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Dezentrales Impfen steht nicht im Vordergrund

„Überwältigend“: Viele Rintelner Freiwillige und Firmen beteiligen sich an Fahrdienst

RINTELN. Vor knapp zwei Wochen suchte die Stadt Rinteln in einem Aufruf Freiwillige, die bereit wären, Senioren zum Impfzentrum nach Stadthagen zu fahren. „Die Resonanz war überwältigend“, zieht die Stadt jetzt eine sehr positive Bilanz. Knapp 30 Privatpersonen sowie etliche Firmen und Vereine beteiligen sich an dem Service. Und auch die Hotline für Senioren laufe gut:

veröffentlicht am 25.02.2021 um 15:40 Uhr
aktualisiert am 01.03.2021 um 12:07 Uhr

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RINTELN. Vor knapp zwei Wochen suchte die Stadt in einem Aufruf Freiwillige, die bereit wären, Senioren zum Impfzentrum nach Stadthagen zu fahren. „Die Resonanz war überwältigend“, teilt Mareen Fennert von der Stadtverwaltung jetzt mit. „Es ist wunderbar zu wissen, dass die Menschen in Rinteln zusammenhalten.“

Hintergund der Aktion ist, dass das Impfzentrum in Stadthagen gerade für Senioren teilweise nur schlecht zu erreichen ist. „Von Goldbeck nach Stadthagen ist es eine Tagesreise“, sagt Bürgermeister Thomas Priemer im Pressegespräch. Und auch von Deckbergen, Schaumburg oder Westendorf aus sei die Kreisstadt nicht ohne Umsteigen zu erreichen. „Da müssen wir nacharbeiten“, räumt Priemer ein.

Kurzfristig sei das jedoch nicht zu schaffen, und die Kosten für eine Taxifahrt zum Impfzentrum würden nicht bei allen Senioren von der Krankenkasse übernommen. „Einige fallen durchs Raster“, beschreibt Mareen Fennert die Situation. Genau das soll sich durch die ehrenamtlichen Helfer ändern.

Priemer betont, dass die Suche nach Freiwilligen, anders als in einigen sozialen Medien vermutet, dabei kein „Hilferuf“ der Stadtverwaltung sei. Es gehe vielmehr um Solidarität. „Wir sollten alle verfügbaren Kräfte mobilisieren, um die Menschen nach Stadthagen zu bekommen“, sagt er.

Mobile Impfteams, wie sie von der CDU-Fraktion jüngst gefordert wurden, sind für ihn keine Alternative. Bei Impfungen in Dorfgemeinschaftshäusern müssten beispielsweise dieselben hygienischen Voraussetzungen erfüllt werden, wie im Impfzentrum. Zudem sei die Stadt diesbezüglich gar nicht „Herr der Entscheidung“, sondern der Landkreis.

Priemer habe das Thema, das immer wieder populär gefordert wird, mit Landrat Farr besprochen. Ein Pilotprojekt gebe es bereits im Landkreis Cloppenburg. Doch auch das Land Niedersachsen lasse erkennen, dass mobile Impfteams zukünftig nicht ausgeschlossen seien. Bisher habe das Land Niedersachsen die Strategie verfolgt, Impfungen ausschließlich in den Impfzentren durchzuführen. Auf Druck der Kommunen sei nun ein Einlenken zu erkennen. Laut Priemer ist es zu erwarten, dass in den nächsten Wochen oder Monaten dezentrales Impfen in den Kommunen möglich werden kann.

Die Impfanstrengungen, bei denen es ja darum gehe, vorrangige Gruppen komplett zu impfen, ließen keinen Raum, „über irgendwelche gut gemeinten Alternativen zu spekulieren“, so Priemer. Der Impfdruck sei groß, und man müsse jetzt alle Kräfte bündeln, damit schnell möglichst viele Menschen geimpft werden. „Für uns heißt das: Stadthagen.“

Ein Teil dieser Kräfte sind die ehrenamtlichen Helfer. Mareen Fennert betonte im Gespräch, dass es von der Vergabe der Impftermine abhänge, wann diese zum Einsatz kommen werden, und weist dabei auf ein anderes Projekt hin, dass die Stadt in den vergangenen Wochen gestartet hat: Die Hotline, an der Senioren Hilfe bei der Vereinbarung eines Impftermins bekommen können. Bisher hätten sich dort 71 Personen gemeldet.

„Die Daten dieser Personen werden von den ehrenamtlichen Helfern oder Mitarbeitern des Mehrgenerationenhauses aufgenommen“, erläutert Hans-Georg Dlugosch, Leiter des Amtes für Bildung Kultur und Sport. Die Mitarbeiter würden dann online einen Impftermin für die Senioren buchen. Wenn diese den Impftermin erhalten haben, können sie sich erneut bei der Hotline melden, um Hilfe bei der Organisation der Fahrt zum Impfzentrum zu erhalten.

Dlugosch freue sich über die große Hilfsbereitschaft der Menschen und sieht darin eine direkte Auswirkung der Pandemie: „Wir haben alle so lange isoliert gelebt, da lechzt man nach Kontakten.“ Die Hotline und die Unterstützung bei der Fahrt zum Impfzentrum sollen auch dann aufrecht erhalten werden, wenn die Über-70-Jährigen Impftermine vereinbaren können.

Die Hotline ist montags , dienstags und donnerstags von 9 bis 12.30 Uhr besetzt. Sie ist unter folgenden Rufnummern zu erreichen: (05751) 403-366, (05751) 403-367 und (05751) 403-368.

Information

26 Privatpersonen, aber auch Vereine oder Firmen haben nach Auskunft der Stadtverwaltung ihre Hilfe angeboten. Die Firma Stüken steht beispielsweise mit Firmenfahrzeugen und ihren Auszubildenden zur Verfügung, die BBS Rinteln ist mit der Berufsfachschule Wirtschaft dabei und die Vereine TSV Krankenhagen, SC Deckbergen-Schaumburg und TSV Steinbergen unterstützen ihre älteren Mitglieder. Hinzu kommen Ortsbürgermeister, Verwaltungsstellenleiter sowie engagierte Bürger die Fahrten in den Ortsteilen Todenmann, Möllenbeck, Deckbergen, Schaumnburg, Westendorf, Hohenrode, Strücken, Steinbergen und Goldbeck übernehmen oder organisieren. r




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