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Heidrun Korfhages Lädchen schließt Ende des Jahres

Abschied vom „Stoff Werk“

RINTELN. Das Lädchen „Stoff Werk“ schließt zum Ende des Jahres. Nicht viele Läden in der Rintelner Innenstadt arbeiten mit einem so individuellen Konzept wie Heidrun Korfhage es seit neun Jahren erfolgreich umgesetzt hat. Das Konzept „Stoff Werk“ will sie in ihrer Todenmanner Werkstatt weiterführen.

veröffentlicht am 03.12.2018 um 17:03 Uhr
aktualisiert am 03.12.2018 um 19:00 Uhr

Das „Stoff Werk“ schließt: Marlies Kuhlmann und Heidrun Korfhage (rechts) beim kleinen Abschiedsfest im Laden. Foto: cok
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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RINTELN. Der Kirchplatz ohne das „Stoff Werk“-Lädchen? Ohne das bunte Schaufenster, in dem es immer Lustiges zu entdecken gibt? Ohne die ausgestellten Waren vor der Tür, ohne ein Ladeninneres voller Kunsthandwerk und ohne eine Nähwerkstatt? Ja, Inhaberin Heidrun Korfhage (67) will ihr Geschäft Ende des Jahres schließen. Und niemand, der nicht sagt: „Wie schade!“

Es gibt nicht viele Läden in der Innenstadt, die mit einem so individuellen Konzept arbeiten, wie Korfhage es seit neun Jahren erfolgreich umgesetzt hat. Im „Stoff Werk“ verbindet sie den Verkauf von Stoffen, Kissenbezügen, Schmuck, Filzschuhen, Tischdecken und niedlichen Stofffiguren mit konkreter Dienstleistung rund um Nähaufträge ihrer Kunden. Auf die Frage: „Können Sie so was nähen?“, lautet die Antwort so gut wie immer: „Aber sicher!“

„Ja, ich bin schon etwas melancholisch gestimmt“, sagte Korfhage, als sie bei einem gemütlichen Ladenfest mit Stammkunden ihren Abschied vom Kirchplatz verkündete. „Gleichzeitig aber bin ich auch frohgemut.“ Sie habe schon so oft in ihrem Leben etwas Neues angefangen und keine Angst davor. Tatsächlich verschwindet sie nicht ganz mit ihren Angeboten, sondern wird ihren Schwerpunkt nun verlagern.

Das „Stoff Werk“ besteht im neuen Jahr weiter an ihrem Wohnort in Todenmann. In ihrer dortigen Werkstatt wird sie wie gewohnt Nähaufträge annehmen, auch Nähkurse anbieten und Hausbesuche vereinbaren. Mit ihren Waren will sie zukünftig auf den Märkten der Umgebung präsent sein. Der Grund für diese Art des Neubeginns: „Nun ja, bisher habe ich jeden Tag in meinem Laden genossen. Aber ich spüre, dass ich ruhiger treten muss. Und mir ist wichtig, dass ich selbst gehe und nicht aus gesundheitlichen Gründen ‚gegangen werde‘.“

Zu Gast beim Abschiedsfest war auch Schriftstellerin und Freundin Marlies Kuhlmann, deren Bücher Korfhage ebenfalls im „Stoff Werk“ verkaufte. Kuhlmann las eigene Abschieds-Geschichten vor und hat sogar ein Gedicht über den ungewöhnlichen Laden am Kirchplatz verfasst. Auch Hermann Hesses berühmtes Gedicht von den „Stufen“ stand auf dem Programm. Das passte gut: „Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe / bereit zum Abschied sein und Neubeginne.“




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