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Beziehungstat ist Familiendrama um 25-jährigen Sohn

Überraschung bei Prozess um Mann, der Ex-Frau anzünden wollte

Probleme mit Eifersucht, Alkohol, aber vor allem um den gemeinsamen Sohn, haben zu der Tat in Schaumburg geführt, bei der ein 49-Jähriger sich selbst und seine Ex-Lebensgefährtin mit Benzin übergoss und sich selbst anzündete. „Ich kann nicht mit ansehen, wie mein Sohn nichts tut, Drogen nimmt und nur noch vor sich hinvegetiert“, so der Angeklagte.

veröffentlicht am 03.12.2018 um 19:58 Uhr
aktualisiert am 04.12.2018 um 11:32 Uhr

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RINTELN. Überraschungen hat es beim zweiten Prozesstag vor dem Amtsgericht Rinteln gegeben. Dort wird der Fall des 49-Jährigen verhandelt, der seine 46-jährige Ex-Lebensgefährtin im Rintelner Ortsteil Schaumburg mit Benzin übergossen hat (wir berichteten).

Zunächst beantwortete die Strafverteidigerin Tanja Brettschneider für ihren Mandanten die Fragen zur Tat. „Mein Mandant ist an dem Tag zufällig an dem Haus in Schaumburg vorbeigefahren. Er war unglücklich, weil er seine Familie verloren hatte und das Verhältnis zu seinem Sohn sehr schlecht war.“ Der Sohn habe nichts aus seinem Leben gemacht und damit komme ihr Mandant nicht klar. Der Angeklagte habe Bier und Wein im Auto getrunken und seinen Suizid geplant. Er wollte auf sich aufmerksam machen, habe zu diesem Zweck Lärm gemacht, Benzin in eine Hausecke geschüttet und wollte sich vor den Augen der Familie anzünden. Er habe nicht vorgehabt, seine Ex-Lebensgefährtin zu verletzen. Nur weil diese ihn mit CS-Gas besprüht habe, habe er sie in einer Abwehrreaktion mit Benzin überschüttet. Weitere Fragen werde ihr Mandant nicht beantworten. Diese sollten wieder formuliert und mitgegeben werden. Sie würden am nächsten Verhandlungstag beantwortet.

Zu dem Zeitpunkt hat die Strafverteidigerin nicht gewusst, dass ihr Mandant, der im Verlauf der Zeugenbefragungen immer wieder Kommentare einwarf, sein Schweigen brechen würde.

Zunächst wurde jedoch die Nebenklägerin selbst als Zeugin aufgerufen. Sie schilderte die Tat aus ihrer Sicht. „Ich bin am 20. Juni gegen 5.30 Uhr durch laute Schläge wach geworden und wusste, dass etwas passiert“, so die 46-Jährige. Sie habe ihr Handy und ihr CS-Gas, das sie aus Angst vor dem Angeklagten immer mit sich führe, nach unten gegangen. Dort habe sie ihren Ex-Lebensgefährten gesehen und sofort die Polizei angerufen. Sie sei über das Balkongeländer auf den Nachbarbalkon ihrer Oma geklettert und habe laut geschrien. Der Angeklagte sei ihr entgegengekommen und sie habe das Gas eingesetzt. Der Angeklagte habe sie festgehalten und ihr Benzin über den Kopf gegossen. Dann habe er sich selbst mit dem Benzin übergossen.

„Ich dachte, dass ich gleich brenne“, so die Schaumburgerin. Ihre Mutter habe sie dann über die Balkontür ins Haus gelassen. Sie habe ihren Ex-Lebensgefährten brennen gesehen. Er sei durch die Balkontür ins Wohnzimmer eingedrungen und dort einfach stehen geblieben. Sie sei in den Flur gegangen und habe dort mit ihrer Mutter die brennende Haustür gelöscht. Eine Nachbarin war noch zu Hilfe gekommen und schließlich die Feuerwehr und Polizei.

„Ich bin überzeugt davon, dass er mich umbringen wollte und er hat in Kauf genommen, dass andere dabei draufgehen“, so das Opfer.

Sie sei seit Jahren von dem Angeklagten bedroht und verfolgt worden und habe in ständiger Angst gelebt.

Die Vorgeschichte des ehemaligen Paares – mit großen Problemen – wurde immer wieder angesprochen. Eifersucht, Untreue, aber vor allem große Schwierigkeiten mit dem heute 25-jährigen Sohn, belasteten die Beziehung und auch die Zeit nach der Trennung.

Bei diesen Ausführungen konnte sich der Angeklagte nicht mehr zurückhalten. „Ich will mich dazu äußern“, so der 49-Jährige, der trotz heftigen Widerspruchs seiner Strafverteidigerin aussagte. „Mir ging es nicht um meine Ex-Lebensgefährtin, mir ging es um meinen Sohn. Ich konnte nicht mit ansehen, wie er vor sich hin vegetiert, nicht arbeitet und Drogen nimmt“, so der Angeklagte. Er habe immer wieder versucht, seinem Sohn zu helfen, aber der habe ihn immer wieder bedroht, sein Auto beschädigt, seinen Fernseher zerstört und sein Laptop gestohlen. „Bei uns war häufig die Polizei, aber nicht meinetwegen“, so der Angeklagte. Er habe immer wieder versucht, seinen Sohn auf den richtigen Weg zu bringen, aber gegen die drei Frauen im Haus, die den Sohn bemuttern, sei er machtlos gewesen. Zu sehen, wie sein Sohn immer weiter abrutschte, habe ihn dazu gebracht, dass er Suizid begehen wollte. „Alle sollten das sehen, vor allem mein Sohn. Es sollte ihn wachrütteln. Deshalb habe ich Lärm gemacht. Ich habe das Benzin nur in die Hausecke gekippt, angezündet und wollte dort ins Feuer springen“, erklärte der Angeklagte. „Durch das Gas, das meine Ex-Lebensgefährtin sprühte, kam dann alles anders.“

Am Mittwoch, 5. Dezember, um 9 Uhr wird die Verhandlung fortgesetzt.r




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