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Umfrage nennt nur Pro-Argumente

95 Prozent stimmen in fragwürdiger Umfrage für Brückentor-Sanierung

RINTELN. Mit einer Umfrage möchte der Kulturring seine Position beim Brückentorkomplex untermauern. Von den rund 1000 am Neujahrskonzert ausgeteilten Handzetteln ist bis dato rund die Hälfte wieder zurückgekommen. Mit einem vorläufig eindeutigen Ergebnis: 95 Prozent der Befragten sprachen sich für den Erhalt und die Sanierung des Brückentorsaals aus. Allerdings wurden auf dem Stimmzettel ausschließlich Argumente für eine Sanierung genannt.

veröffentlicht am 01.02.2019 um 17:54 Uhr
aktualisiert am 01.02.2019 um 19:40 Uhr

1000 Stimmzettel wurden beim Neujahrskonzert des Kulturrings verteilt. Foto: tol

Autor:

Gloria Lucie Alter

Seit Januar läuft die Befragung und das auf analogem und digitalem Wege. Bei einer Facebook-Abstimmung und per E-Mail können Interessierte ihre Meinung zum Fall vertreten. Beim Neujahrskonzert waren vom Kulturring rund 1000 Stimmzettel ausgeteilt worden, darüber hinaus wurden die Handzettel auch in Einzelhandelsgeschäften ausgelegt.

Doch bei dem Umfragezettel werden lediglich Vorteile für den Erhalt und die Sanierung des Brückentorsaals genannt. Positive Aspekte eines Neubaus werden komplett unter den Tisch fallen gelassen. Möglicherweise ist das ein Grund dafür, dass die Umfrage auf Facebook bis jetzt ein gänzlich anderes Ergebnis zeigt: Nur 55 Prozent sprechen sich in dem sozialen Netzwerk für eine Sanierung aus. Eine Umfrage dieser Zeitung im Dezember ergab dagegen noch eine 65-Prozent-Mehrheit für die Sanierung.

Dementsprechend wenig beeindruckt zeigt sich die SPD vom Ergebnis der Umfrage. „Es ist legitim, dass Verbände ihre Interessen versuchen durchzusetzen“, sagt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Carsten Ruhnau. Aber die Umfrage trage nicht zur Aufklärung bei. So werde etwa nicht erwähnt, dass eine Sanierung auch bedeute, dass man zunächst für mehrere Millionen Euro den kompletten Brückentor-Komplex kaufen müsse.

Auf dem Stimmzettel werden viele Argumente für eine Sanierung genannt. Gegenargumente gibt es keine.

Geschäftsführerin Weiss beklagt die für den Kulturring schon jetzt schwierige Situation. Für Kulturveranstaltungen mit mehr als 400 Gästen gebe es spätestens ab September diesen Jahres keinen Austragungsort mehr. Glücklicherweise konnten derartig gut besuchte Termine im März in die Aula des Gymnasiums Ernestinum verlegt werden, so Weiss. Allerdings stünden auch dort demnächst Bauarbeiten an, um die künftige Nutzung durch die IGS zu gewährleisten, womit die Aula als Veranstaltungsort ebenfalls vorerst wegfalle.

Aufgrund der langen Dauer steht Weiss einem Stadthallen-Neubau sehr kritisch gegenüber. Für diese Zeit müssten Kulturinteressierte für Veranstaltungen auf benachbarte Städte ausweichen. Weiss schätzt, dass das – in der jetzigen ohnehin schon problematischen Situation mit den Einzelhandelsgeschäften – ein weiterer Schlag in die Magengrube der Stadt wäre. „Die Innenstadt ist dann tot“, so Weiss, und das könne durch eine Sanierung verhindert werden. Wenigstens die Kultur solle der Weserstadt laut Weiss erhalten bleiben.

Die Umfrage sei zwar nicht offiziell, so die Geschäftsführerin, aber der Kulturring wolle damit „ein Zeichen setzen“. Die Ergebnisse der Abstimmung, die Mitte Februar endet, möchte der Verein dem Bürgermeister Thomas Priemer sowie dem Stadtrat präsentieren. Dabei sei es dem Verein ein Anliegen, politisch neutral zu agieren und lediglich die Meinung der Abstimmenden vorzutragen.

Das Ergebnis der Umfrage widerspricht dem Kurs, auf dem sich die Stadt aktuell befindet. Der Plan lautet, den gesamten Brückentor-Komplex an einen Investor zu verkaufen.

HINWEIS: Wer an der Umfrage teilen möchte, kann das per E-Mail an kuri-rinteln@t-online.de




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