrad bei stockendem Verkehr gerade durch Steinbergen, als ihm gegen 12.45 Uhr ein entgegenkommender Pkw auffiel. Er kannte den roten Wagen von einer früheren Kontrolle und sah auch den Fahrer. Seinen Angaben zufolge handelte es sich um den 29-jährigen Sohn, der ihm von anderen Vorfällen bekannt war. Er habe das Profil des Fahrers gesehen und ihn auch an dessen Frisur erkannt. Auf dem Beifahrersitz, so der Polizist weiter, saß eine zweite Person. Diese hatte er wahrgenommen, aber nicht näher gesehen. Bei der nächsten Gelegenheit fuhr der Ordnungshüter rechts ran und informierte telefonisch seine Kollegen. Diese hielten etwa eine Viertelstunde später das Auto in Rinteln an. Am Steuer saß aber nicht der Sohn – er hat keinen Führerschein –, sondern sein Vater. Der Sohn war auch nicht im Wagen.

Es folgte ein Strafverfahren gegen den Sohn wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Im Sommer 2016 wurde der junge Mann zu einer Geldstrafe verurteilt. Der damals vorsitzende Amtsrichter war überzeugt davon, dass der Sohn den Pkw gelenkt hatte und nicht etwa wie behauptet dessen Vater. Auch die Partnerin des Sohnes gab in jenem Prozess an, ihr Lebensgefährte sei zur Zeit des Vorfalls mit ihr zu Hause gewesen. Der Vater wiederum berichtete in der Verhandlung, er sei an jenem Tag von einer Geschäftsreise aus Hamburg gekommen, habe einen kurzen Abstecher nach Hannover gemacht und sei anschließend nach Rinteln weitergefahren. Dort wurde er dann kontrolliert.

Im jetzigen Verfahren gegen den Vater bestätigten die Beteiligten im Wesentlichen ihre früheren Einlassungen. Auch das Zeitfenster des Vaters an jenem Tag konnte weitgehend benannt werden: Auschecken im Hamburger Hotel (9.41 Uhr), 15 Minuten Aufenthalt in einem Büro in Hannover (etwa 11.30 Uhr) und Polizeikontrolle in Rinteln (13.02 Uhr). Verteidiger Jordan stellte zwei Beweisanträge, denen nun nachgegangen wird. Unter anderem soll sich ein Sachverständiger zu der Frage äußern, ob der Polizist aus seiner Sichtposition, dem Stand der Sonne und dem geschlossenen Visier seines Helms den Fahrer des roten Autos hätte erkennen können. Der Prozess gegen den Vater wird deshalb später noch einmal von vorn beginnen. maf




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